Strg+Z

Kirsten Klingbeil hält es mit Oasis, wenn zurück keine Option ist: Don’t Look Back in Anger

Text: Klingbeil, Kirsten, Berlin


Strg+Z

Kirsten Klingbeil hält es mit Oasis, wenn zurück keine Option ist: Don’t Look Back in Anger

Text: Klingbeil, Kirsten, Berlin

Ende Juli präsentierte die Münchner Stadtbaurätin Elisabeth Merk zusammen mit dem Fraunhofer-Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation drei Stadtentwicklungsszenarien für „München 2040+“. Die Szenarien sollen helfen, „sich künftige Gegenwarten vorzustellen, um davon ausgehend Entscheidungen in der Gegenwart zu überdenken“. Ein verlockendes Werkzeug. Denn wie man gerade in der Bundeshauptstadt merkt, lässt sich die wichtigste Kombination auf der Computertastatur, „Strg+Z“, in der analogen Welt nur bedienen, indem man hohe Lehrgelder zahlt.
Das Berliner Jammern über explosionsartig steigende Mieten lässt die Münchner mit ihrem deutlich höheren Mietspiegel vermutlich nur müde lächeln. Dennoch eint beide Städte das Problem, nur noch wenig Handlungsspielraum auf dem Wohnungsmarkt zu haben. In Berlin versucht man die Leichtsinnigkeit der Vergangenheit, als man den sozialen Wohnungsbau der privaten Hand überließ, zu korrigieren, indem man endlich wieder das Vorkaufsrecht ausübt. Denn auch hier führen weiterhin steigende Mieten zu sozialer Segregation. Einst noch als eine Art Hobby betrieben, ist das Umziehen, oder besser, das Finden einer Wohnung in vielen Berliner Bezirken zum Glückspiel geworden – selbst ohne den Anspruch, seine vorherige Miete halten zu wollen. Während die Stadt Gentrifizierungsprozessen oft hilflos gegenüberzustehen scheint, machen die Rückkäufe von Immobi­lien durch die landeseigenen Wohnungsbaugesellschaften Hoffnung, dass Stadtteile wie Kreuzberg in den nächsten Jahren nicht allein unter Spekulanten aufgeteilt werden – nicht zuletzt wohl eine Reaktion auf die kürzlich als wirkungslos entlarvte Mietpreisbremse.
Eines der bekanntesten Gebäude, das nun wieder zum Eigentum des Landes zählt, ist das Zentrum Kreuzberg. Der Gebäudekomplex am Kottbusser Tor macht in den überregionalen Tageszeitungen auch aufgrund seiner Architektur als Schauplatz von Gewalt und wachsender Drogenkriminalität von sich reden. Hier sollen die Mieten für die nächsten 46 Jahre gesichert sein. Ganz ohne Glück gelang auch dieser Coup allerdings nicht: Die Wohnungsbaugesellschaft Gewobag konnte die 295 Wohnungen erst erwerben, als der private Käufer zum Zahltag nicht überwiesen hatte.

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