Bauwelt

Carl Grossberg im Von der Heydt-Museum Wuppertal

Text: Hoepner, Felix, Düsseldorf

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    Carl Grossberg, Vorplatz des Kölner Hauptbahnhofs (1927)
    Foto: Galerie Michael Hasenclever

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    Carl Grossberg, Vorplatz des Kölner Hauptbahnhofs (1927)

    Foto: Galerie Michael Hasenclever

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    Brückenkopf der Alten Mainbrücke, Würzburg (1928)
    Foto: Andreas Bestle

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    Brückenkopf der Alten Mainbrücke, Würzburg (1928)

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Carl Grossberg im Von der Heydt-Museum Wuppertal

Text: Hoepner, Felix, Düsseldorf

Die Stadt gilt längst als Geheimtipp für Kunst und Kultur, nicht erst seit 2023 Die Zeit schrieb, das neue Berlin heiße Wuppertal. Mit dem Skulpturenpark Waldfrieden und dem Von der Heydt-Museum verfügt Wuppertal über zwei bedeutende Orte für moderne und zeitgenössische Kunst. Das Von der Heydt-Museum zeigt derzeit, in Kooperation mit dem Museum im Kulturspeicher Würzburg, eine Ausstellung des Malers Carl Grossberg (1894–1940). Die erste Retrospektive seit über 30 Jahren lässt ein herausragendes Werk der Neuen Sachlichkeit wieder aufleben.
Grossberg, in Wuppertal-Elberfeld geboren, studierte ab 1913 Architektur in Aachen und Darmstadt. Nach dem Ersten Weltkrieg wechselte er an das Staatliche Bauhaus Weimar, um Malerei zu studieren. Die Ausstellung verfolgt Einflüsse, formale Entwicklungen und Grossbergs Suche nach einem eigenen Stil. In frühen Skizzen, Aquarellen und Ölbildern zeigt sich eine bemerkenswerte Vielseitigkeit: Er experimentiert mit kubischen Formen, kräftigen Farben und ungewöhnlichen Perspektiven. Auch Auftragsarbeiten für Wohnräume und Inneneinrichtungen aus den frühen 30er Jahren sind zu sehen.
Architektur, Stadtansichten, Industrie und Technik sind zentrale Motive in Grossbergs Werk. Aus Aufträgen für Industrieunternehmen entstehen Bildserien von Maschinen und Produktionsanlagen, etwa für die Weberei Pott & Hinrichs in Wuppertal-Elberfeld. Grossbergs Arbeiten dokumentieren den tiefgreifenden Strukturwandel, der auf dem Höhepunkt der Hochindustrialisierung alle Lebensbereiche durchdrang und Städte sowie Landschaften dauerhaft veränderte.
Zu sehen sind Bahnhöfe, Brücken, Hochhäuser und Fabriken, Großstadtszenen aus Köln, Hannover oder Amsterdam. In der zwischen 1925 und 1939 entstandenen Reihe der Traumbilder thematisiert der Maler die unheimliche Dimension der beschleunigten Moderne. Die Werke tragen Titel wie „Vorstadtspuk“, „3 Seelen“ oder „Laternengeist“. Zu den Motiven von Architektur und Technik gesellen sich rätselhafte Figuren, Geister und exotische Tiere.
Bilder aus den Sammlungen beteiligter Museen stellen in der Ausstellung Grossbergs Werk in einen breiteren Kontext. Aufnahmen von August Sander und Albert Renger-Patzsch verdeutlich-en die formale Nähe von Grossbergs sachlicher Malerei zur gleichzeitig aufkommenden Fotografie. Auch die fotokünstlerische Begegnung mit den Arbeiten von Bernd und Hilla Becher oder Thomas Ruff eröffnet spannende Bezüge. Grossbergs Bilder industrieller Anlagen mit motivisch verwandten Fotografien von Bernd Becher und Tata Ronkholz aus den 60er und 70er Jahren erzählen vom Aufstieg bis zum Niedergang der großen Industrieregionen in Deutschland.
Der Ausstellungsbesuch wird auch zu einer Auseinandersetzung mit dem Ort und seiner wechselvollen Geschichte. Wer danach mit der Schwebebahn die Wupper entlangfährt, betrachtet das industrielle Erbe dieser Stadt mit neuen Augen.

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