Yangon Architectural Guide

Text: Klauser, Wilhelm, Berlin


Yangon Architectural Guide

Text: Klauser, Wilhelm, Berlin

Der Übergang aus der Diktatur ist in Myanmar bis jetzt friedlich verlaufen. Höchste Zeit, dass es einen Architektur-Reiseführer über Yangon gibt. Das ist nicht sarkastisch gemeint. Es ist nur so, dass sich jetzt das Kapital auf eine Stadt stürzt, in der die Zeit stehengeblieben war. Der Druck lässt sich unschwer an den Baukränen, am dröhnenden Verkehr und am permanenten Stau ablesen. Das zu erwartende Resultat kann man in allen Metropolen Asiens  bereits bewundern. Konsequent, dass dieser Reiseführer also nicht von Architekten oder Kunsthistorikern verfasst ist, sondern von zwei Autoren, die einen Hintergrund als junge Wirtschaftswissenschaftler haben,
die sich mit städtischen Themen befassen. Der Führer ist eine Bestandsaufnahme der Substanz. Er betritt Neuland: Er zeichnet auf und illustriert, was verschwinden wird.
Yangon ist das Zentrum von Myanmar. An einem mächtigen Fluss gelegen, blieb es das Zentrum, als die Briten 1852 das Land übernahmen und eine umfassende Infrastruktur aufbauten. Die Stadt bekam einen Rastergrundriss und britische Architektur, das Land eine Eisenbahn und eine der größten Flussschifffahrtsgesellschaften der Welt. Yangon war das Zentrum, als das Land 1948, nach dem Zweiten Weltkrieg, unabhängig wurde; blieb das Zentrum, als das Land nach einem Militärputsch 1962 konsequent in die Isolation steuerte, aus der es erst 2011 erwachte. Die  Stadt hat also sechs Dekaden mit massiven Bombardierungen, zwei Putschen, Studentenaufständen, Zyklonen und kompletter Isolation und sogar den Verlust des Regierungssitzes ziemlich unbeschadet überstanden.
Jetzt wird aufgeräumt. Die Stadt hat, nach der überraschenden Öffnung von Myanmar durch die Junta im Jahr 2011, die kapitalistische Kurve gekriegt. Seit 2013 verändert sie ihr Gesicht, getrieben durch externe Büros, da im Land keine qualifizierten Ingenieure zur Verfügung stehen. Infrastrukturplaner aus Japan sind da, Urbanisten aus Singapur, aus den USA oder aus England. Nicht nur die Skyline verändert sich, das ganze soziale Gewebe einer multiethnischen Stadt zerfällt. Zum Teil getrieben durch  die unerhörte Nachfrage ihrer Bewohner, die sich in den Dekaden der Verschlossenheit und des Verzichts angehäuft hat und die nun befriedigt werden muss. Sicherlich aber auch angefacht durch unerhörte Budgets mitunter fragwürdiger Provenienz, die in den Aus-, Auf- und Umbau fließen. In wenigen Jahren wird das, was in Yangon an historischer Substanz existiert, wohl verschwunden sein.
Das, was dann bleibt, ist der Architekturführer, der die verschwundenen Gebäude gesammelt, verortet, abgebildet und mit kurzen Texten versehen hat. Er zeigt das europäische Gesicht einer asiatischen Großstadt, zeigt Gebäude, die in den 60er und 70er Jahren entstanden, gebaut von heimischen Architekten, die in Europa oder den USA ausgebildet wurden. Was neuer ist, ist nicht erwähnenswert bzw. noch nicht fertiggestellt. Ob immer das Richtige oder das Beste in der Millionenstadt recherchiert wurde? Das lässt sich nicht nachvollziehen. Das spielt letztlich auch keine Rolle, wesentlich ist, dass diese Sammlung überhaupt entstanden ist. Die Unterstützung, die dieses Projekt durch das junge Goethe-Institut in Yangon bekommen hat, ist bemerkenswert und wichtig für die Stadt.
Fakten
Autor / Herausgeber Ben Bansal, Elliott Fox, Manuel Oka
Verlag Dom Publishers, Berlin 2015
aus Bauwelt 6.2017
Artikel als pdf

0 Kommentare


Ihr Kommentar






loading
loading