Fliegen lernen
Text: Schade-Bünsow, Boris, Berlin; Landes, Josepha, Berlin
Fliegen lernen
Text: Schade-Bünsow, Boris, Berlin; Landes, Josepha, Berlin
Den Wettbewerb zum Neubau des Frankfurter Flughafens gewann 1951 die Architektensozietät (Alois) Giefer und (Hermann) Mäckler. Mehr als zwanzig Jahre dauerte es bis zur Fertigstellung, aber mit dem schließlich im März 1972 eröffneten Terminal 1 wurde der Flughafen Frankfurt in den folgenden Jahrzehnten zu einem der bedeutendsten Flughäfen Europas. Erstmals vereinte das damals hochmoderne Terminal vom Check-in bis zum Boarding alle Reiseprozesse unter einem Dach. Die automatische Gepäckförderanlage war weltweit einzigartig. Die Architektur zukunftsoptimistisch.
Den Wettbewerb zum Bau des Terminal 3 gewannen vor mehr als zwanzig Jahren Christoph Mäckler Architekten. Vor Norman Foster – der britische Flughafen-Profi belegte Rang 2. Mäckler hat dem Werk seines Vaters einen weiteren Meilenstein hinzugefügt. Das im April fristgerecht eröffnete und im Kostenplan gebliebene Terminal 3 des Frankfurter Flughafens ist die logische Fortschreibung der funktionalen Ideen des Terminal 1. Damit ist das neue Terminal zukunftssicher, aber es ist viel mehr als das: Mit seiner herausragenden Architektur in Mies’scher Formensprache gibt es dem Frankfurter Flughafen ein neues Gesicht.
Funktionen brechen und neu schalten
Einen Großteil ihres Tages verbringen Kinder nicht im Elternhaus, sondern in Kita oder Schule. Ein Großteil der Kindheit, etwa vom zweiten bis zum achtzehnten Lebensjahr, ist also gerahmt von Räumen, denen kein individueller, sondern ein kollektiver Gedanke der Prägung zugrunde liegt.
Die Auffassung davon, was Lern- und Lehrräume zur Entwicklung beitragen, ist veränderlich. Ebenso wandelt sich die gesellschaftliche Haltung gegenüber Hierarchisierung in pädagogischen Fragen. Wie stark sollen Lehrende das Lernen ihrer Eleven lenken? Und wie offen oder wie strikt sind die Räume zu gestalten, in denen dieser Austausch stattfindet?
Stand noch bis vor wenigen Jahrzehnten das „Durcherziehen“ mit entsprechend rasterhaft organisierten Typologien im Vordergrund, setzt sich zunehmend ein Aufweiten kindlicher und jugendlicher Gestaltungsspieräume im Schulbau durch. Die Beschulten bekommen mehr Mitspracherecht – nicht unbedingt im Planungsprozess, wohl aber im Angebot, die ihnen zugedachten Gebäude zu nutzen.
Flurschule war einmal. Nun steht das Schlagwort „Lernlandschaft“ im Vordergrund. An die Stelle des Verschachtelns spezifischer Räume tritt ein offeneres Verständnis von Belegung und der Anregung zur Aneignung von Raumqualitäten. Korridore können Lernflächen sein. Innen- und Außenräume übernehmen gemeinsam Funktionen von Spiel und Konzentrationsausgleich. Moderne Schulen geben nicht mehr vor, wie zu lernen ist, sondern schaffen die Voraussetzungen dafür, Lernen zu lernen.






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