Plätze, Gassen, Solitäre

Staab Architekten gewinnen den Wettbewerb um die Historische Mitte Köln

Text: Winterhager, Uta, Köln

    1. Preis Staab Architekten Die beiden charakterstarken Neubauten bilden eigene Adressen aus, funktionieren stadträumlich aber als Ganzes.
    Abb.: Architekten

    1. Preis Staab Architekten Die beiden charakterstarken Neubauten bilden eigene Adressen aus, funktionieren stadträumlich aber als Ganzes.

    Abb.: Architekten

    ein 3. Preis Durisch + Nolli Wie nur soll man auf den Dom reagieren? Durisch + Nolli zitieren seine strenge Symmetrie und Vertikalität. Ansicht und Grundriss im Maßstab 1:1000
    Abb.: Architekten

    ein 3. Preis Durisch + Nolli Wie nur soll man auf den Dom reagieren? Durisch + Nolli zitieren seine strenge Symmetrie und Vertikalität. Ansicht und Grundriss im Maßstab 1:1000

    Abb.: Architekten

    ein 3. Preis Caruso St John Mit der Gebäudetypologie „Palazzo“ erinnern Caruso St John an das Erzbischöf­liche Palais, das an dieser Stelle einst stand.
    Abb.: Architekten

    ein 3. Preis Caruso St John Mit der Gebäudetypologie „Palazzo“ erinnern Caruso St John an das Erzbischöf­liche Palais, das an dieser Stelle einst stand.

    Abb.: Architekten

    1. Preis Staab Architekten Weil Stadtmuseum und RGM unter der Domplatte miteinander verbunden werden, können die an ihren Originalfundort zurück­verlegte Römische Hafenstraße, das unter dem Kurt-Hackenberg-Platz lie- gen­de Römische Hafen­tor und das Dionysosmosaik in die Rundgänge beider Museen eingebunden werden.
    Modellfoto: Freischlad + Holz

    1. Preis Staab Architekten Weil Stadtmuseum und RGM unter der Domplatte miteinander verbunden werden, können die an ihren Originalfundort zurück­verlegte Römische Hafenstraße, das unter dem Kurt-Hackenberg-Platz lie- gen­de Römische Hafen­tor und das Dionysosmosaik in die Rundgänge beider Museen eingebunden werden.

    Modellfoto: Freischlad + Holz

    ein 3. Preis Durisch + Nolli Die Jury lobte den kraft­vollen, überzeugenden Auftritt des Entwurfs, der ohne große Geste auskomme. Kontrovers diskutierte sie jedoch die Rhythmisie­-rung, da in der Uniformität die Individualität und Lesbarkeit der drei Nutzungsbereiche verloren gehe.
    Modellfoto: Freischlad + Holz

    ein 3. Preis Durisch + Nolli Die Jury lobte den kraft­vollen, überzeugenden Auftritt des Entwurfs, der ohne große Geste auskomme. Kontrovers diskutierte sie jedoch die Rhythmisie­-rung, da in der Uniformität die Individualität und Lesbarkeit der drei Nutzungsbereiche verloren gehe.

    Modellfoto: Freischlad + Holz

    ein 3. Preis Caruso St John Die Jury lobte die zeichen­hafte Baukörpergestaltung. Sehr gut herausgearbei­-
    ­tet sei die klassische Gliederung in Arkade, Piano Nobile und Obergeschosse durch die vertikale Gliederung mit Materialwechseln und den an den Kopfseiten eingestellten Sandsteinfiguren.
    Modellfoto: Freischlad + Holz

    ein 3. Preis Caruso St John Die Jury lobte die zeichen­hafte Baukörpergestaltung. Sehr gut herausgearbei­-
    ­tet sei die klassische Gliederung in Arkade, Piano Nobile und Obergeschosse durch die vertikale Gliederung mit Materialwechseln und den an den Kopfseiten eingestellten Sandsteinfiguren.

