Robotron
Nach jahrelangem Hin und Her und andauerndem „Vielleicht doch nicht“ nun also doch: Die Dresdner Robotron-Kantine bleibt und wird zum dauerhaften Standort des Kunsthaus Dresden sowie Austragungsort der Kunstschau OSTRALE.
Text: Landes, Josepha, Berlin
Robotron
Nach jahrelangem Hin und Her und andauerndem „Vielleicht doch nicht“ nun also doch: Die Dresdner Robotron-Kantine bleibt und wird zum dauerhaften Standort des Kunsthaus Dresden sowie Austragungsort der Kunstschau OSTRALE.
Text: Landes, Josepha, Berlin
Grundsätzlich zu begrüßen: Die Robotron-Kantine in Dresden soll 2029 als ganzjährig nutzbares Museum für Gegenwartskunst öffnen. Der ostmoderne Pavillon im Zentrum Dresdens wird nach langjähriger Debatte endlich als kulturelles Herz im neu entstehenden Wohnquartier der Lingnerstadt verankert. Aus zwölf Vorschlägen im Wettbewerb entschied das Preisgericht Ende Januar für den Entwurf von Knerer und Lang. Finanziert mit etwa fünf Millionen Euro aus einer Spende sowie dem Bundesprogramm Nationale Programme des Städtebaus gilt es, fristgerecht bis Ende 2028 und kosteneffizient zu realisieren. Die Auslobung forderte neben dem Realisierungs- auch ein Ideenteil, in dem über die reine Instandsetzung hinausgehende Perspektiven aufzuzeigen waren.
Gestalterisch zündet in diesem Schritt des Robotron-Werdegangs kein Feuerwerk. Was jedoch zu verschmerzen ist – und sich im Sinne des Ortes selbst lesen lässt: Es galt, zu erhalten und wertzuschätzen, was der Baukörper ist. Damit ist fürs Erste schon viel gewonnen, etwa, dass die Ostmoderne nach langen zähen Jahren als akzeptierte Zeitschicht ihren Raum findet. Zugleich ist davon auszugehen, dass die Kantine ein Eigenleben entwickeln wird, sofern sie dieses zulässt. Als Rahmenbedingungen dafür muss der Großteil des zur Verfügung gestellten Geldes zuerst einmal in Abdichtungsmaßnahmen, statische Ertüchtigungen und den sanitären wie technisch-en Ausbau fließen.
Bemerkenswerterweise spielt die Architektur bei diesem Vorhaben auch narrativ ihre gebührliche Rolle. Die Auslobung verortet das Vermitteln von Baukultur dezidiert im Gesellschafts- und Bildungsauftrag von Kunst und Kultur. Die Kantine selbst, nebst der mit ihr verknüpften Bau- und Stadtgeschichte, soll in einer frei zugänglichen Dauerausstellung im Haus Platz finden.
Knerer und Langs Vorschlag konnte nicht zuletzt punkten, indem er als einziger der prämierten Entwürfe diesen inhaltlichen wie auch räumlichen Kern mit zentraler und großzügiger Geste öffnet. Dabei setzt das Büro auf die konsequente Beräumung nichttragender Wände. Die im Folgenden durch bewegliche Trennungen aus Mobiliar oder Textil bestückte variable Raumstruktur wird vom Realisierungs- zum Ideenteil weitgehend beibehalten. In der späteren Entwicklung sieht das Büro aus Dresden und München vor allem weitere Ausdifferenzierung und nachrangige Ausbesserungen vor, ebenso die Ertüchtigung des an der Rückseite gelegenen Anbaus für Büros und Technikräume. Der Beitrag trägt den Titel „Spread the Kantine“, was einen materialisierten Sendungsauftrag verbalisiert: Eine mobile Mini-Kantine soll Botschafterin des Kunsthauses in der Stadt und – visionär – auch über Grenzen hinweg werden. Welche Ausdrucksform der Baukörper letztlich finden wird, lässt sich nur ahnen. Zu hof-fen ist, dass die in den Visualisierungen gesetzten grünen Kacheln an der Rückseite des Pavillons als Platzhalter fungieren.
Der zweitplatzierte Vorschlag, formuliert von Hütten und Paläste mit Alexander Pötzsch Architekturen, bindet stärker als der ihm vorgezogene die bisherige Rückseite in den Kontext ein. Er sieht eine gleichermaßen wichtige Zuwegung aus Nord wie Süd vor, was die allseitige Ähnlichkeit des Gebäudes mit neuem Reiz ausstatten könnte und der städtebaulichen Neuausrichtung zuträglich wäre. Auch hier beruht die neue innere Struktur maßgeblich auf der Befreiung von überflüssiger Kleinteiligkeit. Die konkrete Ausformulierung – mit Bezügen zwischen Dauer- und Son-derschauflächen, sowie die in diesem Fall periphere Wegeführung am Empfang – hielt das Preis-
gericht allerdings für verunklärend. Infrage gestellt wurde zudem, ob die zur barrierefreien Erschließung ergänzten, schwungvollen Rampen dem Anspruch gerecht würden, den bauzeitlichen Ausdruck zu schärfen.
gericht allerdings für verunklärend. Infrage gestellt wurde zudem, ob die zur barrierefreien Erschließung ergänzten, schwungvollen Rampen dem Anspruch gerecht würden, den bauzeitlichen Ausdruck zu schärfen.
Den vielleicht mutigsten Vorstoß zur Adaptation unternahmen Heinle Mildner. Bedauerlicherweise jedoch rangierte der Beitrag auf Platz drei – zu waghalsig und potenziell überambitioniert schien das Vorhaben, auf lange Sicht einen das Erd- und Untergeschoss verbindenden Galerieraum ins Herz des Hauses zu brechen. Auch die angedachte Multimedia-Fassade, ein glimmendes Netz aus Leuchtbuchstaben, das das Team als Umlauf der Pergola vorgesehen hatte, bewertete das Entscheidungsgremium als „effektheischend“ abschlägig.
Erhalt, Sanierung und Entwicklung der Robotron-Kantine sind nicht nur grundsätzlich zu begrüßen. Die im Wettbewerb gefasste Entscheidung kommt Dresden in jedem Fall zugute: Sie kündet von Realitätsbezug, vom Bewusstsein dafür, was machbar ist und auch von dem Bewusstsein, dass, solang Freiräume bleiben, sich Kreativität entfalten wird. In einem Neubauquartier, wie es die Lingnerstadt sein wird, ist die Robotron-Kantine Grundstock für Identität. Gewiss wäre ein wenig mehr Eingreifen in den Bestand denkbar, ein bisschen mehr Bauen wagen möglich gewesen – doch zu welchem Preis? Dem Wagnis, hier in einem eher konservativen Milieu das Prozesshafte überhaupt so sichtbar zu machen, gebührt als solchem Respekt. Die Kantine könnte längst abgerissen sein. Der Charakter des Gewinnerprojekts macht Hoffnung, dass sie bleibt, was sie ist: ein Raum fürs Experiment. Endlich mit Sanitäranlagen und endlich ohne Regenpfützen.







0 Kommentare