Bauwelt

Aufgeblasen und selbstgebastelt

Das Berliner Designfestival „DMY“

Text: Jouhar, Jasmin, Berlin

Aufgeblasen und selbstgebastelt

Das Berliner Designfestival „DMY“

Text: Jouhar, Jasmin, Berlin

Das Designfestival „DMY“ passt perfekt zu Berlin: Wie die Stadt selbst hat das Festival Anfang Juni zahl-lose junge, modisch gekleidete Menschen aus ganz Europa angezogen, die die mal bemerkenswerten, mal kruden Ergebnisse ihrer gestalterischen Arbeitpräsentierten. „DMY“ verfügte zudem in diesemJahr mit zwei Hangars des Flughafen Tempelhof über einen Schauplatz mit ausreichend Raum in berlin-typisch grandios-abgelebter Kulisse. Zusammen mit den über die Innenstadt verstreuten Satellitenausstellungen in Galerien, Geschäften und Showrooms bot Deutschlands wichtigstes Designfestival so ein buntes Bild dessen, was der Gestalter-Nachwuchs im Moment leistet. Nur auf der wirtschaftlichen Seite, da blieb die ein oder andere Frage offen.
Denn während die „Youngsters“-Sektion der „Designmai“-Nachfolgeveranstaltung als Plattform für Studenten, Absolventen und Hochschulen zumindest zum Teil überzeugen konnte, ging das Konzept der zweiten Sektion, „Allstars“, auch diesmal nicht auf. Unter diesem Stichwort sollten „neue Produktentwicklungen professioneller Designer, Studios und Firmen“ zu sehen sein. Aber offensichtlich taugt Berlin nur wenig als Marktplatz der Neuheiten: Hoch­karätige Hersteller waren wieder nicht präsent; auch namhaftere Designer machten sich rar. Einen guten Teil der Ausstellungsfläche im „Allstars“-Hangar belegte der diesjährige „Länderfokus Schweiz“, der zwar mit Produkten von Atelier Oï, Jörg Boner, Big Game oder Adrien Rovero das Niveau anhob, aber nur hinlänglich Bekanntes bieten konnte. Insgesamt wirkten die Stände dieser Sektion recht luftig. Warum also nicht einfach darauf verzichten, und das Festival ganz auf die „wegweisenden, prozesshaften Arbeiten aufstrebender Talente“ ausrichten? Mit einem derart geschärften Profil könnte sich „DMY“ auch leichter neben den großen Möbelmessen oder anderen, ausländischen Designfestivals behaupten.
Auch bei den „Youngsters“ war zwar viel Mittelmaß zu sehen, vieles Unfertige, was die schützenden Räume der Hochschulen noch nicht hätte verlassen sollen. Aber im Vergleich zum vergangenen Jahr war doch eine Qualitätssteigerung zu verzeichnen. Vor allem die Gruppenpräsentationen waren interessant: wenn sich eine Reihe von Studenten mit demselben Thema auseinandersetzt, wie etwa ein Team der Hochschule Burg Giebichenstein aus Halle mit Küchen auf kleinstem Raum oder Studenten der FH Potsdam mit der Fertigungsweise des Metalldrückens. Ein anderes Modell sind die Kollektive, zu denen sich Absolventen zusammentun um sich den Start in den Beruf erleichtern, wie „My Bauhaus is better than yours“ aus Weimar mit einem zeltartigen Stand aus Folie oder „Temporary Collective“ aus Arnheim. Im Hangar des Nachwuchses fiel auf, dass sich die Jungen einiges bei den Etablierten abgeschaut haben: das Interesse für das Handwerk beispielsweise, die Betonung des Konzeptuellen und Archetypischen, das Spiel mit Materialgegensätzen wie Porzellan und Holz oder auch die Ästhetik des Unperfekten, Selbstgemachten. Nicht umsonst war das „Maker Lab“ – ein Do-it-yourself-Studio für Aussteller und Besucher, ausgestattet mit Computern, Ofen, CNC-Fräse und Lasercutter – das Zentrum der „Youngsters“. Aber mit dem Selbermachen, da kennt man sich in Berlin ja aus.


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