    Modellfoto: Freischlad + Holz

    Anerkennung Barkow Leibinger Ähnlich aber nicht gleich – das gotisierende Formenspiel der eingefärbten Betonfertigteile markiert ein Ensemble, in dem das Stadtmuseum mit nur wenigen wohlplazierten Öff­nungen zu einer geheimnisvollen Box wird.
    Modellfoto: Freischlad + Holz

    Anerkennung Barkow Leibinger Ähnlich aber nicht gleich – das gotisierende Formenspiel der eingefärbten Betonfertigteile markiert ein Ensemble, in dem das Stadtmuseum mit nur wenigen wohlplazierten Öff­nungen zu einer geheimnisvollen Box wird.

    Modellfoto: Freischlad + Holz

    Anerkennung Peter Kulka Architektur Der Jury ist das mittig platzierte Stadtmu­seum zu wenig präsent. Zur Domseite werde es von der gotisierenden Fassade des Kurienhauses ver-­deckt, zum Kurt-Hackenberg-Platz erwecke es den Anschein eines Verwaltungsgebäudes.
    Modellfoto: Freischlad + Holz

    Anerkennung Peter Kulka Architektur Der Jury ist das mittig platzierte Stadtmu­seum zu wenig präsent. Zur Domseite werde es von der gotisierenden Fassade des Kurienhauses ver-­deckt, zum Kurt-Hackenberg-Platz erwecke es den Anschein eines Verwaltungsgebäudes.

    Modellfoto: Freischlad + Holz

Plätze, Gassen, Solitäre

Staab Architekten gewinnen den Wettbewerb um die Historische Mitte Köln

Text: Winterhager, Uta, Köln

Es ist einer der sensibelsten Ort in Köln. Im langen Schatten des Doms reiben sich Stadt und Kirche aneinander, nachbarschaftlich zwar, aber man muss sich arrangieren – insbesondere in Planungsfragen. Seit Jahren ist die Stadt bemüht, die Domplatte, unter der Ende der 1970er Jahre der Verkehr verschwunden ist, angemessen zu gestalten. Im Osten hinter dem Domchor ist es gelungen, die Situation funktional und ästhetisch deutlich zu verbessern. Handlungsbedarf besteht nun an der Südkante der Domplatte, wo der von repräsentativen Bauten flankierte Roncalliplatz auf dem erhöhten Niveau an die tiefer gelegene, kleinteilig rekonstruierte Altstadt grenzt. Verbunden werden diese beiden Pole zumindest ideell durch die „Via Culturalis“, die in gerade Linie vom Südportal des Doms bis zur Basilika St. Maria im Kapitol führt.
Anders als in der Domumgebung Ost soll im Süden die städtebauliche Neuordnung über die Bebauung erfolgen. Profitieren wird dadurch insbesondere das aus Museum Ludwig, Römisch-Germanischem Museum (RGM) und Philharmonie gebildete kulturelle Zentrum. Genauso hatten es die Pläne für den Wiederaufbau nach dem Krieg bereits vorgesehen, doch die dort errichtete Stirnseite aus Kurienhaus (1961) und Studienhaus des Römisch-Germanischen Museums (1974) wird heutigen Ansprüchen nicht mehr gerecht. Sie soll ersetzt und mit einem Neubau des Köl­nischen Stadtmuseums ergänzt werden. Schnell sprach man hier wieder einmal von einem Jahrhundertprojekt, das die einzigartige Chance biete, an einem so bedeutenden Ort Stadtgeschichte zu präsentieren und gleichzeitig dem zum Transitraum degradierten Roncalliplatz wieder Aufenthaltsqualitäten zu verleihen.
In zwei Werkstattverfahren mit je 13 Teilnehmern ließen Stadt und Kirche 2014 zunächst grundsätzliche Fragen erörtern (Bauwelt 4.2015). Gezeigt haben die Studien, dass die Bebauung an der Südkante machbar (1. Runde) und sinnvoll (2. Runde) ist. Unter Vorsitz von Peter Zlonicky erarbeitete die Jury außerdem zehn Leitlinien für ein weiteres Verfahren.
Ende Oktober wurde nun das Ergebnis des architektonischen Realisierungswettbewerbs „Historische Mitte Köln“ veröffentlicht. Staab Architekten sind die 1. Preisträger. Die Bekannt­gabe des Ergebnisses hat den diskursiven Topf, der in Köln immer brodelt, zum überkochen gebracht (siehe Kolumne).

