Bauwelt

Zwischen den Welten

Fotos von Tina Modotti im Dieselkraftwerk Cottbus

Text: Hamm, Oliver G., Berlin

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Modotti hatte eine kraftvolle und klare Bildsprache: Hände eines Bauarbeiters, Mexiko, 1926.
Bild: Reinhard Schultz/Galerie Bilderwelt

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Modotti hatte eine kraftvolle und klare Bildsprache: Hände eines Bauarbeiters, Mexiko, 1926.

Bild: Reinhard Schultz/Galerie Bilderwelt


Zwischen den Welten

Fotos von Tina Modotti im Dieselkraftwerk Cottbus

Text: Hamm, Oliver G., Berlin

Arbeiterin, Emigrantin, Schauspielerin, Fotografin und Revolutionärin: Was für ein Leben, das 1942, mit nur 45 Jahren, ein jähes Ende fand. Und was für ein fotografisches Werk, das in weniger als einem Jahrzehnt entstand und in seiner Vielfalt und künstlerischen Qualität auch heute noch beeindruckt. Aktuell ist es im Brandenburgischen Landesmuseum für Moderne Kunst – Dieselkraftwerk in Cottbus zu sehen: die Bilder von Assunta Adelaide Luigia Modotti Mondini.
1896 in Udine, Italien, als drittes von sechs Kindern geboren, arbeitete sie bereits mit 12 Jah­­-ren in einer Seidenfabrik, um zum Unterhalt der Familie beizutragen. Die frühe Prägung der eigenen ärmlichen Lebensumstände sollte sich später in ihrem fotografischen Werk niederschlagen. Mit 16 Jahren folgte Tina Modotti, wie sie sich nun nannte, ihrem bereits 1906 nach Amerika ausgewanderten Vater Giuseppe Modotti und arbeitete in einer Näherei in San Francisco. Zwei Jahre später lernte sie den kanadischen Maler und Poeten Roubaix de l’Abrie Richey kennen, heiratete ihn und siedelte mit ihm nach Los Angeles über, wo sie in drei Filmen als Schauspielerin mitwirkte. Als Roubaix 1921 nach Mexiko ging, wo er ein Jahr später den Pocken erlag, stand Modotti dem bekannten Fotografen Edward Weston Modell. Sie wurde seine Geliebte und zog mit ihm, angelockt von der revolutionären Aufbruchstimmung in der Politik und in den sozial engagierten Künsten, 1923 nach Mexiko-Stadt, wo ihre eigene Karriere als Fotografin begann.
Modottis Stillleben etwa von Calla- oder Kaktusblüten und ihre abstrakten Strukturstudien – Zuckerrohr, Weingläser, eine Hängematte, Treppen, Telegrafen- und Telefonleitungen – weisen sie als künstlerisch ambitionierte Fotografin aus. Doch mit ihren Alltagsporträts von Frauen und Kindern sowie von Bau- und Landarbeitern und insbesondere mit ihren Dokumentationen von Bauern-, Partei- und Gewerkschaftsversammlungen engagierte sie sich ebenso für die revolutionäre indigene Bewegung in Mexiko. Ihre Fotos fanden über Veröffentlichungen in internationalen Zeitungen und Zeitschriften viel Beachtung. Doch wie viele andere linksgerichtete Emigranten wurde Modotti, die 1927 der Kommunistischen Partei beigetreten war, nach einem Attentat auf den mexikanischen Präsidenten 1930 des Landes verwiesen. Über Berlin, wo sie noch im gleichen Jahr eine Ausstellung in der Galerie der Fotografin Lotte Jacobi hatte, zog sie 1931 weiter nach Moskau. Dort gab sie die Fotografie auf und arbeitete fortan für die Internationale Rote Hilfe – ab 1933 in Paris und ab 1936 in Spanien, wo sie mit Beginn des Bürgerkrieges in den medizinischen Hilfsdienst wechselte. 1939 kehrte sie unter falschem Namen nach Mexiko zurück, wurde im Jahr darauf offiziell rehabilitiert, er­­litt aber am 5. Januar 1942 in einem Taxi vor ihrem Haus in Mexiko-Stadt einen Herzinfarkt und starb.
Die Ausstellung in Cottbus präsentiert mit über 90 Fotografien – Modern Prints auf Barytpapier – Beispiele für alle wesentlichen Bereiche in Modottis Werk. Darüber hinaus sind auch ei­nige Porträts von ihr zu sehen, die Edward Weston und andere Fotografen anfertigten; sie zeigen eine, auch von der äußeren Erscheinung her, sehr facettenreiche moderne Frau. Ein Ausstellungskatalog ist nicht erschienen, jedoch ist im Dieselkraftwerk – und im Verlag Wiljo Heinen – das Buch „Tina Modotti. Das objektive Leben“ mit vielen der in Cottbus gezeigten Fotos erhältlich. Oliver G. Hamm

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