Neigung zum Seriellen

Bauhaus-Moderne in der DDR

Text: Brinkmann, Ulrich, Berlin

    Die ständige Ausstellung führt durch 10 Räume in den Alltag, in Politik und Gesellschaft der DDR. Hier ein Blick in die Sonderschau.
    Foto: Kevin Fuchs

    Die ständige Ausstellung führt durch 10 Räume in den Alltag, in Politik und Gesellschaft der DDR. Hier ein Blick in die Sonderschau.
    Foto: Kevin Fuchs

Neigung zum Seriellen

Bauhaus-Moderne in der DDR

Text: Brinkmann, Ulrich, Berlin

Die Planstadt Eisenhüttenstadt am östlichen Rand Deutschlands ist als Flächendenkmal der fünfziger Jahre zu jeder Zeit ein lohnendes Reiseziel für Architekten, Stadtplaner und Landschaftsarchitekten. In diesem Jahr aber lohnt sich der Weg dorthin noch aus einem anderen Grund: Im „Dokumentationszentrum Alltagskultur der DDR“, eingerichtet in einer ehemaligen Kindertagesstätte im Wohnkomplex II, ist eine Sonderausstellung zu sehen, die dem Fortleben von Bauhaus-Ideen im Design der DDR nachgeht.

Konzipiert wurde die sehenswerte und aufgrund ihrer vielen Exponate auch sehr anschauliche Ausstellung von Florentine Nadolni und Axel Drieschner mit Tanja Scheffler und Sylke Wunderlich. Sie ist gegliedert in die wesentlichen Bereiche der Güterproduktion – Gläser und Geschirr, Einrichtungsgegenstände, Apparate und Fahrzeuge –, Grafik und Buchdruck, stellt aber auch die Designer und ihre mal mehr, mal weniger feste Verwurzelung im Bauhaus der Vorkriegszeit vor. Während etwa Franz Ehrlich, Selman Selmanagić und Wilhelm Wagenfeld selbst am Bauhaus studiert hatten, kamen etliche andere, jüngere, die das Design der DDR später prägen sollten, nur über Umwege, vermittelt durch die biographischen Prägungen ihrer Lehrer an den Hochschulen in Berlin-Weißensee, Halle, Dresden und Weimar mit den Ideen des Bauhauses in Berührung. Das Thema ist historisch insofern von besonderem Interesse, als die DDR mit ihrer besonderen Neigung zum Seriellen der Bauhaus-Idee, Kunst und Technik einander näher zu bringen, Gestaltung aus den Prozessen der Fertigung zu entwickeln, im Grunde zwar viel näher stand als die Warenwelt der Bundesrepublik, in der Einzelstücke und Kleinserien oder zumindest individualisierte Serienprodukte in höherer Gunst standen, weil prestigeträchtiger waren, diese Nähe aber über Jahre hinweg zu unterdrücken versuchte oder zumindest nicht offiziell zu proklamieren bereit war, bis das Bauhaus schließlich doch noch Würdigung als offizielles Kulturerbe der DDR erfuhr.

Die Schau wird nicht nur von einem vertiefenden, an der Kunsthochschule Berlin-Weißensee gestalteten Katalog ergänzt, sondern auch von einem umfangreichen Rahmenprogramm begleitet. Dieses bietet neben Führungen durch die Ausstellung mit den Kuratoren auch Vorträge zu einzelnen Gestaltern oder speziellen Fragestellungen rund ums Thema.
Alltag formen! Bauhaus-Moderne in der DDR
Dokumentationszentrum Alltagskultur der DDR, Erich-Weinert-Allee 3, 15890 Eisenhüttenstadt
www.alltagskultur-ddr.de
Bis 8. März

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