Gewächshäuser und Lehmwände

Für Bauten im Botanischen Garten von Montréal wurden drei Wettbewerbe entschieden. Den für das Insektarium gewann ein Berliner Büro

Text: Kreiß, Lillith, Darmstadt


    Abbildungen: Architekten


    Abbildungen: Architekten

    1. Preis Kühn Malvezzi orientieren sich an der Architektur der Gewächshäuser und graben einen kleinteiligen Pavillon-Komplex teilweise in die Erde ein
    Abbildungen: Architekten

    1. Preis Kühn Malvezzi orientieren sich an der Architektur der Gewächshäuser und graben einen kleinteiligen Pavillon-Komplex teilweise in die Erde ein

    Abbildungen: Architekten

    Finalist Das Team um Atelier Ville Architecture Paysage schlägt einen flachen rechteckigen Bau mit aufgesetztem Glashaus vor

    Abbildungen: Architekten

    Finalist Das Team um Atelier Ville Architecture Paysage schlägt einen flachen rechteckigen Bau mit aufgesetztem Glashaus vor

    Abbildungen: Architekten

    Finalist In Situ Atelier d’Architecture wollen den Bestand erhalten und ergänzen ihn durch verschiedenartige Architekturen
    Abbildungen: Architekten

    Finalist In Situ Atelier d’Architecture wollen den Bestand erhalten und ergänzen ihn durch verschiedenartige Architekturen

    Abbildungen: Architekten

    Finalist Lacaton & Vassal lassen ein Wegegeflecht in die Landschaft hinein laufen. Die Rampen erschließen Räume verschiedener Klimazonen.


    Abbildungen: Architekten

    Finalist Lacaton & Vassal lassen ein Wegegeflecht in die Landschaft hinein laufen. Die Rampen erschließen Räume verschiedener Klimazonen.


    Abbildungen: Architekten

    Der Weg durch das Museum ist im Schnitt zu erkennen.
    Abbildungen: Architekten

    Der Weg durch das Museum ist im Schnitt zu erkennen.

    Abbildungen: Architekten

    Die Insektenpräparate im Lehmpavillon
    Abbildungen: Architekten

    Die Insektenpräparate im Lehmpavillon

    Abbildungen: Architekten

    Der „Patio“ spiegelt den Wechsel der Jahreszeiten wider – „Besinnung“, heißt es hier für die Besucher

    Abbildungen: Architekten

    Der „Patio“ spiegelt den Wechsel der Jahreszeiten wider – „Besinnung“, heißt es hier für die Besucher

    Abbildungen: Architekten

    Abbildungen: Architekten

    Abbildungen: Architekten

Gewächshäuser und Lehmwände

Für Bauten im Botanischen Garten von Montréal wurden drei Wettbewerbe entschieden. Den für das Insektarium gewann ein Berliner Büro

Text: Kreiß, Lillith, Darmstadt

Wer mit der Grünen Linie in den Norden von Montréal fährt, erreicht den „Espace pour la Vie“ – den Ort des Lebens. Dazu gehören der 75 Hektar große Botanische Garten (1931), ein Biodiversitätszentrum (2011), der Biodôme, ein Museum für die Tiere und Pflanzen Nordamerikas (1992), ein Planetarium (2013) und das Insektarium, ein Museum für Insekten (1990). Die Einrichtung genießt den Ruf, die größte ihrer Art in Nord Amerika zu sein, jährlich kommen 1,7 Millionen Besucher. Im Jahre 2017 wird Montréal 375 Jahre alt. Aus diesem Anlass will die Stadt den Biodôme erneuern und das Insektarium sanieren und erweitern. Zudem soll im Botanischen Garten ein Glaspavillon für Ausstellungen entstehen.

