Bauwelt

Haus für Kampfsport in Kopenhagen


Von Jean-Claude Van Damme bis Kung Fu Panda: Der Kampfsport verschiebt sich vom Mythos zum Lifestyle. In Kopenhagen realisierte das Architekturbüro Entasis ein Haus, das ihn aus der Hinterhof-Nische an die Hauptstraße holt.


Text: Bruun Yde, Marie, Berlin


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    Die Sportstätte orientiert sich an der Traufhöhe der benachbarten Transformatorstation.
    Foto: Jens M. Lindhe

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    Die Sportstätte orientiert sich an der Traufhöhe der benachbarten Transformatorstation.

    Foto: Jens M. Lindhe

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    Das Gelände „Skodagrunden“ ist Besitz der Kom-mune Kopenhagen und lag brach, seit der frühere Autohändler in den 1980ern schloss.
    Foto: Jens M. Lindhe

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    Das Gelände „Skodagrunden“ ist Besitz der Kom-mune Kopenhagen und lag brach, seit der frühere Autohändler in den 1980ern schloss.

    Foto: Jens M. Lindhe

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    An verschiedenen Stellen öffnen sich rote Nischen.
    Foto: Jens M. Lindhe

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    An verschiedenen Stellen öffnen sich rote Nischen.

    Foto: Jens M. Lindhe

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    Der Begriff Dojo beschreibt einen heiligen Ort, ...
    Foto: Hampus Berndtson

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    Der Begriff Dojo beschreibt einen heiligen Ort, ...

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    ... an dem Kampfkünste gelehrt und geübt werden, ...
    Foto: Hampus Berndtson

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    ... an dem Kampfkünste gelehrt und geübt werden, ...

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    ... sowie eine Stätte der Meditation.
    Foto: Hampus Berndtson

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    ... sowie eine Stätte der Meditation.

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    Foto: Hampus Berndtson

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    Während die Decken präfabriziert sind, ...
    Foto: Jens M. Lindhe

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    Während die Decken präfabriziert sind, ...

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    ... wurden die restlichen Betonteile vor Ort gegossen.
    Foto: Jens M. Lindhe

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    ... wurden die restlichen Betonteile vor Ort gegossen.

    Foto: Jens M. Lindhe

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    Foto: Jens M. Lindhe

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    Die Schichtung des Baukörpers erzeugt eine Auskragung zur Kreuzung hin ...
    Foto: Jens M. Lindhe

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    Die Schichtung des Baukörpers erzeugt eine Auskragung zur Kreuzung hin ...

    Foto: Jens M. Lindhe

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    ... und markiert den Eingang des Gebäudes.
    Foto: Jens M. Lindhe

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    ... und markiert den Eingang des Gebäudes.

    Foto: Jens M. Lindhe

Oben die S-Bahn, unten Autos und Fahrräder: Das Haus des Kampfsports befindet sich an der Grenze zwischen Nørrebro und Nordvest an einer der belebtesten Kreuzungen der Stadt. Diagonal gegenüber liegt die funktionalistischen Nørrebro Station, zu der die Metro seit der Eröffnung des Cityrings 2019 ebenfalls fährt. Durchmischter wird es in Kopenhagen nicht. Den Hintergrund bilden typische fünfgeschossige Blockrandbebauungen aus rotem Ziegel, dazwischen schieben sich andere Gebäude, große und kleine.
Die schwarz-weiße Vorhangfassade des Kamp- sportens Hus aus Glas und Aluminium erinnert an traditionelle japanische Wohnhäuser, an Reispapierwände. Die Rücksprünge des Gebäudes, sowohl in der Höhe zum Westen als auch in der Erdgeschosszone zum Süden, lockert das große Volumen auf. Der Baukörper ist weiter zurückversetzt als andere Gebäude am Frederikssundsvej, was an dieser Stelle einen breiteren Bürgersteig schafft und sich vom klassischen, schmalen Kopenhagener Gehweg abhebt. Die Bänke, die anfangs entlang der Fassade standen, wurden aber aufgrund der dauerhaften Nutzung für offenen Suchtmittelkonsum wieder abgebaut.

