Firmengebäude Jowat in Detmold


Das Firmengebäude, das IfuH, CKRS und Roedig Schop Architekten für einen Klebstoffhersteller in Detmold geplant haben, befeuert die Frage, warum nicht vor allem am Stadtrand viel häufiger mit Holz gebaut wird.


Text: Friedrich, Jan, Berlin


    Nicht nur außen am Sockel, sondern auch im Foyer sollte Sichtbeton die holzdominierte Materialpalet­-
    te vervollständigen. Der Bauherr war allerdings so un­zufrieden mit der Ausführungsqualität der Ortbetonwände, dass er sie kurzerhand spachteln und weiß streichen ließ.
    Foto: Stefan Müller

    Nicht nur außen am Sockel, sondern auch im Foyer sollte Sichtbeton die holzdominierte Materialpalet­-
    te vervollständigen. Der Bauherr war allerdings so un­zufrieden mit der Ausführungsqualität der Ortbetonwände, dass er sie kurzerhand spachteln und weiß streichen ließ.

    Foto: Stefan Müller

    Foto: Stefan Müller

    Foto: Stefan Müller

    Über die Galerie gelangen Besucher durch die Maschinenhallen hindurch zu den Büros.
    Foto: Stefan Müller

    Über die Galerie gelangen Besucher durch die Maschinenhallen hindurch zu den Büros.

    Foto: Stefan Müller

    Die Decke in den Labors ist keine reine Holzkonstruk­tion, sondern eine Holz-Beton-Verbunddecke.
    Foto: Stefan Müller

    Die Decke in den Labors ist keine reine Holzkonstruk­tion, sondern eine Holz-Beton-Verbunddecke.

    Foto: Stefan Müller

    Das Auditorium lässt sich mittels einer Schiebewand in zwei gleichzeitig nutzbare Veranstaltungsräume teilen.
    Foto: Stefan Müller

    Das Auditorium lässt sich mittels einer Schiebewand in zwei gleichzeitig nutzbare Veranstaltungsräume teilen.

    Foto: Stefan Müller

    Die schräg stehenden Staketen werfen die Frage auf, ob sie nun Tragkonstruktion sind oder nicht. Sie
    sind es nicht

    Die schräg stehenden Staketen werfen die Frage auf, ob sie nun Tragkonstruktion sind oder nicht. Sie
    sind es nicht