Wie ein archäologisches Artefakt

Staab Architekten waren in den Werkstattverfahren als Verfechter der vollständig geschlos­senen Südseite des Roncalliplatzes aufgetreten. Nun lenkten sie ein und hielten, wie in den Leit­linien empfohlen und durch das Baufeld vorgegeben, die Verbindung zwischen Domplatte und Altstadt offen. Die für die drei Institutionen geforderten rund 12.000 Quadratmeter Nutzfläche verteilen die Architekten auf zwei Solitäre: einen kleineren als Studien- und Kurienhaus und einen größeren als Stadtmuseum.
Beide zusammen bilden mit dem Bestand des Römisch-Germanischen Museums einen geschützten Vorplatz aus. Von hier werden die Museen, ihre Büros und die Verwaltung der Kurie sowie die theologische Buchhandlung erschlossen. Vor Kopf führt eine Treppe in der Achse ­der Römischen Hafenstraße hinunter zum Kurt-Hackenberg-Platz. Die beiden charakterstarken Neubauten bilden eigene Adressen aus, funktionieren stadträumlich aber als Ganzes. Das Kurien- und Studienhaus flankiert den Eintritt von der Altstadt zur Domplatte; die Pläne zeigen einen Baukörper, dessen Rasterfassade aus scharf geschnittenen Betonfertigteilen Geschossigkeit und Funktionen ablesbar macht. Es ist ein Bürogebäude, obschon eines im höheren Dienst.
Das neue Stadtmuseum wird genau an der Ecke der Domplatte platziert, der Sockel bietet allen Institutionen gemeinsam nutzbare Räume. Sein zweigeschossiges und von zwei Seiten erschlossenes Foyer vermittelt zwischen den Niveaus unten und oben, dabei bleiben die Grundrissorganisation flexibel und die Wegeführung klar im Sinne der Ausstellungskonzeption. Auch hier wieder ist die Hülle, der Ensemblewirkung geschuldet, aus Beton. Es ist ein Monolith, den seine raue, horizontal geschichtete Oberfläche wie ein archäologisches Artefakt erscheinen lässt. Fenster gibt es dort, wo sie wichtig sind: unten auf dem Kurt-Hackenberg-Platz, wo der zweite Eingang liegt, oben als zentraler Eingang und ganz oben, wo die Exponate im Kontext der Stadtlandschaft gesehen werden sollen. Allerdings forderte die Jury insbesondere angesichts der „selbstbewusst besetzen Höhe des Gebäudes eine originäre Fassade mit einem gestalterisch verfeinerten Ausdruck“. Denn Peter Zum­thors Museum Kolumba kann man hier als Idee, als Bild zwar verstehen – aber sowohl der Ort als auch die Aufgabe verlangen zurecht eine Position, die sich selbst erklärt.
Dreifach gestaffelt
Durisch + Nolli (ein 3. Preis) entwarfen ein „Individuum im Stadtraum“, einen dreifach gestaffelten, stark vertikal gegliederten Baukörper, der sich, vom Kurt-Hackenberg-Platz ausgehend, so weit verjüngt, dass er am Roncalliplatz einen schmalen, aber stadträumlich überzeugenden Kopf als Sitz der Kurie ausbildet. So wird die Idee der Stadtkante zwar schön abgebildet, doch rückt der Komplex hier vergleichsweise nah an das Römisch-Germanische Museum heran. Inhalt­li­che Zusammengehörigkeit wird damit zwar deutlich, doch es fehlt etwas an städtischem Raum. Diesen kann das zentrale, gemeinsame Foyer ersetzen, in dem die Besucher sich auf der Ebene des Roncalliplatzes wie auf einer Plaza durch alle drei Institutionen bewegen können – vom Kurienhaus am Roncalliplatz durch das Stadtmuseum bis zu dem auf den Kurt-Hackenberg-Platz ausgerichteten Studienhaus.
Solitär mit Vor- und Rücksprüngen
