Protestkunst

Ein Fundstück am Rand der Chicagoer Architekturbiennale: 50 Künstler gestalten Objekte aus den alten Möbeln geschlossener Schulen

Text: Heinich, Nadin, München

    Im Lager: die Möbel geschlossener Chicagoer Schulen

    Im Lager: die Möbel geschlossener Chicagoer Schulen

    Alles nur Sperrmüll?

    Alles nur Sperrmüll?

    Der Chicagoer Künstler John Preus benutzt das Material für Möbel und Installationen.
    Foto: Sara Pooley

    Der Chicagoer Künstler John Preus benutzt das Material für Möbel und Installationen.

    Foto: Sara Pooley

    Schreibtisch mit Hifi. "Rafael Sucks, adaptation of Le Bloc, by Cassat and Dehais, 2017" von John Preus Foto: Sara Pooley

    Schreibtisch mit Hifi. "Rafael Sucks, adaptation of Le Bloc, by Cassat and Dehais, 2017" von John Preus

    Foto: Sara Pooley

    Hocker. "Chicago Archive Series - Infinite Set , 2013- ongoing; 2017" von John Preus Foto: Sara Pooley

    Hocker. "Chicago Archive Series - Infinite Set , 2013- ongoing; 2017" von John Preus

    Foto: Sara Pooley

    Für die Ausstellung "Infinite Games" lud John Preus 50 Künstlerinnen und Künstler ein, mit den alten Schulmöbeln eine Airbnb-Wohnung auszustatten.
    Foto: Sara Pooley

    Für die Ausstellung "Infinite Games" lud John Preus 50 Künstlerinnen und Künstler ein, mit den alten Schulmöbeln eine Airbnb-Wohnung auszustatten.

    Foto: Sara Pooley

    Wandbild über Doppelbett. "Unbordered, 2017. Oak table legs" von Jeremy Boyle
    Foto: Sara Pooley

    Wandbild über Doppelbett. "Unbordered, 2017. Oak table legs" von Jeremy Boyle

    Foto: Sara Pooley

    Nachttisch."Bars In Search Of A Flag: The End Tables, 2017. Reclaimed school desk, letterpress" von Dan Wang
    Foto: Sara Pooley

    Nachttisch."Bars In Search Of A Flag: The End Tables, 2017. Reclaimed school desk, letterpress" von Dan Wang

    Foto: Sara Pooley

    Esstisch und Stühle. "The Writing Table: Here, Like A Star, 2017. Recycled wood tables from closed Chicago Public Schools" von Bryan Saner und Teresa Pankratz
    Foto: Sara Pooley

    Esstisch und Stühle. "The Writing Table: Here, Like A Star, 2017. Recycled wood tables from closed Chicago Public Schools" von Bryan Saner und Teresa Pankratz

    Foto: Sara Pooley

    Sitzkissen. "Untitled (from Chicago's Closed Public Schools), 2017" von Karen Reimer
    Foto: Sara Pooley

    Sitzkissen. "Untitled (from Chicago's Closed Public Schools), 2017" von Karen Reimer

    Foto: Sara Pooley

    "School Night (Room 208), 2017" und "The Power of Pink (Room 208), 2017" von Marvin Tate
    Foto: Sara Pooley

    "School Night (Room 208), 2017" und "The Power of Pink (Room 208), 2017" von Marvin Tate

    Foto: Sara Pooley

    Regal. "Untitled, 2017. Mixed Media" von Juan Angel Chavez
    Foto: Sara Pooley

    Regal. "Untitled, 2017. Mixed Media" von Juan Angel Chavez

    Foto: Sara Pooley

    Wandleiste. "40 ft. Shipping Containers (intermodal), 2017. Assorted leftover wood and surface from CPS and infinite Games projects" von Dan Petermann
    Foto: Sara Pooley

    Wandleiste. "40 ft. Shipping Containers (intermodal), 2017. Assorted leftover wood and surface from CPS and infinite Games projects" von Dan Petermann

    Foto: Sara Pooley

    "Prussian Blue / Ground Floor Plan, 2017" von John Preus
    Weitere Infos zur Ausstellung unter http://www.ohc-gallery.com/ Foto: Sara Pooley

    "Prussian Blue / Ground Floor Plan, 2017" von John Preus
    Weitere Infos zur Ausstellung unter http://www.ohc-gallery.com/

    Foto: Sara Pooley

Protestkunst

Ein Fundstück am Rand der Chicagoer Architekturbiennale: 50 Künstler gestalten Objekte aus den alten Möbeln geschlossener Schulen

Text: Heinich, Nadin, München

2013 wurden in Chicago 49 öffentliche Schule geschlossen. Beinahe alle befanden sich in einkommensschwachen Stadtteilen im Süden und Westen der Stadt. 12.000 Schüler waren davon betroffen, die meisten von ihnen Afroamerikaner. Es folgten Demonstrationen, die landesweit Beachtung fanden, die Schließung wurde dennoch umgesetzt. Als wesentlicher Grund wurde seitens der Behörden die sinkenden Schülerzahlen angegeben. Voraus gegangen war der Abriss mehrerer Hochhauskomplexe, die zwischen den 1940er und 60er Jahren als Sozialwohnungen errichtet und zum überwiegenden Teil von Afroamerikanern bewohnt worden waren: Gebäude wie Cabrini Green oder die Robert Taylor Homes, geplant für 11.000 Menschen, in Spitzenzeiten von bis zu 27.000 Menschen bewohnt, davon bis zu 95 Prozent ohne offizielle Beschäftigung, und geprägt von Rauschgift, Gewalt und Armut. Bis zu ihrer Schließung wurden in dieser Gegend mehr öffentliche Gelder für Gefängnisse als für die Schulen ausgegeben.
Heute gibt es Untersuchungen, aber keine exakten Antworten, was mit den Schülern und ihren Familien passierte, wohin genau sie umgesiedelt wurden. Die Inneneinrichtung der Schulen einschließlich des Mobiliars waren ursprünglich für den Sperrmüll vorgesehen. Der Chicagoer Künstler John Preus bekam Zugang zu diesem Material und lagerte es in einem leer stehenden Laden ein. Seitdem dient es ihm als Basis und Inspiration für seine Arbeit. Im Rahmen der Ausstellung "Infinite Games 50/50" hat er 50 Künstler, Architekten und Designer eingeladen, mit dem Material zu arbeiten. Entstanden sind Installationen, neue Möbel, Prototypen, sogar Instrumente, die im Anschluss zu neuen Besitzern wandern. Als Begleitveranstaltung zur Architekturbiennale war die Ausstellung in Open House Contemporary, Galerie und Airbnb-Wohnung in River West, für kurze Zeit zu sehen.
Aus Massenware mit Gebrauchsspuren werden Unikate, aus wackligen Stühlen Designobjekte mit Geschichte. Mit „Infinite Games“ bezieht sich John Preus auf den amerikanischen Religionshistoriker James P. Carse und dessen Theorie des unendlichen Spiels, bei dem das primäre Ziel darin besteht, zu spielen, und nicht zu gewinnen oder zu verlieren. Die Ausstellung versteht sich als Teil eines Kreislaufs. Sie urteilt nicht, sondern erinnert an die Kinder und ihre Geschichten. Die großen Fragen nach Chancengleichheit und Gerechtigkeit klingen an, und damit verbunden auch die Frage, wie wir unsere Städte planen wollen. Zumindest letzteres vermisst man beinahe komplett in der Hauptausstellung der Architektur-Biennale.


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