Gleich einer mäandernden Reise

Der Entwurf von BIG ging als Sieger aus dem Wettbewerb für den Neubau der Moldau-Philharmonie in Prag hervor. Das Büro schlägt eine aufbrechende Schollenlandschaft am Flusslauf vor.

Text: Pezzei, Linda, Seefeld

    1. Preis BIGs Entwurf verzahnt laut Jury den öffent­lichen Raum entlang der Moldau gekonnt mit dem Inneren des Gebäudes.
    Abb.: Verfasser

    1. Preis BIGs Entwurf verzahnt laut Jury den öffent­lichen Raum entlang der Moldau gekonnt mit dem Inneren des Gebäudes.

    Abb.: Verfasser

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    Auch der Platz vor der neuen Philharmonie würde für Inszenierungen taugen.
    Abb.: Verfasser

    Auch der Platz vor der neuen Philharmonie würde für Inszenierungen taugen.

    Abb.: Verfasser

    Die Schollen wiederholen sich in der Saalgestaltung.
    Abb.: Verfasser

    Die Schollen wiederholen sich in der Saalgestaltung.

    Abb.: Verfasser

    2. Preis Barozzi Veiga schlugen einen Turm aus Kaskaden vor. Die Grundform wiederholt sich
    ihrerseits im Konzertsaal.
    Abb.: Verfasser

    2. Preis Barozzi Veiga schlugen einen Turm aus Kaskaden vor. Die Grundform wiederholt sich
    ihrerseits im Konzertsaal.

    Abb.: Verfasser

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    3. Preis Bevk Perović stellte sich eine pyramidale Großform am Flusslauf vor, der Saal ist ähnlich großzügig wie das äußere Volumen.
    Abb.: Verfasser

    3. Preis Bevk Perović stellte sich eine pyramidale Großform am Flusslauf vor, der Saal ist ähnlich großzügig wie das äußere Volumen.

    Abb.: Verfasser

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    4. Preis Von Petr Hájek stammt der Vorschlag riesiger „Kiesel“, die im Inneren abgerundete Geometrien vorgeben.
    Abb.: Verfasser

    4. Preis Von Petr Hájek stammt der Vorschlag riesiger „Kiesel“, die im Inneren abgerundete Geometrien vorgeben.

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    5. Preis Snøhetta lassen ihren Baukörper als massigen Block aus der Uferlinie aufsteigen. Der Dachgarten ist reichlich begrünt.
    Abb.: Verfasser

    5. Preis Snøhetta lassen ihren Baukörper als massigen Block aus der Uferlinie aufsteigen. Der Dachgarten ist reichlich begrünt.

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Gleich einer mäandernden Reise

Der Entwurf von BIG ging als Sieger aus dem Wettbewerb für den Neubau der Moldau-Philharmonie in Prag hervor. Das Büro schlägt eine aufbrechende Schollenlandschaft am Flusslauf vor.

