Gut vernetzt in Alexandria

Der Orden der Borromäerinnen baut in Ägypten eine Pavillonschule, die kurze Wege schafft

Text: Schulz, Bernhard, Berlin

    1. Preis Worschech Architekten teilen das Raumprogramm konsequent auf einzelne Gebäude auf und erleichtern so die Orientierung
    Abb.: Architekten

    1. Preis Worschech Architekten teilen das Raumprogramm konsequent auf einzelne Gebäude auf und erleichtern so die Orientierung

    Abb.: Architekten

    Modell: Architekten

    Modell: Architekten

    2. Preis Gerber Architekten reagieren mit konstruktivem Sonnenschutz, Querlüftung und hoher Speichermasse auf das heiße Klima
    Abb.: Architekten

    2. Preis Gerber Architekten reagieren mit konstruktivem Sonnenschutz, Querlüftung und hoher Speichermasse auf das heiße Klima

    Abb.: Architekten

    Modell: Architekten

    Modell: Architekten

    3. Preis Ackermann + Raff Architekten richten die gesamte Anlage auf die Kapelle mit Kreuzgang in der Mitte aus
    Abb.: Architekten

    3. Preis Ackermann + Raff Architekten richten die gesamte Anlage auf die Kapelle mit Kreuzgang in der Mitte aus

    Abb.: Architekten

    Modell: Architekten

    Modell: Architekten

Gut vernetzt in Alexandria

Der Orden der Borromäerinnen baut in Ägypten eine Pavillonschule, die kurze Wege schafft

