Bauwelt

Der Wendepunkt

Die spanische Architektur- und Städtebau-Biennale bei Aedes in Berlin

Text: Lillith Kreiß

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Die spanische Architektur- und Städtebau-Biennale bei Aedes in Berlin


Der Wendepunkt

Die spanische Architektur- und Städtebau-Biennale bei Aedes in Berlin

Text: Lillith Kreiß

Architektur ist laut Enrique Sobejano und Fuensanta Nieto immer das Resultat der Interpretation verschiedener Rahmenbedingungen. In der Einleitung zum Katalog von „Inflexión / Turning Point“ erläutern die Kuratoren der 12. Spanischen Architektur- und Städtebau-Biennale – XII BEAU, dass in Spanien trotz der schwierigen Rahmenbedingungen in den vergangenen Jahren gute Architektur gebaut wurde. Der Beleg kommt in Form eines neuen Ausstellungsformats daher. Die dazu gehörige Wanderausstellung ist bis zum 11. Januar bei Aedes in Berlin zu sehen.
Im Vorfeld der Biennale, die 2011/ 2012 stattfand, konnten spanische Architekten umgesetzte Projekte der vorangegangenen zwei Jahre einreichen. Aus 583 Beiträgen kürte eine Jury 15 Gewinner und 27 Finalisten. Diese wurden fünf Kategorien zugeordnet, welche als Leitsprüche des aktuellen Transformationsprozesses der spanischen Architektur stehen können: Renovierung und Wiederverwertung, Territorium und Landschaft, Stadtbelebung und -entwicklung, partizipative und soziale Aktion und zivilgesellschaftliche Symbole. Nach diesen Schlagworten sortiert werden die Preisträger bei Aedes auf vier Bildschirmen und einer im Raum schwebenden Leinwand in Aufnahmen von Handys und Überwachungskameras gezeigt. Neben dem Medialab und der Red Bull Music Academy in Madrid von Langarita-Navarro sind Renovierungen von Wohnungen wie das Joan Apartment von vora arquitectura und Neubauten von Sozial- oder Studentenwohnungen zum Beispiel in Vallès von dataAE + H architectes zu sehen. Stadtinterventionen wie der neue Masterplan der galizischen Küste werden neben dem Rathaus in Lalín von Mansilla + Tuñón gezeigt. Wie in einer Zentrale überwacht der Ausstellungsbesucher die Sequenzen, welche die einzelnen Projekte aus der Sicht ihrer Nutzer zeigen.
Diese Momentaufnahmen dokumentieren Spaniens Architektur und sollen gleichzeitig ein neues, positives Bild prägen, welches den negativen Ruf der vergangenen Jahre wieder aufbessert. Vor Beginn der Wirtschaftskrise in 2007 wäre eine solche Dokumentation unnötig gewesen. Spaniens Architekten zählten zu den Besten. Doch mit der Krise rückte die Qualität renommierter Projekte in den Hintergrund der Aufmerksamkeit, und der Blick wurde vornehmlich auf die Fehlplanungen und Fehlinvestitionen des Immobiliensektors gerichtet. 2011 kam es in Spanien zu Protesten. Diese richteten sich unter dem Motto "Keine Wohnung, keine Arbeit, keine Rente" gegen die Politik und die, durch die Krise ausgelösten, finanziellen und sozialen Probleme Spaniens. Auslöser waren unter anderem Zwangsversteigerungen und -räumungen, um zahlungsunfähige Immobilienbesitzer und ihre Mieter aus ihren Wohnungen zu vertreiben. Die Kuratoren reagierten mit ihrer Biennale direkt auf diese Entwicklung und hoffen damit „die negativen Prozesse und Architekturen reflektieren und verstehen zu können um wieder nach zu vorne schauen“, wie Fuensanta Nieto auf dem Symposium zur Eröffnung der Ausstellung erläuterte. Die Wanderausstellung sei ein „Experiment der Architekturkommunikation“, um anderen und den Landsleuten die gute Architektur Spaniens wieder näher zu bringen. Juan Navarro Baldeweg und Emilio Tuñón, die zu der Veranstaltung geladen waren, gaben ihr Rezept für den Erfolg von Architektur preis: Einer guten Architektur liege ein tiefes Verständnis des Ortes und seiner Seele zu Grunde. Damit überdauere sie auch negative gesellschaftliche Entwicklungen. Ob dieses Rezept auch für Gebäude gilt, deren Planungsprozess direkt von der Krise betroffen war, lässt sich nicht sagen: Die meisten der Projekte, die bei Aedes zu sehen sind, wurden vor dem Tiefstand der spanischen Wirtschaft in 2009 begonnen.

Adresse Christinenstraße 18, 10119 Berlin



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