Im Februar 2014 schrieb Espace pour la Vie drei internationale Wettbewerbe aus. Interdisziplinäre Teams konnten gemeinsame Portfolios und Ideen zu Biodome, Insektarium und Glaspavillon einreichen. Sie sollten mit ihren Entwürfen aktuellen Maßstäben der Nachhaltigkeit folgen und nach den Grundsätzen der Biophilie, das heißt, mit Liebe zur Natur, planen. Je vier kamen in die zweite Phase. Eine internationale, zehnköpfige Jury, mit Edouard Francois (Maison Edouard Francois) als Vorsitzendem, kürte im Juli 2014 drei Sieger. AZPML aus Großbritannien gewannen die Erneuerung des Biodôme und Lacaton & Vassal aus Frankreich den Neubau des Glaspavillons. Die Berliner Kühn Malvezzi überzeugten die Jury gemeinsam mit ihren Partnern Atelier Le Balto aus Berlin, Pelletier de Fontenay aus Montréal und Transsolar aus Stuttgart, mit einer Pavillon-Architektur für das Insektarium.
Das Insektarium geht auf George Brossard zurück. Der Insektenkundler vermachte dem Botanischen Garten in den Achtzigern seine Insektensammlung. Mit umgerechnet knapp einer halben Millionen Euro entstand auf 2143 m² ein Bau seiner Zeit. Nach gut 20 Jahren müsste er nun saniert werden. Der Erhalt des Bestands war den Architekten jedoch freigestellt. Auf doppelter Fläche und für umgerechnet 9.42 Millionen Euro, wünscht Espace pour la Vie sich ein Museum, das Menschen und Insekten näher zusammenbringt.
Die zweite Phase der Wettbewerbsrunde für das Insektarium hatten mit Kühn Malvezzi auch Atelier Ville Architecture Paysage + Marc Mimram, In Situ Atelier d’Architecture und Lacaton & Vas-sal erreicht. Ihre Entwürfe zeigen Solitäre, die auf unterschiedliche Weise einen starken architek-tonischen Ausdruck transportieren. Die drei anderen Ansätze seien zu monumental, erklärte die Jury. Besonders im Vergleich mit dem Entwurf des Teams um die Berliner Architekten. Sie greifen die Architektur der Gewächshäuser des Botanischen Gartens auf und graben den Bau teilweise in die Erde ein. Ein Lärchenhain erstreckt sich um das Gebäude und in seine Zwischenräume. Er soll ein grünes Dach über dem Museumskomplex formen. Der Entwurf sei nach den Maximen des Landschaftsgartens geplant und falle im Botanischen Garten nur wenig auf, erklärten die Architekten. Sieben Pavillons, manche in der Architektur der Glashäuser, andere organisch geformt, mit Lehmwänden, bilden das Museum. Die Inszenierung der Ausstellungsroute soll in zwei mal zwei Richtungen wirken: nach Innen und Außen sowie auf Mensch und Insekt. Mit einer Art Erlebnispfad setzen Kühn Malvezzi auf starke Emotionen und intensive Erlebnisse. Sie schicken den Besucher auf und ab, zwischen Hochbeeten hindurch, gefüllt mit Wirtspflanzen und Wasserbecken, in dunkle Gänge und höhlenartige Gewölbe, die mit dem Maßstab der Insekten vertraut machen sollen, dann wieder in helle Räume mit Ausblicken in die Höfe des Gebäudes und in den Botanischen Garten. Im Tête-à-tête-Raum sollen die Besucher in kleinen Kammern den Insekten „persönlich“ begegnen. Die Insektensammlung Brossards ist in einem runden Raum mit Oberlicht untergebracht. Im letzten Teil, dem Schmetterlingshaus, sollen alle Erfahrungen zusammenkommen.
Von dem ursprünglichen Gebäude haben die Architekten nur das Fundament verwendet. Im Botanischen Garten entschieden sie sich für den Erhalt eines Brunnens – Brut und Nahrungsstätte für viele Insekten – unweit des ursprünglichen Insektariums, den sie in die Ausstellung integrieren wollen.
Das Team um Kühn Malvezzi wurde mit der Ausführung des Museums beauftragt. Die Umsetzung soll 2017 abgeschlossen sein.
Offener, internationaler, zweiphasiger Realisierungswettbewerb mit Ideenteil
Insektarium
1. Preis Kühn Malvezzi, Berlin
Finalisten Atelier Ville Architecture Paysage +Marc Mimram, Montréal und Paris; Atelier In Situ, Montréal;
Lacaton & Vassal, Paris
Biodôme
1. Preis AZPML – Alejandro Zaera-Polo & Maider Llaguno Architecture, London Glaspavillon
1. Preis Lacaton & Vassal, Paris

Fachpreisrichter

Édouard François (Vorsitz), Jean Beaudoin, Mario Cucinella, Normand Hudon, Bill Reed, Stephen R. Kellert, Charles-Mathieu Brunelle, Anne Charpentier, Rachel Léger, Gilles Vincent

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