Text: Schulz, Bernhard, Berlin

In diesen Zeiten, da der anfangs noch als Ausgeburt der Fantasie betrachtete clash of civilizations realer ist denn je seit Ende des Zweiten Weltkriegs, erstaunt es zu erfahren, dass es in einem islamisch geprägten Land nicht nur eine deutsche Schule, sondern sogar die deutsche Schule einer christlichen Kongregation geben soll. Und doch verhält es sich so: In Ägypten unterhält der Orden der Borromäerinnen in Kairo und in Alexandria Schulen. Für letztere wurde ein Neubau immer dringlicher, so groß ist die Nachfrage nach Plätzen in dieser landesweit geachteten Bildungseinrichtung. Für die „Deutsche Schule der Borromäerinnen in Alexandria“ (DSBA) wurde nun ein Architekturwettbewerb ausgelobt, nachdem ein Ersatzgrundstück für die unter beengten Verhältnissen untergebrachte Schule gefunden war. Finanziert wird der Neubau auch durch eine Zuwendung des bundesdeutschen Auswärtigen Amtes. 13,6 Millionen Euro sind für den Neubau angesetzt, der die erste Stufe eines komplexeren Bauprogramms bildet, zu dem in Zukunft noch Kindergarten, Schwimmhalle und ein Haus der betreibenden Kongregation gehören. Immerhin betreiben die Borromäerinnen, ein 1652 in Frankreich begründeter und seit 1811 auch in Deutschland tätiger Orden, seit 1884 die Schule in Alexandria, in der derzeit 640 Schülerinnen verschiedener Konfessionen unterrichtet sowie 120 Kindergartenkinder betreut werden.
Die preisgekrönten Entwürfe ähneln einander konzeptionell. Die geforderte Aufteilung in einen ersten und einen noch unbestimmten zweiten Bauabschnitt führte wohl zu den additiven Konzepten aus einzelnen Baukörpern, wie sie die drei Preisträger aufweisen. Auf dem 23.500 Quadratmeter großen Grundstück waren fürs Erste 6230 Quadratmeter Nutzfläche unterzubringen, und das konnte bei einer Schuleinrichtung kaum anders als zu Pavillonlösungen führen.
Der erste Preis ging an Worschech Architekten Planungsgesellschaft aus Erfurt, die das additive Prinzip geradezu idealtypisch zur Geltung bringen. „Die klar gegliederte und ables-bare Zuordnung der Funktionen zu den einzelnen Häusern erleichtert die Orientierung und schafft kurze Wege“, heißt es lobend in der Beurteilung des Preisgerichts. Großen Wert legt Worschech auf Außenräume, für deren Gestaltung RSP Freiraum herangezogen wurde. Neben dem zentra-len Innenhof gibt es kleinere, jahrgangsmäßig zugeordnete Höfe und Außenbereiche, die die einzelnen Baukörper sinnfällig vernetzen.
Der Name des zweiten Preisträgers, Gerber Architekten aus Dortmund, lässt aufhorchen, hat sich das Büro doch mit Arbeiten in Saudi-Arabien – darunter prestigeträchtig die König-Fahd-Na-tionalbibliothek in Riad – als Kenner der kulturellen wie auch klimatischen Eigenheiten des islamischen Orients ausgewiesen (Bauwelt 43.2013). So ist auch der Entwurf für Alexandria besonders auf das heiße Klima ausgerichtet, und die Jury hebt „konstruktiven Sonnenschutz, Querlüftung und hohe Speichermasse“ hervor. Mit der durchgängig zweigeschossigen Bauweise erreichen die Architekten eine höhere Verdichtung, die teils mit gefangenen Räumen erkauft wird. „Muss das von Nachteil sein?“, fragt sich der Betrachter angesichts eigener Erfahrungen mit Chemie- oder Physiksaal. Wohl nicht. Dass die Busvorfahrt und die Sicherheitsmaßnahmen – „eine unprätentiöse Zaunanlage“, so die Jury – unauffällig ins Konzept integriert, kann man nur anmerken.
Denn am dritten Preisträger, Ackermann + Raff mit Glück Landschaftsarchitektur aus Stuttgart, tritt der Konflikt der Kulturen eben doch zutage. Die Architekten stellen nämlich die gewünschte Kapelle samt Kreuzgang in die Mitte der Anlage. „Dieser Versuch, dem kirchlichen Schulträger baulich Rechnung zu tragen, wurde im Preisgericht sehr kontrovers diskutiert“, heißt es in dürren Worten im Leporello zum Wettbewerb. Was in der Begründung folgt, ist indessen eine einzige Eloge auf den Entwurf, an dem so gut wie alles gelobt wird, beispielsweise die Variabilität der Räume oder die kurzen Wege, die – Ironie der Begründung – über den Kreuzgang als Mittelpunkt der Anlage führen.
Interessanterweise hat die Jury zwei Entwürfe mit Anerkennung bedacht, die sich dem Cluster-Prinzip der Preisträger mit ihren niedergeschossigen Pavillons entziehen. Sowohl Haberland Architekten als auch Bez + Kock Architekten setzen mit drei-, beziehungsweise gar viergeschossigen Gebäuden markante Zeichen inmitten der  – soweit ersichtlich – niedrig bebauten Umgebung. Nun ist es, und da kommen wir nochmals auf die These vom clash of civilizations zurück, westlicher Brauch, angesichts schwelender Konflikte möglichst low profile zu zeigen. Doch warum soll eine Schule, auf die 760 Kinder von ortsansässigen Familien geschickt werden, nicht sichtbar sein? Darüber müsste das Preisgericht vielleicht noch einmal nachdenken.
Zweistufiger, nicht offener Realisierungswettbewerb
1. Preis (28.000 Euro) Worschech Architekten Planungsgesellschaft, Erfurt, mit RSP Freiraum, Dresden
2. Preis (16.000 Euro) Gerber Architekten, Dortmund
3. Preis (10.000 Euro) Ackermann + Raff, Stuttgart,  mit Glück Landschaftsarchtektur, Stuttgart
Anerkennung (6500 Euro) Bez + Kock Architekten Generalplaner, Stuttgart, mit ST raum a. Gesellschaft von Landschaftsarchitekten, Berlin
Anerkennung
(6500 Euro) Haberland Architekten, Berlin, mit häfner jiménez betcke jarosch landschaftsarchitektur, Berlin
Jury
Ursula Pasch (Vorsitz), Arthur Numrich, Barbara Pampe, Amr Soliman, Cordula Loidl-Reisch, M. Borromäa Jilg, M. Antonia, Heiko Schwarz, Petra Wesseler

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