Tanz der Moleküle

Text: Crone, Benedikt, Berlin; Landes, Josepha, Berlin

Tanz der Moleküle

Text: Crone, Benedikt, Berlin; Landes, Josepha, Berlin

Alles, was ist, war immer schon da. Und alles wird bleiben. Für immer. Die Welt ist ein Kreislauf. Umso erstaunlicher, dass „Kreislauf-Wirtschaft“ erst jetzt ein solches Thema ist. Auf den Zustand dessen, was ist, kommt es an. Und darauf, wo es ist. Ganz gut erklären lässt sich das anhand des Ozonlochs: Im Ozon-Molekül haben eben etwas zu viele Sauerstoff-Atome zusammengefunden. Dass die an sich binär gebundenen Teilchen des Sauerstoffs (O2) sich für eine offenere Beziehungsform zu dritt (als Ozon O3) entschieden haben, steht ihnen ja frei – ist aber etwas instabil. Das mag jetzt arg an Chemie-Unterricht erinnern, und reichlich theoretisch klingen, aber wir müssen molekular reden. Wir müssen über CO2-Emissionen reden. Kohlenstoffdioxid ist das neue Ozon.
Das Ozonloch schließt sich langsam. Die sogenannten FCKW-Gase sind weitgehend aus Deodorants und Kühlmitteln verschwunden. Aber warm bleibt’s: Nun liegt Kohlenstoffdioxid en masse wie eine Wärmedecke um die Erde. Freigesetzt durch Verbrennung, ergo Oxidation organischer Verbindungen aller Art. Einem UNO-Bericht aus dem Jahr 2020 zufolge, waren im Vorjahr 38 Prozent der weltweiten CO2-Emissionen, die diese Decke speisen, durch Gebäude und Bauen verursacht.
Ein Kohlenstoffatom, zwei Sauerstoffatome: Jedes von ihnen gibt es schon immer, seit aller Zeit auf diesem Planeten. Menschliches Zutun jedoch hat zu viele von ihnen in einen Zustand überführt, in dem sie schädlich sind für diese und jene Lebensform. Temperatur und Meeresspiegel steigen etc. An sich nicht so schlimm, irgendwas lebt vorerst weiter. Allein mit hoher Wahrscheinlichkeit sind das, geht es so weiter, auf absehbare Zeit keine Menschen mehr.


Kreislauf mit Mehrwert

Deshalb also ist Kreislaufwirtschaft im Bausektor ein Thema. Aber auch, weil Ressourcen bekanntermaßen endlich sind, vom Sand für die Betonherstellung bis zum Eisen für die Stahlerzeugung. Wir machen das Wiederverwerten zu unserem Thema – in diesem ersten Bauwelt-Heft des Jahres, und darüber hinaus. Bauen muss nicht Kreislaufwirtschaft werden, Bauen ist Kreislaufwirtschaft.
Das Wesen jedweden Lebens beruht auf Umwandlungsprozessen. Bauen als Umwandeln von Materie in Raumfassung gehört zum menschlichen Leben. Es muss aber die Teile seines Ganzen so von einem in den anderen Zustand überführen, dass nichts und niemand Schaden nimmt. Bauen muss in einem Kreislauf ablaufen, in dem bedacht ist, wo alles herkommt und wo es hingeht, jedes Molekül. Abgesehen davon: Wiederverwendung steht Architektur gut zu Gesicht.

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