Bauwelt

Für uns ist der Dienst seit der Vollinvasion insgesamt gefährlicher geworden

Mobile Einheiten der Luftabwehr gibt es in der Ukraine bei den Streitkräften, der Nationalgarde und beim staatlichen Grenzschutz. Sie wurden als Reaktion auf die massiven russischen Drohnenangriffe aufgebaut. Ihre Aufgabe: vor allem russische Angriffsdrohnen – häufig Shahed-131 und 136 – aufzuspüren und abzuschießen. Je nach Einheit und Einsatzlage sind sie mit schweren Maschinengewehren (z.B. M2/Browning-Typ, DShK) ausgerüstet, teils auch mit Flugabwehrkanonen oder tragbaren Flugabwehrraketen (MANPADS) wie Stinger oder Mistral. Die Waffen sind meist auf Fahrzeugen montiert, oft auf Pickups. Häufig gehören leistungsstarke Scheinwerfer dazu, um Ziele nachts sichtbar zu machen.

Text: Heinich, Nadin, München

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    Die Einheit von Nazar im Einsatz am Strand von Odesa.
    Foto: Igor Ishchuk

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    Die Einheit von Nazar im Einsatz am Strand von Odesa.

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    Nazar (Callsign „Coach“), ein Mitglied der mobilen Abwehreinheit in Odesa Foto: Igor Ishchuk

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    Nazar (Callsign „Coach“), ein Mitglied der mobilen Abwehreinheit in Odesa

    Foto: Igor Ishchuk

Für uns ist der Dienst seit der Vollinvasion insgesamt gefährlicher geworden

Mobile Einheiten der Luftabwehr gibt es in der Ukraine bei den Streitkräften, der Nationalgarde und beim staatlichen Grenzschutz. Sie wurden als Reaktion auf die massiven russischen Drohnenangriffe aufgebaut. Ihre Aufgabe: vor allem russische Angriffsdrohnen – häufig Shahed-131 und 136 – aufzuspüren und abzuschießen. Je nach Einheit und Einsatzlage sind sie mit schweren Maschinengewehren (z.B. M2/Browning-Typ, DShK) ausgerüstet, teils auch mit Flugabwehrkanonen oder tragbaren Flugabwehrraketen (MANPADS) wie Stinger oder Mistral. Die Waffen sind meist auf Fahrzeugen montiert, oft auf Pickups. Häufig gehören leistungsstarke Scheinwerfer dazu, um Ziele nachts sichtbar zu machen.

Text: Heinich, Nadin, München

Sie arbeiten als Team?
Meist sind wir zu dritt: ein Schütze, ein Assistent und ein Koordinator, der den Kontakt zur Leitstelle hält. Wir arbeiten in Schichten, die Teams wechseln.
Die mobilen Abwehreinheiten gehören zum Grenzschutz. Was bedeutet das in Odesa?
Der Grenzschutz untersteht dem Innenministerium und hat mehrere Aufgaben, nicht nur die mobile Luftverteidigung. Wir sichern die Grenze und den grenznahen Raum. In der Region Odesa betrifft das zum Beispiel Küstenabschnitte, Hafenbereiche und Zufahrten. Wir sind auch auf dem Wasser präsent und unterstützen dort, wo es um Sicherheit und Abwehr im Küstenraum geht – je nach Lage auch gegen unbemannte Systeme. Und: Als Grenzschutz übernehmen wir im Krieg zudem Kampfeinsätze, wenn es in Grenzregionen zu Gefechten kommt. In Gebieten wie Donezk oder Sumy sind Einheiten von uns an der Front im Einsatz.
Vergangene Woche, am 13. Dezember, gab es einen der schwersten russischen Angriffe auf Odesa seit Kriegsbeginn. Jetzt gerade ist wieder Luftalarm. Wie sieht Ihr Alltag aus – können Sie planen?
Nur begrenzt. Seit der Vollinvasion wissen wir, wozu der Gegner fähig ist. Trotzdem war der massive Angriff am 13. Dezember – vor allem auf die Energieinfrastruktur – hart. Normalerweise ruht ein Teil, während der andere im Dienst ist. Bei großen Angriffswellen geht das kaum: Dann müssen alle dauerhaft bereit sein.
Arbeiten Sie eher nachts?
In der aktuellen Lage kann es passieren, dass wir eine ganze Schicht – bis zu 24 Stunden am Stück – durchgehend beschäftigt sind.
Drohnentechnologie entwickelt sich extrem schnell. Wie hat sich der Krieg und damit Ihre Arbeit seit 2022 verändert?
Die Arbeitsbelastung hat sehr stark zugenommen und der Umfang der Aufgaben. Ich war bereits vor dem Krieg beim Grenzschutz. Früher ging es für uns hauptsächlich um Grenzsicherung. Großflächige Drohnenangriffe gab es so nicht. Heute müssen wir zusätzlich den Luftraum im Blick haben. Drohnen werden reichweitenstärker und die Taktik ändert sich ständig. Unsere Gegenmaßnahmen entwickeln sich ebenfalls wei-ter. Ich kann nicht zu sehr ins Detail gehen. Aber ein Beispiel sind Abfangdrohnen: schnelle FPV-Drohnen, die als Interceptor eingesetzt werden, um Angriffsdrohnen wie die Shaheds zu stellen und zu zerstören. Und es gibt noch eine andere Gefahr: Gegnerische Aufklärer oder kleine Gruppen können weit hinter der Front operieren – auch getarnt in ziviler Kleidung.
Sind Sie selbst oft Ziel von Angriffen?
In einem Krieg sind grundsätzlich alle Militärangehörigen potenzielle Ziele. Weil wir Drohnen abschießen – auch dann, wenn sie nicht Odessa angreifen, sondern „nur“ durchfliegen – sind wir für die Russen ein relevantes Ziel. Gleichzeitig liegt ihre Priorität derzeit sehr oft auf der Zerstörung von Energieinfrastruktur. Für uns ist der Dienst seit der Vollinvasion insgesamt gefährlicher geworden.
Wie alt sind Sie?
24

Nazar (Callsign „Coach“), ein Mitglied der mobilen Abwehreinheit in Odesa

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