Text: Pezzei, Linda, Seefeld

Im Rahmen des Wettbewerbs um den ersten Neubau eines Konzertsaals in Tschechien seit über 100 Jahren konnte sich der Entwurf von BIG gegen 18 ebenfalls hochkarätige Mitbewerber durchsetzen. Die neue Philharmonie nördlich des Prager Stadtzentrums soll 2032 eröffnen, mehr als 1800 Musikbegeisterten Platz bieten und das musikalische Erbe des Landes feiern. Der Neubau des Konzerthauses ist darüberhinaus als Impulsgeber für die Transformation einer innerstädtischen Brache im boomenden Stadtteil Holešovice gedacht. Das Viertel liegt umschlungen von der Moldau und wird von einer Eisenbahntrasse durchquert. Es finden sich hier einige neuere Kunst- und Kulturstätten, darunter etwa das Zentrum für zeitgenösische Kunst DOX.So gelegen an der Schnittstelle zwischen Moldauufer und der Prager Kulturmeile, eröffnet die Moldau-Philharmonie die einmalige Gelegenheit, den traditionellen Kulturbetrieb der Altstadt mit der modernen Szene des Stadtteils Holešovice zu verknüpfen.
Das Wettbewerbsverfahren fußte auf einem Beteiligungsprozess, in dem zwischen März und Juni 2021 die Bewohner des Bezirks, lokale Initia­tiven, Stadtplanerinnen und Sozialwissenschaftler miteinander berieten und den Ort besichtigten. Es wurde zum Beispiel deutlich, dass Jugendliche die teils bewucherte Freifläche für Outdoorsport wie Parcour nutzten, eine Musikschule Proberäume suchte, und, dass die Fußgängerführung generell schlecht geregelt war.
Aus den auf Grundlage dieser Befragung eingereichten Entwürfen prämierte die international besetzte Jury Mitte Mai den Entwurf des dänischen Büros BIG. Michal Sedláček, Vorsitzender der Jury, verwies auch in diesem Rahmen auf die komplexe Gemengelage, in die sich der Neubau zu fügen habe: „Der Schwerpunkt lag nicht nur auf der Architektur und dem Unterhalt des Gebäudes, sondern auch auf der Gestaltung des öffentlichen Raums.“
Der terrassierte Bau von BIG zeigt ein Bild der Philharmonie als pulsierendes Zentrum des Stadtquartiers. Gemäß der städtischen Planung sollen im Norden siebengeschossige Blockrandbauten entstehen. Östlich sehen die Architekten vor, dass sich ein neuer Stadtpark entlang der Gleisanlagen zieht, während sie die Südseite, wie im Beteiligungsprozess unisono gewünscht, zum Wasser hin öffnen. An einem großzügigen Platz im Westen befindet sich der Hauptzugang. Dort dockt eine Brücke aus der Innenstadt an.

Ein Treffpunkt für alle

Nicht nur Liebhaberinnen klassischer Musik sollen im Neubau ein neues Zuhause finden, sondern er soll ein Ort des Austauschs und Verweilens werden. Dafür sieht der Entwurf drei Säle verschiedener Größe vor sowie die Unterbringung der Musikabteilung und des Kreativzentrums der Prager Stadtbibliothek.
Das Dach ist als sich entfaltender öffentlicher Raum konzipiert. Seine angehobenen Ecken stechen als zeitgemäße Erweiterung der dramatischen Prager Stadtsilhouette empor. Von den verschiedenen Ebenen lässt sich der Innenraum auf jeweils neue Art betreten und erfahren. Die Dachterrasse mit Panoramablick, Cafés oder Restaurants soll unabhängig vom Konzertbetrieb für die Öffentlichkeit zugänglich sein.

Ein durchkomponiertes Bauwerk

Brian Yang, verantwortlicher Partner bei BIG, erklärt, dass die Intention dahinter, die äußeren Kolonnaden und die Balkone im Konzertsaal in Folgen von Achtel-, Viertel-, Halb- und Ganztöne zu takten, auch gewesen sei, das Publikum auf harmonische Weise näher an „die Quelle“ – zur Musik – zu bringen.
So gesehen ist das Konzept deutlich jener Komposition entlehnt, die Bedřich Smetana 1875 der Moldau widmete: Die Besucher durchqueren auf ihrem Weg vom Flussufer hinauf zum Dach enge und weite Räume, die sie – wie Stromschnellen das Wasser – zueinanderbringen und auseinanderstieben lassen. „Wir haben versucht, uns für Prag ein Gebäude vorzustellen, das von der Reise des namensgebenden Flusses inspiriert und von der räumlichen Komplexität seines städtischen Standorts beeinflusst ist. Das Ergebnis ist teils Musikinstrument, teils logistische Maschine, teils Topografie, teils Skulptur“, erklärt Bjarke Ingels.
Das Holz für den Neubau soll denn auch selbstverständlich aus dem Böhmerwald stammen, wo die Moldau entspringt. Es versinnbildlicht, gemeinsam mit großflächig vorgesehenen Glasfronten, eine lokalkolorierte Materialität. Welches Stück wohl zur Eröffnung erklingen wird?


Internationaler Wettbewerb
1. Preis BIG, Kopenhagen
2. Preis Barozzi Veiga, Barcelona + Atelier M1, Prag
3. Preis Bevk Perović Arhitekti, Ljubljana
4. Preis Petr Hájek Architekti, Prag
5. Preis Snøhetta, Oslo
Auslober
Stadt Prag & Prager Institut für Planung und Entwicklung (IPR Prag)

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