Bleistiftlinien

Heike Hanada in der Architektur Galerie Berlin

Text: Friedrich, Jan, Berlin

    Die lange Galeriewand mit Hanadas „Schatten“ des Fußbodenrasters
    Foto: Jan Bitter

    Die lange Galeriewand mit Hanadas „Schatten“ des Fußbodenrasters

    Foto: Jan Bitter

Bleistiftlinien

Heike Hanada in der Architektur Galerie Berlin

Text: Friedrich, Jan, Berlin

All das, was die Diskussion über das Bauen zurzeit bestimmt, scheint hier ausgeblendet zu sein: die Frage günstigen Wohnraums etwa, die Schwierigkeit, der Energiewende ein Gesicht zu geben, oder das Ringen um die soziale Mischung in den Städten. Heike Hanadas Ausstellung in der Architektur Galerie Berlin widmet sich unter dem Titel „Monumente“ ästhetischen Phänomenen von Architektur und Raum. Es geht um Komposition, Proportion, Fügung, Gliederung – mithin um die ureigensten Grundzutaten der Architektur, die in der Debatte um oben erwähnte Fragen nicht selten unter die Räder kommen.
Heike Hanada (Jahrgang 1964) betreibt seit 2007 in Berlin ihr „laboratory of art and architecture“. Im selben Jahr machte sich die bis dahin unbekannte Architektin einen Namen in der Fachwelt: Als Überraschungssiegerin gewann sie den ersten Preis im offenen Realisierungswettbewerb um die Erweiterung der Stockholmer Stadtbibliothek von Gunnar Asplund. Mit der Umsetzung beauftragt wurde sie dann nicht. Überhaupt hat Hanada, die seit 2010 in Potsdam an der School of Architecture Grundlagen der Gestaltung lehrt, bisher nichts gebaut. Das wird sich nun ändern: Ihr gemeinsam mit Benedict Tonon verfasster, erstplatzierter Wettbewerbsentwurf für das neue Bauhaus-Museum in Weimar (2012) soll bis 2018 realisiert werden.
Auffallend sparsam „gebaut“ hat Hanada – im Vergleich zu vielen, die vor ihr dort ausgestellt haben – auch in der Galerie selbst. Der Raum gefalle ihr, so wie er ist, hat sie dem Inhaber Ulrich Müller gesagt. So veränderte sie ihn, ganz im Sinne ihrer bisherigen Arbeit, allein durch Zeichnen ein wenig: Sie hat „Schatten“ der großen Schaufenster und des Fußbodenrasters auf die rückwärtige, lange Ausstellungswand „geworfen“ – in Form wohl Tausender feiner Bleistiftlinien. An den schmalen Wänden hängen rund 30 gerahmte A4-Blätter, die in delikaten Zeichnungen einzelne Aspekte aus Entwürfen der letzten Jahre aufgreifen, mal ein Grundriss, mal ein Schnitt, mal eine Perspektive. Auf einem Pult liegt eine Pappmappe, dort kann der Besucher alle Wettbewerbspläne Hanadas studieren. Eine stille Ausstellung, die Konzentration verlangt.

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