In der Lücke und über den Wolken

Ist da vielleicht noch was frei? Für neue Wohnungen füllen die Städte ihre letzten Flächen. Beispiele aus Berlin und Paris. Und: Der Neubau in Rijswijk von Jean Nouvel und Dam & Partners

Text: Crone, Benedikt, Berlin; Flagner, Beatrix, Berlin

Auch ein Wohnerlebnis: An diesem spitzen Balkon bricht der Berliner Verkehr wie Wellen an einem Schiffsbug.
Foto: Till Budde

Auch ein Wohnerlebnis: An diesem spitzen Balkon bricht der Berliner Verkehr wie Wellen an einem Schiffsbug.

Foto: Till Budde


In der Lücke und über den Wolken

Ist da vielleicht noch was frei? Für neue Wohnungen füllen die Städte ihre letzten Flächen. Beispiele aus Berlin und Paris. Und: Der Neubau in Rijswijk von Jean Nouvel und Dam & Partners

Text: Crone, Benedikt, Berlin; Flagner, Beatrix, Berlin

Auch wenn derzeit die Siedlung auf der grünen Wiese ein Comeback erlebt – es gibt sie noch, die Lückenfüller in den dichten Quartieren. Sie quetschen sich inzwischen nicht nur in die Häuserzeilen der Gründerzeit, sondern setzen sich auf jede auffindbare Parzelle, um daraus ein bewohn- und vermarktbares Zuhause zu machen. Hinter den Projekten stecken statt öffentlicher Wohnungsbaugesellschaften oft private Entwickler, Investoren und Baugruppen, die sich das Grundstück leisten können. Nicht zwingend muss das zu den biederen Playmobilstadthäusern führen, die gerade an so vielen Ecken aufpoppen.
Am Berliner Bahnhof Gesundbrunnen entschieden sich Architekten und Baugruppe gar für einen Plattenbau auf trapezförmigem Grundriss. Hinter der gestapelten Betonmasse erhalten die Bewohner Ruhe vor dem Lärm des benachbarten Zugverkehrs – und von oben einen Ausblick auf den Volkspark Humboldt­hain. Nicht weit davon wagt sich ein schlankes Wohnhaus mit rosa Fassade auf Konfrontation mit dem breitschultrigen Neubau des Bundesnachrichtendienstes, eingeschoben zwischen Gründerzeitbau und einer Nachkriegszeile. Und im Großraum Paris war noch Platz für eine ganze Wohnanlage. Die Zimmer fallen klein aus, doch im Außenraum wartet ein Kompensa­tionsversuch, den die Architekten als Baumhaus bezeichnen – und manch Kritiker als Käfig.
Ein Stück gleißender Himmel
Die niederländische Landschaft ist bekanntlich flach. In Rijswijk so flach, dass dort am Horizont die Schiffe, die in die Häfen von Den Haag und Rotterdam einlaufen, zu sehen sind. Das neue Hauptgebäude des Europäischen Patentamts ist ein Schiff – ein gläsernes. Wenn die gesamte Anlage bis 2020 fertiggestellt sein wird, steht es sogar in seinem eigenen Wasserbassin.
Trotz seiner 150 Meter Länge und 100 Meter Höhe scheint sich der Verwaltungsbau nahtlos in seine ausgedehnte Umgebung einzufügen, wird Teil des Himmels und löst sich aus der Ferne betrachtet bei­nahe in der Luft auf. Bei einem Mittagessen im Haus – es gab Dorade und zum Dessert ein paar Pralinen, die Jean Nouvel mit einem Messer gerecht viertelt und am Tisch verteilt – erzählt der 72-jährige Architekt von dem, was ihn am meisten interessiert: Licht und Transparenz. In seinem jüngst fertiggestellten Projekt hat er bewiesen, dass ihm das Spiel damit erneut gelungen ist und erinnert formal an frühere Bauten. Besinnt er sich auf seine Anfänge zurück?
Kommunen, so wird gesagt, sind die Avantgarde bei derTransformation der Stadtgesellschaft. Wie sie den digitalen Wandel meistern, erläutert der Gütersloher Bürgermeister Henning Schulz im Bauwelt-Interview.

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