Zwischen Abriss und Weiterbau
In München sollen mehrere Nachkriegsquartiere saniert und nachverdichtet werden. Ein Beispiel ist die Siedlung Neuherbergstraße, für die ein Wettbewerb ausgelobt wurde. Die Ergebnisse verdeutlichen die Herausforderungen, die sich aus notwendiger Wohnraumbeschaffung, Bestandserhalt und klimafreundlicher Stadtplanung ergeben.
Text: Russ, Alexander, München
Zwischen Abriss und Weiterbau
In München sollen mehrere Nachkriegsquartiere saniert und nachverdichtet werden. Ein Beispiel ist die Siedlung Neuherbergstraße, für die ein Wettbewerb ausgelobt wurde. Die Ergebnisse verdeutlichen die Herausforderungen, die sich aus notwendiger Wohnraumbeschaffung, Bestandserhalt und klimafreundlicher Stadtplanung ergeben.
Text: Russ, Alexander, München
Milbertshofen-Am Hart ganz oben im Münchner Norden: Hier ist man ziemlich weit weg vom Stadtzentrum. Teil des Bezirks ist die Siedlung Neuherbergstraße, die ursprünglich zwischen 1954 und 1956 von den amerikanischen Streitkräften im Rahmen eines Wohnungsbauprogramms errichtet wurde. Ende der 1960er Jahre übergab das US-Militär das Quartier an die heutige Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BImA), die es seitdem verwaltet. Bei dem rund 19 Hektar großen Areal handelt es sich um eine klassische Nachkriegssiedlung: Zeilenbauten mit Satteldach, meist dreigeschossig, in Gruppen angeordnet. Dazwischen verlaufen große Parkplätze und Grünflächen mit altem Baumbestand, die aber immer wieder durch breite Straßen zergliedert werden.
Für die Siedlung lobte die BImA einen nicht offenen Realisierungswettbewerb aus, der im November 2025 entschieden wurde. Die Aufgabe sah vor, mittels Nachverdichtung und Aufstockung den vorhandenen Wohnraum von derzeit 450 Wohnungen auf 1100 Wohnungen zu erhöhen.
Von der Nachkriegssiedlung zum Klimaquartier
Ähnliche Planungen gibt es in München auch an anderer Stelle. Ein Beispiel ist die 1953 errichtete „Ami-Siedlung“ am Perlacher Forst, die mit etwa 46 Hektar noch mal deutlich größer ist. Wie in Milbertshofen-Am Hart handelt es sich um eine Zeilenbebauung mit großzügigen Grünflächen, die ursprünglich von Angehörigen der US-Armee und ihre Familien bewohnt wurde. Hier will die BImA ebenfalls nachverdichten und 1000 zusätzliche Wohnungen bauen. Allerdings trifft das Vorhaben auf erheblichen Widerstand, unter anderem weil man den Verlust von Grünflächen und altem Baumbestand fürchtet. Zudem wird gerade geprüft, ob die Siedlung unter Denkmalschutz gestellt werden kann.
Im Münchner Stadtteil Ramersdorf ist man da schon weiter. Die von den amerikanischen Streitkräften errichtete Siedlung ähnlicher Machart aus den 1950er Jahren soll von der Münchner Wohnen, der Wohnungsbaugesellschaft der bayerischen Landeshauptstadt, ertüchtigt und nachverdichtet werden. Dazu lobte man einen nicht offenen Realisierungswettbewerb für ein „Klimaquartier“ aus, der im Juli 2025 entschieden wurde.
Die Themen sind in Ramersdorf ähnlich gelagert wie bei den beiden anderen Siedlungen: Es geht um eine ausgewogene Balance zwischen Wohnraumbeschaffung, klimatischer Gebäudesanierung, Bewahrung des Bestands mit seiner grauen Energie, notwendiger Stadtreparatur, klimafreundlicher Stadtentwicklung und dem
Erhalt des Grünraums bei gleichzeitiger Aufwertung der Freiflächen. So weit, so umfangreich.
Erhalt des Grünraums bei gleichzeitiger Aufwertung der Freiflächen. So weit, so umfangreich.
Bewahrung oder Abriss?
