Ein Mann geht an die Decke

Text: Schultz, Brigitte, Berlin


Ein Mann geht an die Decke

Text: Schultz, Brigitte, Berlin

Als Kunst sind Comics schon lange anerkannt, und seit dem Auftauchen der Graphic Novels findet man sie auch im Literaturteil der Zeitungen. Warum also nicht auch einmal einen Comic in der Bauwelt besprechen, vor allem, wenn es von ei-nem bekannten Bauwerk handelt und zudem noch von einer studierten Architektin, nun „überzeugten Ex-Architektin“, gezeichnet und geschrieben wurde.
Der Comic von Katharina Greve erzählt von einem Fahrstuhlführer im Berliner Fernsehturm, der „Gedränge, Enge, Schinkenbrötchen und Schwerkraft“ seines bisherigen Lebens entflieht, um sich dem geheimen Leben im Schaft des Fernsehturms anzuschließen. Die Tausenden Kubikmeter umschlossenen Raums, zu dem kein Besucher Zutritt hat, in-spirierten die Autorin zu diesem phantasievollen und humorvollen Gedankenspiel über die räumlichen Möglichkeiten und eine vielleicht bisher unentdeckte Welt.
Das amüsante Vorwort des Comics stammt von Günter M. Ziegler, Professor für Diskrete Geome­trie an der TU Berlin (kein Scherz, dieses Fachge-biet gibt es wirklich!), der als „professioneller Geometer“ über die Dimensionen des Stadtlebens sinniert und sich über die geometrische Geschichte des Comics freut, in dem die Schwierigkeiten der Überwindung der Schwerkraft und die Möglichkei­ten, sich mit dem Leben in der Vertikalen zu arrangieren, durchgespielt werden.
Unser professionelles Fazit: Von diesem Buch kann man einiges fürs Leben lernen. Erstens natürlich, wie es im Inneren des Fernsehturms aussieht, zweitens, dass eine unordentliche Wohnung kein Scheidungsgrund sein muss, drittens, dass alles eine Frage der Perspektive ist, und viertens, dass es nicht immer ein Unglück sein muss, wenn sich eine Architektin gegen ihren erlernten Beruf entscheidet. 

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