Bauwelt

States of Uncertainty

Text: Friedrich, Jan, Berlin

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    Krieg im 21. Jahrhundert: Vor russischen Luftangriffen auf die Ukraine warnen privat betriebene Telegram-Kanäle und eine offizielle „Air Raid App“, die sich in den Stores der großen Anbieter herunterladen lässt.

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States of Uncertainty

Text: Friedrich, Jan, Berlin

Wir haben diese Stadtbauwelt-Ausgabe „Von Narva nach Odesa“ mit der englischen Unterzeile „States of Uncertainty“ versehen, obwohl wir gemischtsprachige Titel sonst vermeiden. Wenn schon keine deutsche Überschrift, dann, so unser eigener Anspruch, sollte es eigentlich bei einer Sprache bleiben. Hier schien uns die Ausnahme gerechtfertigt. Denn nur so ließ sich die doppelte Lesart ausdrücken, auf die es uns ankam.

„States of Uncertainty“ lässt sich geopolitisch lesen: als Chiffre für instabile Staaten und eine Region unter Druck. Im Zusammenhang einer Reise durch Osteuropa entlang der russischen Grenze, zu einer Zeit, in der Russland Krieg gegen die Ukraine führt, liegt diese Bedeutung nahe. Der Ausdruck lässt sich aber auch allgemeiner verstehen: als Zustand, Phase oder Konstellation der Unsicherheit. Dann beschreibt er nicht nur die Lage in den bereisten Ländern, sondern eine neue Unsicherheit in Europa, vermutlich weit darüber hinaus. Spätestens seit Russland am 24. Februar 2022 die Vollinvasion der Ukraine begann, ist sie zur politischen Grundbedingung geworden.

Nadin Heinich, die Gastredakteurin dieser Ausgabe, hat die Strecke in mehreren Etappen bereist: vom Baltikum, wo eine lange eher abstrakt gebliebene Bedrohung inzwischen spürbar konkreter geworden ist, über Polen, dem als größtem EU-Staat im Osten in dieser Lage eine besondere Rolle zufällt, bis in die Ukraine. Mehrfach hat sie Odesa besucht, zuletzt Mitte Dezember, als Russland seine Angriffe auf die ukrainische Infrastruktur verstärkte und vor allem im Umland der Stadt der Beschuss mit Drohnen und Raketen drastisch zunahm. In diesen Tagen rückte der Krieg, nach längerer Abwesenheit aus den westlichen Schlagzeilen, auch hier wieder stärker in den Vordergrund; inzwischen wird die Aufmerksamkeit erneut von anderen Konflikten überlagert.

Nadin Heinich wollte wissen, wie Städte und Menschen, die diesem Krieg nah sind oder ihm bereits unmittelbar ausgesetzt, mit dieser neuen Un-sicherheit umgehen. Diese Stadtbauwelt ist deshalb eine Interview-Ausgabe. Sie versammelt Gespräche unter anderem mit der Bürgermeisterin und dem Stadtarchitekten von Narva, mit der Direktorin des Museums für Moderne Kunst in Warschau, mit dem Kulturbeauftragten des Stadtrats von Odesa, der für den Schutz der bei der Unesco gelisteten Altstadt verantwortlich ist, mit dem Kurator des dortigen Kunstmuseums, dessen Sammlung weitgehend evakuiert wurde, mit einem Militäranalysten, dem Mitglied einer mobilen Drohnenabwehreinheit sowie mit jungen Architektinnen und Architekten aus Kyjiw.
Die meisten Fotos dieser Ausgabe stammen von Heinrich Völkel, Fotograf der Agentur Ostkreuz, der Nadin Heinich ins Baltikum und nach Odesa begleitet hat. Der Journalist Igor Ishchuk aus Odesa hat uns Aufnahmen aus der Stadt während nächtlicher Stromausfälle sowie von einer mobilen Drohnenabwehreinheit zur Verfügung gestellt. Die Fotos aus Kyjiw, darunter Bilder von den Protesten auf dem Maidan 2014, stammen von Robin Hinsch, der seit Jahren in der Ukraine arbeitet und viele seiner Aufnahmen jüngst in dem Buch „Lonely Are All The Bridges“ veröffentlicht hat. Und auch ein Blick an die Front gehört zu dieser Ausgabe: mit Fotografien von Johanna-Maria Fritz, ebenfalls Ostkreuz, die immer wieder in die umkämpften und teils besetzten Gebiete im Osten der Ukraine gereist ist, um das Geschehen dort zu dokumentieren.

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