Bauwelt

Marie Frommer, eine vergessene jüdische Architektin

Text: Krenz, Anna, Berlin

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Umbau des Seidenhauses Leiser in der Königstraße (heute Hotel „Majestic“ für alleinstehende berufstätige Frauen), Brandenburgische Straße / Ecke Ballenstedter Straße, Berlin-Wilmersdorf, Aufnahme um 1930
Quelle: Bauwelt 15, 1930

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Umbau des Seidenhauses Leiser in der Königstraße (heute Hotel „Majestic“ für alleinstehende berufstätige Frauen), Brandenburgische Straße / Ecke Ballenstedter Straße, Berlin-Wilmersdorf, Aufnahme um 1930

Quelle: Bauwelt 15, 1930


Marie Frommer, eine vergessene jüdische Architektin

Text: Krenz, Anna, Berlin

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts befanden sich Architektur, Kunst und Mode im Umbruch. Der Historismus wurde überwunden, neue Formen und neue Entwurfsansätze prägten die Moderne. Gleichzeitig war dies eine entscheidende Phase für Frauen, die erst allmählich Zugang zu Hochschulen und Berufen erhielten, die lange Männern vorbehalten gewesen waren. Als Marie Frommer 1911 ihr Architekturstudium an der Technischen Hochschule Charlottenburg begann, gehörten zu den 353 Studienanfänger lediglich drei Frauen.
Die 1890 in Warschau geborene Architektin jüdischer Herkunft war die erste Architektin in Deutschland, die einen Doktortitel erwarb (1919, Technische Hochschule Dresden). Ihre Dissertation über den Zusammenhang zwischen Flussverläufen und Stadtentwicklung erscheint auch heute noch erstaunlich aktuell. Ab 1925 führte sie ein eigenes Büro in Berlin. Sie entwarf ganzheitlich – von Funktion und Technik bis zu den kleinsten Ausstattungsdetails. Obwohl sie nicht dem Bauhaus angehörte, spiegeln ihre Arbeiten den Geist der Moderne und des Funktionalismus wider. Ihre in internationalen Fachzeitschriften vielfach publizierten Entwürfe umfassten luxuriöse Geschäfte, Bürogebäude, Banken und Hotels. Besondere Anerkennung fanden die Umbauten für die Warenhauskette Leiser sowie die Villa Majestic in Berlin-Wilmersdorf, die Frommer in ein Wohnhotel für alleinstehende berufstätige Frauen umwandelteund in der Bauwelt-Ausgabe 15 im Jahr 1930 veröffentlicht wurde. In jenem Jahr gehörte sie zu den fünf Architektinnen der Ausstellung „Die gestaltende Frau“. Drei Jahre später wurde sie aus dem Bund Deutscher Architekten ausgeschlossen.
Ebenso wichtig wie die eigene Arbeit waren für viele Frauen internationale Netzwerke. Organisationen wie Soroptimist International oder der Saturday’s Children Club ermöglichten berufliche Kontakte und gegenseitige Unterstützung. Nach ihrer Emigration nach Großbritannien und später in die USA konnte Marie Frommer auch dank dieser Netzwerke in New York erneut ein eigenes Architekturbüro eröffnen. Bereits 1948 zählte sie zu den zehn bekanntesten Architektinnen der Vereinigten Staaten.
Anfang Juni widmete die Architekturhistorikerin Brigitte Jacob der Architektin Marie Frommer einen Vortrag im historischen Repräsentantensaal der Jüdischen Gemeinde zu Berlin. Die Veranstaltung fand im Rahmen der seit 2023 organisierten Reihe „Vergessene jüdische Architekten“ statt. Erstmals stand dabei eine Frau im Mittelpunkt. Es folgen Vorträge über Rudolf Hamburger (9. Juni), Arthur Korn (6. Oktober) und Alfons Anker (13. Oktober). Die Reihe lädt dazu ein, jüdische Architektinnen und Architekten wiederzuentdecken, die das Berlin des 20. Jahrhunderts prägten. Sie erinnert an Biografien und Bauwerke, die lange Zeit nur am Rande der Architekturgeschichtsschreibung standen.


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