Bauwelt

Kindertagesstätte in Dettmannsdorf


Die Kindertagesstätte in Dettmannsdorf zeugt auch architektonisch von Gemeinschaft. Mit ungewohnten Mitteln schafft Marika Schmidt einen markanten Ort, ohne die umstehende Bebauung zu beschämen.


Text: Kasiske, Michael, Berlin


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    Spielbereich, Kinderhaus und Hof ...
    Foto: Andrew Alberts

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    Spielbereich, Kinderhaus und Hof ...

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    ... ragen über die breite Traufkrempe mit ihren zeichenhaften Dachformen ...
    Foto: Andrew Alberts

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    ... ragen über die breite Traufkrempe mit ihren zeichenhaften Dachformen ...

    Foto: Andrew Alberts

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    ... und einer Pergola empor.
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    ... und einer Pergola empor.

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    Die Spielhalle dient auch als Mehrzweckraum.
    Foto: Andrew Alberts

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    Die Spielhalle dient auch als Mehrzweckraum.

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    Das Kinderhaus dient als Erschließungs- und Kommunikationsraum aller Gruppenräume ...
    Foto: Andrew Alberts

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    Das Kinderhaus dient als Erschließungs- und Kommunikationsraum aller Gruppenräume ...

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    ... und enthält offene Spielflächen auf der Empore.
    Foto: Andrew Alberts

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    ... und enthält offene Spielflächen auf der Empore.

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    Alle Aufenthaltsräume der Kinder verfügen über einen direkten Ausgang ins Freie.
    Foto: Andrew Alberts

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    Alle Aufenthaltsräume der Kinder verfügen über einen direkten Ausgang ins Freie.

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    Die Gruppenräume liegen den Sanitärräumen im „Kinderhaus“ und seinem Spielzimmer im Dachraum gegenüber.
    Foto: Andrew Alberts

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    Die Gruppenräume liegen den Sanitärräumen im „Kinderhaus“ und seinem Spielzimmer im Dachraum gegenüber.

