Gefängnis in Nanterre


Das französische Architekturbüro LAN hat ein Minimum-Security Prison in Nanterre bei Paris fertiggestellt. Die Häftlinge im offenen Strafvollzug erleben ihr Haus mit großzügiger Öffnung zum Quartier.


Text: Redecke, Sebastian, Berlin


    Offener Vollzug mit großem offenen Tor. In den Gebäudeflügeln dahinter sind die Büros der Bewährungshelfer und die Zellen, dazwischen der Sportplatz.
    Foto: Cyrille Weiner

    Offener Vollzug mit großem offenen Tor. In den Gebäudeflügeln dahinter sind die Büros der Bewährungshelfer und die Zellen, dazwischen der Sportplatz.

    Foto: Cyrille Weiner

    Die Schleuse am Tor.
    Foto: Charly Broyez

    Die Schleuse am Tor.

    Foto: Charly Broyez

    In den Gebäudeflügeln dahinter sind die Büros der Bewährungshelfer und die Zellen, ...
    Foto: Cyrille Weiner

    In den Gebäudeflügeln dahinter sind die Büros der Bewährungshelfer und die Zellen, ...

    Foto: Cyrille Weiner

    ... dazwischen der Sportplatz.
    Foto: Cyrille Weiner

    ... dazwischen der Sportplatz.

    Foto: Cyrille Weiner

    Grundrisse konnten aus Sicherheitsgründen nicht zur Verfügung gestellt werden.
    Foto: Cyrille Weiner

    Grundrisse konnten aus Sicherheitsgründen nicht zur Verfügung gestellt werden.

    Foto: Cyrille Weiner

Man mag es nicht glauben, aber dieses Gebäude zeigt trotz seiner völlig anderen Aufgabe als das Straßburger Theater Maillon neben seiner Kompaktheit und gewissen Kargheit auch einen großen, sich zur Straße öffnenden leeren Raum auf.
Mit „Minimum Security“ in einem als „Quartier de Semi-Liberté“ bezeichneten Gebäude ist der offene Strafvollzug gemeint. Es wurde im Mai letzten Jahres eröffnet und entstand im Rahmen eines Programms kleinerer dezentraler Häuser des Strafvollzugs, in dem Maßnahmen der Wiedereingliederung auf Probe im Mittelpunkt stehen. Den Häftlingen ist es erlaubt, das Haus kontrolliert für bestimmte Tätigkeiten zu verlassen. Es steht in Nanterre, einem Vorort im Nordosten von Paris nahe der weiterhin rasant wachsenden Bürostadt La Defense. Der Block setzt sich zusammen aus der eigentlichen Haftanstalt und den Büros der Verwaltung der Bewährungshelfer mit Besprechungs- und Schulungsräumen der Region Hauts-de-Seine. Diese funktionale Zusammenführung ist bisher in Frankreich beispiellos.
Das Besondere ist auch, dass das neue Haus nicht wie meist üblich in Einzelbauten aufgeteilt und, von Mauern umgeben, abgeschieden am Ortsrand steht, sondern sich in der Banlieue als Block mittendrin zwischen den kleinen Wohnhäusern, Gewerbetreibenden, Werkhallen und den Wohntürmen der sechziger Jahre einfügt. Der offene Strafvollzug ist somit Teil des Ganzen und die Zwischenzone mit der Öffnung als Raum der Transition zwischen Innen und Außen inszeniert. Mit diesem Haupteingang als große offene Eingangsgeste am Boulevard du Général Leclerc, will man sich nicht abschotten und sucht mit symbolischer Geste den Dialog. Man sieht aber hinter dieser eindrucksvollen „Rahmung“ nur mit weißen Aluminiumpaneelen verkleideten Flächen, die nichts von den Funktionen des Hauses verraten. Alles strahlt Nüchternheit aus – und weckt Neugier, wie der Strafvollzug dahinter organisiert ist.
Die zwei Nutzungen des Gebäudes setzen sich aus zwei L-förmigen Baukörpern zusammen, die ineinandergreifen. Hinter dem Hauptbau flankieren zwei Gebäudeflügel einen Hof. Der Hauptbau zur Straße nimmt die Büros der Verwaltung auf. Die Fenster und Mauern sind einheitlich mit selbstrostenden Stahlgitter-Elementen verkleidet. Zwischen den Fenstern und den leicht wirkenden Gittern, die angeblich dem Sonnenschutz dienen und sich auf Wunsch aufklappen lassen, ist ein Luftraum von 50 Zentimetern. Die 89 Zellen auf vier und am hinteren Ende zwei Geschossen haben hingegen klassische Gefängnisfenster mit veritablen Gittern. Der Hof mit hell gestalteten Fassaden dient als Umgang mit Basket- und Handballplatz. Im Erdgeschoss daran angegliedert sind Speisesaal, Mediathek, Wäscherei und das Sportstudio.
Für die Häftlinge soll mit diesem Gebäudekonzept und durch die Einbindung ins Stadtgefüge die Maßnahme der Wiedereingliederung besser gelingen. Wie die Anwohner in Nanterre das Haus sehen, konnte nicht in Erfahrung gebracht werden.



Fakten
Architekten LAN Architecture, Paris
Adresse 133 Avenue de la Commune de Paris, 92000 Nanterre, Frankreich


aus Bauwelt 4.2020
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