Schattendasein

Die Initiative zum Haus des Kampfsports gab es schon in den 1990er Jahren. Kopenhagen hat zu wenig Sporteinrichtungen, überall sind die Wartelisten lang. Das Haus entstand als gemeinsames Projekt dreier lokaler Kampfsportvereine, die einen repräsentativen Ort für Training und Gemeinschaft realisieren wollten. Der Kampfsport führte in der Gegend früher ein Schattendasein in unautorisierten Räumen. Die Vereine, die heute Hauptnutzer des Hauses sind, praktizieren überwiegend Thaiboxen, Brasilianisches Jiu-Jitsu, Taekwondo und Karate. Finanziert wurde das Haus zur Hälfte von der Kommune, zur Hälfte von Stiftungen, die – wie oft in der von Stiftungen geprägten dänischen Architektur – ermöglichten, über das Übliche hinauszugehen.
Beim Eintreten ins 3000 Quadratmeter große Haus findet man sich sofort in einer anderen Atmosphäre: Im Kontrast zur lebendigen, transitgeprägten Straßensituation herrscht im Innenraum Ruhe wie in einer Bibliothek. Schuhe werden gleich am Eingang ausgezogen, das Haus wird nur in Strümpfen betreten. Man spürt den Unterschied zu Multifunktionshallen – statt Nebeneinander verbreitet sich eine Stimmung von Konzentration und Disziplin.
Sichtbeton prägt die Innenräume. Die Materialwahl fand schon vor längerer Zeit statt, erklärt Tor Kristian Korsnes, Projektleiter bei Entasis, also vor dem ökologischen Erwachen der Architektenschaft in den letzten Jahren. Heute hätten sie Beton eher vermieden. Sechs Dojos, japanisch für Trainingssäle, sind auf drei Stockwerke verteilt, die Umkleiden befinden sich im Untergeschoss. Außerdem beherbergt das Haus ein Büro und einen Besprechungsraum für die Verwaltung sowie eine Küche, einen kleinen Saal für Veranstaltungen und Fitnessräume für die 2000 Mitglieder der Vereine. Das Foyer erstreckt sich offen über alle Geschosse, fast zu großzügig; prominiment positioniert steht eine Spindeltreppe und erschließt den Bau.
Die Dojos öffnen sich wie Schreine, mit roten Böden und von Holzschränken verkleidet. Beim Öffnen der Schränke stellt sich jedoch heraus, dass es gar keine Schränke sind, sie verstecken nur die Heizkörper dahinter. Die Farben Schwarz, Rot, Betongrau und Holzbraun ziehen sich durch die Architektur, sogar die Fahrradständer hinter dem Haus sind rot markiert.

Ins Licht treten

Nørrebro war immer offener für Veränderungen als andere Stadtteile. Anders als die wohlhabenderen, historisch intakteren benachbarten Viertel Frederiksberg und Østerbro, ist Nørrebro weniger homogen, von Abriss und großmaßstäblichem sozialen Wohnungsbau der 1980er Jahren betroffen. Diese Brüchigkeit wird gern überkuratiert wie im Fall des disneyesken Superkilen (Bauwelt 12.2012), der dem Alltag oder den Bedürfnissen der Nachbarschaft wenig entsprach. Aber aus der Vielfältigkeit entsteht manchmal auch Außergewöhnliches, was die Komplexität der multikulturellen Nachbarschaft versteht und entfaltet, und was wahrschein-lich anderswo so nicht zustande gekommen wäre. Dass ein südostasiatisch inspiriertes Haus hier neben nahöstlich geprägten Läden funktioniert, überrascht, liegt aber sicher auch an der nordischen Interpretation von Dimension und Ausdruck.
Das Haus hat zu starkem Interesse für Kampf- sport geführt. Interessanterweise geht dieses insbesondere von Frauen aus, die offensichtlich vorziehen, nicht in lichtscheuen Kellern oder Industrieräumen, sondern bei Tageslicht Sport zu treiben.



Fakten
Architekten Entasis, Kopenhagen
Adresse Frederikssundsvej 6, 2400 København, Dänemark


aus Bauwelt 2.2026
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