Über Brandschutz
Caroline Kraft liest ab jetzt nur noch digital
Text: Kraft, Caroline, Berlin
Über Brandschutz
Caroline Kraft liest ab jetzt nur noch digital
Text: Kraft, Caroline, Berlin
In Charlottenburg gab es neulich ein Feuer. „Riesen-Rauchwolke über Berlin“ titelte die Zeitung mit den vier weißen Großbuchstaben. Heißt: Der Dachstuhl eines Gründerzeithauses ist abgebrannt. Das Wohngebäude hat zwei Kriege überstanden, die Teilung und Wiedervereinigung eines Landes, Finanz- und Wirtschaftskrisen, eine Pandemie. Jetzt war ein Funke vielleicht zu viel.
Im Dachgeschoss des Hauses sollten Penthouse-Wohnungen entstehen, die teilweise schon verkauft waren. Hätte sich bestimmt gut gewohnt da oben, mit Blick in die Ferne und verlässlichem Halt von unten. Das Feuer ist vermutlich durch die Bauarbeiten entstanden, das Gebäude inzwischen einsturzgefährdet. Es war von Gerüsten umhüllt – diese eigentliche Hilfskonstruktion fing irgendwann ebenfalls Feuer, herabfallende Teile zerstörten einen Feuerwehrschlauch, was die Löscharbeiten erschwerte. Gase gefährdeten zeitweise den umgebenden Kiez, eine Warn-App schlug Alarm. Was man dem Haus aufsetzen wollte, um von ihm zu profitieren, erschütterte schlussendlich die tragenden Grundpfeiler.
Und was hat das Fundament alles ermöglicht! Deshalb ist die Entscheidung, ihm immer mehr überzustülpen, logisch – wenn man nur an die schöne Aussicht denkt. Das englische Wort pent allerdings ist so schön gar nicht: eingesperrt, zugeschlossen oder eingepfercht kann man es übersetzen. Die, die im Penthouse wohnen, sind also vielleicht so frei gar nicht.
Nachdem es in dem Eckhaus in Charlottenburg mehrere Explosionen auf dem Dach gab, ist seine Zukunft unklar. Was aber auf der Hand liegt: Tragfähigkeit ist endlich. Wird das Haus teuer saniert werden? Oder wird notdürftig stabilisiert, bis zum nächsten Funkenflug? Wie der Bestand erhalten bleibt, ist die Frage – in Berlin mangelt es nicht an überformter Substanz.
Papier ist vor Feuer so unsicher wie Häuser. Wer kann, sollte also vielleicht schon mal seine Bauwelten in Kartons packen. Und sich nach einer anderen Adresse umsehen.







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