    Foto: Stefan Müller

    Foto: Stefan Müller

    Foto: Architekten

    Foto: Architekten

Weshalb Wohn- oder Bürohäuser aus Holz in unseren Innenstädten nur vereinzelt anzutreffen sind, das ist eine Frage, über die man sich trefflich den Kopf zerbrechen kann. Dass Holz aber auch in den Industriegebieten rund um unsere Städte derart selten als Baumaterial vorkommt, ist ein Umstand, der eigentlich weitaus verwunderlicher ist. Schließlich sind die Spannweiten, die es für die üblichen Fertigungs- oder Lagerhallen zu überwinden gilt, mit den Mitteln des zeitgenössischen Holz- und Holzhybridbaus bestens zu schaffen. Und auch in Sachen Brandschutz, der mehrgeschossige Häuser in Holzbauweise zu einer kniffligen Planungsangelegenheit werden lässt, sind Industriebauten in der Regel unproblematisch.
Was auch immer der Grund ist, warum sich Holzkonstruktionen im Gewerbebau bisher nicht weiter durchgesetzt haben – es ist bedauerlich. Jeder mit einigem Anspruch gemachte Holzbau, der sich doch einmal zwischen all die Blech-, Betonfertigteil- oder Sonst-wie-Hallen und Büroriegel verirrt hat, bringt die architektonische Vernachlässigung derartiger Gewerbegebiete umso schmerzhafter ins Bewusstsein. Gleichzeitig zeigen die wenigen Holzbauten, die es dort gibt, was für ein passendes Material Holz doch ist für diese „städtischen“ Ränder, die freilich überhaupt nicht mehr Land, aber mindestens genauso wenig Stadt sind. Vielleicht ist die Wirkung von maschinell bearbeitetem Holz in seiner Ambivalenz zwischen natürlich und künstlich, robust und verletzlich ein sträflich unterschätzter Vermittler zwischen Nicht-Stadt und Nicht-Land. Holz mag das Potenzial innewohnen, Peripherien zu Orten ganz eigener Prägung zu machen.
Doch muss ein Gewerbe-Bauherr, der sich dieser Tage für einen Holzbau entscheidet, anscheinend immer noch einer sein, der unmittelbar oder zumindest mittelbar mit Holz zu tun hat. So wie die Firma Jowat in Detmold, die seit hundert Jahren Leime und andere Klebstoffe für die unterschiedlichsten Anwendungen herstellt, allem voran für die Möbelindustrie. Nicht, dass auf dem Gelände von Jowat, das sich am nördlichen Rand Detmolds entlang einer Bundesstraße erstreckt, bisher schon viel mit Holz gebaut worden wäre. Nein, das neue „Haus der Technik“ auf einem Grundstück gegenüber auf der anderen Straßenseite, ist der erste Holzbau des Unternehmens.
Das Haus der Technik beherbergt ein buntes Programm: ein Auditorium für 200 Besucher, in dem die Firma Schulungen und andere Veranstaltungen durchführt, das aber auch extern vermietet wird; eine Ausstellung zur Unternehmensgeschichte; Werkstätten, Maschinenräume und Labore, in denen die Mitarbeiter die Haltbarkeit von Klebstoffen testen und Neuentwicklungen aus der Taufe heben; außerdem eine Reihe von Büros und Technikräumen. Insgesamt rund 5000 Quadratmeter Bruttogeschossfläche.
Der Bauherr beauftragte Züblin Timber, die Holzbautochter der Baufirma Züblin, als Gene­ralunternehmer mit dem Bau des Hauses. Der Generalunternehmer wiederum beauftragte IfuH Architekten mit Roedig Schop Architekten und CKRS Architekten aus Berlin mit der Entwurfs- und Ausführungsplanung. Das Nutzungsprogramm, das zum einen Teil gestapelte, ein­geschossige Räume, zum anderen Teil doppelgeschossige Hallen erforderte, organisierten die Planer unter einem einzigen mächtigen, von Leimholzbindern getragenen Dach.
Gestaltprägend für das Haus sind mehrere Dutzend Staketen, schräg stehende Kanthölzer, die Dachkante und Betonsockel rund um die drei verglasten Seiten des Gebäudes zusammenbinden. Man ist an Mikadostäbe erinnert, die jemand versuchte, in einer Reihe auszuwerfen. Die Staketen gehören nicht zum Tragwerk, sondern sind als zweite Fassadenschicht vor der Holz-Glas-Fassade, als „Filter“, zu lesen. Die Idee dazu verdankt sich einem Arbeitsmodell: Die Architekten bestrichen zwei Holzplatten mit Leim, pressten sie zusammen und zogen sie wieder auseinander. Die Struktur aus Leimfänden, die so im Zwischenraum entstand, materialisiert sich am fertigen Gebäude in Form der Staketen.
Die bildhafte Wiedererkennbarkeit, die die Architekten dem Haus der Technik verliehen, macht es stark genug, dass es sich in der disparaten Umgebung behaupten kann. Und die Figur ist ausreichend robust, um einige Schwächen in Detaillierung und Ausführung auszuhalten. Die sind vor allem wohl dem Umstand geschuldet, dass die Architekten nicht Auftragnehmer des Bauherrn, sondern des Generalunternehmers waren, wodurch der übliche Kostendruck noch einmal erheblich stieg. Holz kann eine Menge ab. Nicht zuletzt das macht es zu einem perfekten Mitstreiter gegen die Banalität des Stadtrands.



Fakten
Architekten IfuH Architekten Partnerschaft P. Koch, C. Roedig, D. Rozynski mit roedig.schop architekten und CKRS Architekten, Berlin
Adresse Ernst-Hilker-Straße 10, 32758 Detmold


aus Bauwelt 10.2020
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