Barbara Buser – eine Architektin prägt die Zukunft des Bauens
Text: Rickmann, Nele, Zürich
Barbara Buser – eine Architektin prägt die Zukunft des Bauens
Text: Rickmann, Nele, Zürich
Wer sich mit der Wiederverwendung von Bauteilen beschäftigt, kommt an Barbara Buser nicht vorbei. Die Basler Architektin und Mitgründerin des Baubüro in situ zählt zu den wichtigsten Stimmen für ressourcenschonendes Bauen. Lange bevor Nachhaltigkeit zum zentralen Thema der Architektur wurde, setzte sie auf Partizipation und Kreislaufwirtschaft. Als Frau in einer von Männern geprägten Branche und mit Projekten, die lange nicht als "echte" Architektur galten, blieb sie zunächst eine Nonkonformistin. Erst in den vergangenen Jahren änderte sich dies. Heute nimmt das Baubüro in situ eine besondere Stellung ein, auch im internationalen Diskurs. Für ihre Arbeit und bekannte Projekte wie den Kopfbau Halle 118 in Winterthur erhielt Barbara Buser zahlreiche Auszeichnungen, darunter 2020 die höchste Schweizer Architekturauszeichnung, den Prix Meret Oppenheim.
Der Dokumentarfilm "Barbara Buser – Pionierin der Nachhaltigkeit" von Gabriele Schärer würdigt aktuell Leben und Werk der Architektin. Die Berner Regisseurin, die seit Jahrzehnten aus feministischer Perspektive arbeitet, interessiert sich vor allem für die Person hinter den Projekten. Wie wurde Barbara Buser zu der, die sie heute ist?
Prägend war ihre mehrjährige Tätigkeit im Sudan und in Tansania. Dort erkannte sie, dass Abfall stets auch Rohstoff ist – eine Einsicht, die ihre Haltung nachhaltig bestimmen sollte. Zurück in Basel wurde ihr klar, dass sich der Umgang mit Ressourcen grundlegend verändern muss. Zunächst arbeitet sie als erste Fährfrau auf dem Rhein, den sie als städtische Allmende versteht. Bald richtet sich ihr Fokus auch auf Gebäude und Stadträume. Ihre Agenda ist klar: Kreislaufwirtschaft statt Verschwendung, Caring Economy statt Profit. Sie schafft Orte ohne Konsumzwang, die Begegnung, Teilhabe und Experimente ermöglichen.
1998 gründet sie gemeinsam mit Eric Honegger das Baubüro in situ. Mit dem Gundeldinger Feld gelingt ihnen eines ihrer wegweisenden Projekte: Aus der stillgelegten Sulzer-Maschinenfabrik entsteht ein lebendiger Ort für kulturelle, soziale und wirtschaftliche Nutzungen. Bis heute befindet sich dort unter anderem der Hauptsitz des inzwischen um drei weitere Firmen gewachsenen und über 100 Mitarbeitende starken Baugeschäfts.
Barbara Busers Haltung entspricht dem Zeitgeist, in dem Klimawandel, Ressourcenknappheit und sozialer Druck zunehmend an Bedeutung gewinnen. Weitere Projekte wie die Markthalle in Basel oder das Werkstadt-Areal in Zürich folgen. Der Film macht dabei ihre vielleicht grösste Stärke sichtbar: komplexe Ideen verständlich zu vermitteln und Menschen für sie zu gewinnen. Investoren überzeugt sie mit ökologischen und sozialen Argumenten, mit ihrer Idee der "Stadtrendite", dem Gewinn für alle. Ihre ruhige, beharrliche und zugleich begeisternde Art macht sie zu einer ebenso überzeugenden wie nahbaren Protagonistin.
Mit über 70 Jahren hat sich Barbara Buser inzwischen aus dem Baubüro zurückgezogen. Der Film begleitet sie und Eric Honegger in dieser Übergangsphase und stellt die Frage, wie es ohne die prägende Figur weitergeht. Ganz loslassen will Barbara Buser jedoch nicht. Mit dem Franck-Areal in Basel verfolgt sie weiterhin ein Projekt, das sie in den kommenden Jahren abschliessen möchte. Und gemeinsam mit Tochter Anna leitet sie seit 2022 das Studio Buser, das Projektideen mit dem Fokus Wiederverwendung Starthilfe gibt. Zur Freude all jener, welche die Expertise und das Engagement der Architektin schätzen.







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