Für die Siedlung Neuherbergstraße in Milbertshofen-Am Hart ist eine Mischung aus Sanierung, Dachgeschossausbau, Ersatzneubauten und ergänzender Neubebauung vorgesehen. Zudem sollen die Grün- und Freiflächen aufgewertet und nach dem Schwammstadtprinzip klimatauglich gemacht werden. Entsprechend war der Wettbewerb in zwei Teilaufgaben gegliedert: eine Flächenplanung mit städtebaulich-freiraumplanerischem Konzept und eine Objektplanung mit Gebäude- und Freianlagenplanung für einzelne Neubauten und einen exemplarischen Ersatzneubau. Gewonnen hat das Planungsteam bogevischs buero aus München und grabner huber lipp aus Freising.
Der Entwurf würdigt die großzügigen Freiflächen als besondere Qualität der Siedlung. Dazu will man möglichst viel Gebäude- und Baumbestand erhalten. Im Unterschied zu anderen Wettbewerbsteilnehmern, die einen fast vollständigen Abriss der vorhandenen Gebäude vorschlugen, greift er die Struktur der Zeilenbebauung auf. Die vorgesehenen Neubauten sind als Querriegel zum fächerförmig angeordneten Bestand geplant. So bilden sie Höfe aus und dienen gleichzeitig als Puffer zu den breiten Straßen, die sich um das Quartier legen.
Geplant sind möglichst autofreie Grünflächen mit niedrigerem Versiegelungsgrad. Zudem soll sich ein öffentlicher Grünzug mit zentralem Quartierspark als verbindendes Element in Nord-Süd-Richtung durch das Quartier ziehen. Auf den Bau von Tiefgaragen will man verzichten. Stattdessen gibt es zwei Mobility Hubs, dezentrale Mobilitätsstationen, Fahrradstellplätze und Paketstationen.
Eine Umsetzung des Wettbewerbsergebnisses soll laut BImA in spätestens ein bis zwei Jahren erfolgen. Im besten Fall entsteht dann ein Ort, an dem sich die vorhandenen Qualitäten mit den Anforderungen an eine klimagerechte, soziale und damit zukunftsfähige Stadt verbinden.
Anonymer, nicht offener Planungswettbewerb mit vorgeschaltetem offenem Bewerbungsverfahren
1. Preis bogevischs buero architektur und stadtplanung, München, mit grabner huber lipp landschaftsarchitekten und stadtplaner, Freising
2. Preis Drees & Sommer, Berlin, mit Bios Atelier, Cannes, und A Kind of Space Office for Architecture, Research and Design, Berlin
3. Preis MR Müller Reimann Planungsgesellschaft Berlin, mit Vogt Landschaftsarchitekten, Zürich
Engere Wahl Dietrich Untertrifaller Architekten, München, mit WES LandschaftsArchitektur
Ausloberin
Bundesanstalt für Immobilienaufgaben, Berlin, in Abstimmung mit der Landeshauptstadt München
Fachpreisjury
Dietrich Fink (Vorsitz), Carlo Becker, Helmut Breunig, Johannes Ernst, Florian Zielinski, Elisabeth Lesche, Monika Weidner
Wettbewerbsbetreuung
bgsm Architekten Stadtplaner, München
1. Preis bogevischs buero architektur und stadtplanung, München, mit grabner huber lipp landschaftsarchitekten und stadtplaner, Freising
2. Preis Drees & Sommer, Berlin, mit Bios Atelier, Cannes, und A Kind of Space Office for Architecture, Research and Design, Berlin
3. Preis MR Müller Reimann Planungsgesellschaft Berlin, mit Vogt Landschaftsarchitekten, Zürich
Engere Wahl Dietrich Untertrifaller Architekten, München, mit WES LandschaftsArchitektur
Ausloberin
Bundesanstalt für Immobilienaufgaben, Berlin, in Abstimmung mit der Landeshauptstadt München
Fachpreisjury
Dietrich Fink (Vorsitz), Carlo Becker, Helmut Breunig, Johannes Ernst, Florian Zielinski, Elisabeth Lesche, Monika Weidner
Wettbewerbsbetreuung
bgsm Architekten Stadtplaner, München







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