Köln, durchatmen!

Uta Winterhager übt Kritik an der Kritik

Text: Winterhager, Uta, Köln

Uta Winterhager übt Kritik an der Kritik

Uta Winterhager übt Kritik an der Kritik


Köln, durchatmen!

Uta Winterhager übt Kritik an der Kritik

Text: Winterhager, Uta, Köln

An einem Samstag Ende Oktober wurde der Wettbewerb zur Historischen Mitte Köln entschieden. Stadt und Kirche möchten die räumliche Misere am Fuße des Doms lösen – mit einem Neubau für das Kölnische Stadtmuseum, das Kurienhaus und das Römisch-Germanische Museum. Schnell sickerte durch: Volker Staab habe gewonnen, es sei schwierig gewesen, die Entscheidung aber einstimmig gefallen (siehe Beitrag Seite 16). Die Pressekonferenz fand am Montagvormittag statt, und kurz darauf waren zwei Renderings des Siegerentwurfs, einmal vom Roncalliplatz, einmal vom Kurt-Hackenberg-Platz gesehen, im Netz und in der Tagespresse. Es dauerte nicht lange, bis in den Kommentaren die Post abging. Einen „bedrohlich wirkenden Klumpen“ sah Voltumna2016 auf den Abbildungen, Schwaadlapp „schmucklosen nackten Beton mit grobschlächtiger Formgebung“, sodass domstadter „eine optische Kontaminierung der Stadtmitte“ befürchtete. Während die Boulevardzeitung Express mit dem Titel „Köln kann nur noch klotzen“ auf die Wirkung der Alliteration setzte, verfeinerte mies antroph im Baunetz das allgemeine Unbehagen gegen den „kistösen Zumthor-Aufguss“.
Egal wer, wo und was – eine Überschrift und ein Bild genügen vielen, um durch die Decke zu gehen. Ganz schnell blasen dann alle in dasselbe Horn. Und die Diskussion ist zu Ende, bevor sie begonnen hat. Gerade im Fall der Historischen Mitte ist es besonders ärgerlich, wenn alle an einer Visualisierung hängenbleiben. Denn der Wettbewerb war kein Fassadenwettbewerb. Vielmehr ging es darum, eine städtebauliche Schlüsselposition mit funktionalen Bauwerken zu besetzen, Ort und Geschichte zu würdigen, Synergien sinnvoll zu bündeln, schöne und wertvolle Innen- und Außenräume zu schaffen. Volker Staab, dem das alles mit Abstand am besten gelungen ist, bietet mit seinen (aus Zeitmangel) nicht zu Ende gedachten Fassaden der Kritik leider eine unnötige Angriffsfläche. Die ­Jury, überzeugt von den inneren Werten, stellte ihm die Aufgabe, noch einmal in Ruhe über eine originäre Gebäudehülle nachzudenken. Diese zweite Chance hat der Entwurf verdient.
Architekturverstehen dauert länger als ein Wischen mit dem Finger über den Bildschirm. Kritikverstehen auch. Die Zeit sollten wir uns nehmen.

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