    Foto: Andrew Alberts

Um gleich damit aufzuräumen: Als nicht mehr ortsansässige Architektin für das Heimatdorf zu bauen, ist kein Heimspiel. Weil der Vater im Ehrenamt Bürgermeister ist, schauen die Leute genau hin, ob der Entwurf taugt, die Ausführung stimmt und die Kosten im Rahmen bleiben. Die Herausforderung nahm die in Berlin lebende Marika Schmidt nach dem Schulcampus (Bau-welt 12/2019) nun mit einer Kindertagesstätte erneut an.
Wir starten unseren Trip ins „wellige Land“ am Bahnhof Berlin-Gesundbrunnen. Schmidt betrachtet die rund 25 Kilometer östlich von Rostock gelegene 1000-Seelen-Gemeinde „in der zweiten Reihe hinter dem Strand“. Vom Bahnhof Sanitz geht es mit dem Auto durch eine weite, von Feldern und Wäldern durchsetzte Landschaft nach Dettmannsdorf, von der nahen Ostsee ist wenig zu spüren.
Die Kita wird wie die Schule vom EvangelischenBildungscampus betrieben. Die gemeinnützige Gesellschaft erhielt den Zuschlag, auch weil sie bereit war, einen kindgerechten Neubau zu errichten. Das hatte der bisherige Träger abgelehnt, der die Einrichtung in einem gegenüberliegenden, vormals gewerblich genutzten Zweckbau untergebracht hatte.
Nach Prüfung verschiedener Standorte fiel die Wahl auf den ehemaligen Reitplatz. Das Grundstück liegt niedriger als die Straße, gegenüber der in Sichtweite verlaufenden Landstraße fällt es sogar deutlich ab. Die Architektin wollte die Senke mit einem zwei- bis dreigeschossigen Gebäude wettmachen, die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Kita waren jedoch strikt dagegen. Nicht allein, weil ihnen verschiedene Etagen aufwändigere Wege beschert hätten, vor allem wünschten sie den räumlichen Kontakt der Krippenkinder mit den Älteren.
Damit sich die nunmehr eingeschossige Kita nicht innerhalb der offenen Bebauung verliert, benötigte sie Masse. Zunächst gliederte Schmidt die notwendigen Bereiche in drei Teile, denen sie jeweils einen „Baukörper“ widmete: Spielhalle, Kinderhaus und Innenhof. Moment, ein Innenhof als Baukörper? Klug überhöht Schmidt den dreiseitig umschlossenen Freiraum mit einer Pergo-la, die allerdings hätte etwas kräftiger ausfallen können, um nicht von der breiten Attika übertönt zu werden. Die drei Teile zieht sie durch ein mit einem Sedum bepflanztes, kräftig ausgebildetes Flachdach zusammen, womit „die Baukörper zum Haus gemacht werden“. Fürwahr ist die Dachplatte durch den Überstand, die gerundeten Ecken und die Verkleidung aus walzblanken Aluminium unübersehbar. Die Holzoberfläche des Unterschlags sowie die außen stehen-de Stütze ließ Schmidt übrigens silbern lasieren, um das Holz visuell mit den Aluminium zu vereinheitlichen – eine Referenz an den japanischen Architekten Kazunari Sakamoto, der sein erstes Bauwerk aus Beton und Holz „versilberte“.
Innen fällt die kompakte Organisation der für 96 Kinder ausgelegten Kita ins Auge. Im öst-lichen Bereich sind um die Spielhalle die betrieblich notwendigen Räume angeordnet: Büros und Werkstatt zur Straße, dahinter der Haupteingang mit Sprechzimmern auf der einen und Anrichte mit Kindercafé auf der anderen Seite. An der Stirnseite konzentriert Schmidt die farblich mit den Gruppen korrespondierenden Garderoben. Die Spielhalle, ein Mehrzweckraum, liegt eine Stufe niedriger und ist mit Stützen und Regalen durchlässig separiert. Über die Fensterbänder des an den Längsseiten nach oben gebogenen Daches, das dem Raum Halt gibt, fällt Licht hinein.
Im südwestlichen Bereich gruppieren sich auf zwei Seiten des Kinderhauses die Gruppenräu-me für die Kita-Kinder. Das zeichenhafte Haus mit Satteldach ist zweigeschossig: unten be-finden sich die Sanitärräume, oben – als Empore ausgebildet – der Rückzugsraum, der sowohl mit den Gruppenräumen als auch mit der Kinderkrippe in Sichtkontakt steht. Deren Wände sind als Schränke ausgeführt, um ausreichend Stauraum für Schlafmatten sowie Boxen mit Wechsel- und Schlafsachen anbieten zu können.
Im nordwestlichen Bereich, um den mit der Pergola bekrönten Innenhof, liegen für die Kinderkrippe Aufenthalts-, Sanitär- und Schlafräume. Letztere sind räumlich abgeschirmt, anders als bei vergleichbaren Kitas jedoch nicht vom übrigen Betrieb ausgegliedert. Wie die Gruppenräume hat auch die Krippe unmittelbare Ausgänge ins Freie, was dem Brandschutz entgegenkommt.
Statt Flure schafft Schmidt Raumsequenzen mit Durchblicken und Hörkontakten. „Die Kinder können sich besser verorten, sich im Kontext einfinden“, so die Architektin, „und sich als Teil der Gemeinschaft wahrnehmen.“ Darüber hinaus sah sie anstelle von Doppelflügeltüren zwischen den Gruppenräumen Schwingtüren vor. „Sind alle Türen geöffnet“, etwa bei der Nachmittagsbetreuung, „wandeln sich Kita und Krippe in einen geräumigen dreidimensionalen Eroberungs- und Entdeckungsraum.“
Die räumlichen Reize werden gestützt durch das überall sichtbare Material Holz, aus dem die gesamte Kita errichtet ist, die tragenden Innenwände aus vorgefertigten Brettsperrholzelementen. Die pure Erscheinung lässt auf den vollständig sortenreinen Rückbau schließen. Das Gebäude ist energieautark und lag in den Kosten bei rund 2100 Euro pro Quadratmeter Bruttogeschossfläche. Mit diesen Fakten überzeugt Schmidt die Dorfbewohner vom Gebrauchswert.
Die Kita steht für das Verständnis der Gemeinde als auch für die Dinge des Alltags zuständige Gemeinschaft. Dazu gehört ebenso das Catering für Schule und Kita, das die nach dem Tod des letzten Betreibers von der Gemeinde übernommene Gaststätte des Ortes fertigt und dadurch auch einen Mittagstisch anbieten kann. Ein vorbildliches kommunales Engagement, das in der Kita seinen Ausdruck findet.



Fakten
Architekten mrschmidt Architekten, Berlin
Adresse Neubau 1, 18334 Dettmannsdorf


aus Bauwelt 5.2026
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