Caruso St John (ein 3. Preis) planten das Museum als „Analogie der Stadt“. Sie platzieren einen solitären Baukörper, der mit Vor- und Rücksprüngen auf seine bewegte Umgebung reagiert, was die Jury als „identitätsstiftend, unverwechselbar und dem Ort höchst angemessen“ bewertete. Sowohl zum Roncalliplatz als auch zum Kurt-Hackenberg-Platz orientiert sich der Bau mit einem Kopf. Die Jury sah die Chance, auf dem unteren Niveau eine Adresse auszubilden, leider nicht genutzt. Der Haupteingang des Stadtmuseums und die Eingänge der öffentlichen Funktionen im Kurienhaus werden in den Arkaden des Erdgeschosses gebündelt, wo sie die Südwestecke des Roncalliplatzes markieren und den Neubau in Beziehung zu den umstrukturierten überdachten Freiräumen im Erdgeschoss des Römisch-Germanischen Museums setzen. Das Stadtmuseum befindet sich in den Obergeschossen, die als Höhepunkt das Stadtmodell und Ausblicke über den Platz und auf den Dom bieten.
Gassen im Altstadtformat
Die Berliner Barkow Leibinger (Anerkennung) entwarfen ein „Ensemble an einer inneren Promenade“, das aus drei eigenständigen Baukörpern besteht, die über ein tiefer liegendes Verbindungsgeschoss zusammengeführt werden. Durch diese Ordnung entstehen schmale Gassen im Maßstab der Altstadt und ein gut geschnitte­-­ner Vorbereich als Zentrum des neuen Museums­ensembles und Außenterrasse für das Museumscafé, über den die Museen erschlossen werden. Im Bereich des Eingangs kritisierte die Jury die wegen der verglasten Erdgeschosse „fehlende Anbindung der Gebäude an den Boden“. Sie lobte die „Gesamtdramaturgie“ der Innenräume, die die Verbindung der beiden Plätze angemessen inszeniere.
Gotisch angespitzte Betonfassade
Das einzige Kölner Büro, dessen Arbeit ausgezeichnet wurde, war Peter Kulka Architektur (Anerkennung). Die Architekten wollten „Neue Qualitäten durch Vernetzung“ schaffen. Sie blieben bei der in den Werkstattverfahren propagierten Struktur, teilten die Baumasse in zwei Volumen: in ein solitäres Kurienhaus als Pforte auf den Roncalliplatz und einen langgestreckten Quader in der Flucht der Straße Am Hof für Museum und Studienhaus. Das führt in allen drei Institutionen zu effizienten Grundrissen. Beide Häuser werden über die zwischen ihnen ausgebildete Fuge erschlossen. Da die Erschließung auf diese Weise nicht mehr in der Verlängerung der Via Culturalis liegt, sondern genau auf das Römisch-Germanische Museum führt, sehen die Architekten dort eine besondere Vorplatz- und Eingangssituation. Die Jury hätte die Erschließung lieber an einer präsenteren Stelle gesehen. Überaus präsent ist dagegen das Kurienhaus – das exzentrischste Element des gesamten Wettbewerbs, das den Dom mit einer gotisch angespitzten Bogenfassade aus Betonfertigteilen zitiert.
Realisierungswettbewerb
1. Preis Staab Architekten
ein 3. Preis Caruso St John Architects
ein 3. Preis Durisch + Nolli Architetti
Anerkennung Peter Kulka Architektur
Anerkennung Barkow Leibinger Architekten
Fachpreisrichter
Katherin Bollenbeck, Erzbistum Köln; Julia Bolles-Wilson, Münster; Roger Boltshauser, Zürich; Andreas Bründler, Basel; Peter Füssenich, Dombaumeister; Christoph Gantenbein, Basel; Susanne Gross, Köln; Franz-Josef Höing, Stadt Köln; Jürgen Minkus, Gestaltungsbeirat Köln; Martin Struck, Diözesanbaumeister Erzbistum Köln; Jörn Walter, Hamburg; Donatella Fioretti, Berlin; Thomas Metz, Koblenz; Albert Distelrath, stv. Dombaumeister
Ausloberin
Stadt Köln
Wettbewerbsmanagement
Freischlad + Holz, Darmstadt
Fakten
Architekten Staab Architekten, Berlin; Caruso St John Architects, London/Zürich; Durisch + Nolli Architetti, Massagno (Schweiz); Peter Kulka Architektur, Köln; Barkow Leibinger Architekten, Berlin
aus Bauwelt 40.2016
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