Bauwelt

Zur Stadt verdichtet

Erweiterung des Stiftungscampus der Montag Stiftungen in Bonn

Text: Winterhager, Uta, Bonn

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    1. Preis Schmitz Architekten, Köln; RMP Stephan Lenzen Landschaftsarchitekten
    Abb.: Planer

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    1. Preis Schmitz Architekten, Köln; RMP Stephan Lenzen Landschaftsarchitekten

    Abb.: Planer

Zur Stadt verdichtet

Erweiterung des Stiftungscampus der Montag Stiftungen in Bonn

Text: Winterhager, Uta, Bonn

Zwei außergewöhnliche Qualitäten zeichnen die Villen am Bonner Rheinufer aus. Es ist zum einen ihr unverbaubarer Blick auf den Strom und das gegenüberliegende Ufer vor der romantischen Kulisse des Siebengebirges. Zum anderen ist es ihre erhöhte Position, gut fünf Meter steinerner Mauer über dem befestigten Uferweg, wo sie trotz ihrer mindestens drei Geschosse im Grün der Parkanlagen verschwinden. Fast inkognito lebt oder arbeitet man hier und ist dennoch, da Bonn keine große Stadt ist, in bester Lage. Der Architekt und Bauunternehmer Carl Richard Montag kaufte Mitte der 90er Jahre die Villa Prieger, die in eben dieser besonderen Lage zwischen Palais Schaumburg und Kinderklinik als Kriegsruine lange vergessen worden war.
Nach der Sanierung des Hauses und der Neugestaltung des Parks nutzte er das Ensemble als Wohn- und Arbeitsstätte. 2010 zogen die drei Montag Stiftungen in das am Kopf des schmalen Grundstücks an der Adenauerallee gelegene Raiffeisenhaus. Unter ihrem gemeinsamen Leitmotiv „Handeln und Gestalten in sozialer Verantwortung“ setzen sich die Montag Stiftung ­Ju-­ gend und Gesellschaft, die Montag Stiftung Urbane Räume und die Montag Stiftung Kunst und Gesellschaft für eine chancengerechte Alltagswelt ein. Zwei weitere denkmalgeschützte Gebäude, die Villa Ingenohl und die Villa Heckmann auf Nachbargrundstücken sind inzwischen hinzugekommen. Hier sollen Studierende zusammen leben.
Sieben Büros waren zu einem hochbaulich-freiraumplanerischen Wettbewerb eingeladen. Sie sollten einen „zeitgemäßen und zukunftsorientierten Lebensraum aus Alt- und Neubauten“ entwickeln und diesen „in den städtebaulichen und landschaftlichen Kontext integrieren“. Anfang August hat das Preisgericht (Vorsitz: Gerd Aufmkolk) einstimmig den Entwurf von Schmitz Architekten, Köln, und RMP Stephan Lenzen Landschaftsarchitekten, Bonn, ausgezeichnet.
Schmitz Architekten orientieren sich trotz der erforderlichen Nachverdichtung des Planungsgebietes an der Körnung der Umgebung, die lose und kleinteilig ist. Sie platzieren zwei ähnlich dimensionierte viergeschossige Baukörper auf polygonalem Grundriss im rechten Winkel zueinander, sodass sie mit ihren schmalen Stirnseiten einen Platz mit Bezug auf den Eingang der Villa Prieger ausformen. Durch die Anhebung des Geländes liegen alle Baukörper auf gleichem Niveau, eine Hierarchie wird vermieden. Der Platz, der Stadtqualitäten entwickeln kann, öffnet sich zum Rhein als Park, der die vormals privaten Gärten zusammenfasst. Spannung erzeugt die fußläufige Erschließung von der Rheinseite, die zwischen den beiden eng aneinander gebauten Villen Ingenohl und Heckmann vom Ufer über ­eine einladende, in die Stützmauer gebaute Treppe zum Campusgelände führt. Diese Achse wird dort jedoch nicht weitergeführt, sondern an der langen Flanke eines neuen Baukörpers auf den kleinen zentralen Platz umgelenkt. So entsteht hier ein bis aufs städtische Maß verdichteter Campus mit dem Bonus seiner landschaftlichen Qualitäten. Im Gegensatz zu den repräsenta­tiven Fassaden der Villen, sollen die von Peter Schmitz entworfenen Neubauten eine hölzerne Hülle ­bekommen, die sich für Fenster und Log­gien geschosshoch öffnet. Wo sie geschlossen bleibt, rhythmisiert die Anordnung der vertikalen Lamellen die Fläche.
Positiv bewertete die Jury, wie die Preisträger mit der Konfiguration der Grundrisse eine spannungsvolle Auseinandersetzung zwischen Privatheit und Gemeinschaft erreichen konnten. 80 Studierende könnten in den sanierten Altbauten und in den Neubauten wohnen. Dort bezögen jeweils acht von ihnen eine Etage mit Einzel- oder Dop­pelappartements, Gemeinschaftsbereichen zum Kochen und Wohnen und einer daran anschließenden Loggia. Dank der flexiblen Struktur wäre jedoch auch eine Nutzung durch Senioren, Fa­milien mit zwei oder drei Kindern, als Hostel oder temporäre Flüchtlingsunterkunft einfach zu rea­lisieren. Erdgeschoss und Untergeschoss sind Co-Working- und Werkräumen oder Stu­dios vorbehalten. Die Elemente des Entwurfs zeigten „einen gemeinsamen Gedanken und eine Haltung auf, die in inspirierender Weise Raum für geistige und persönliche Entwicklung biete“, urteilte die Jury.
Nichtoffener hochbaulich-freiraumplanerischer Realisierungswettbewerb
1. Preis (28.000 Euro) Schmitz Architekten, Köln; RMP ­Stephan Lenzen Landschaftsarchitekten, Bonn; Matthias Grobe (Rendering)
Anerkennung (5000 Euro) ASTOC Architects and Planners, Köln; KRAFT.RAUM. Landschaftsarchitektur und Stadt­entwicklung, Krefeld
Anerkennung (5000 Euro) pape + pape architekten, Kassel; plandrei Landschaftsarchitekten, Erfurt; Marc Nocke (Visualisierung), Reitz+Pristl (Tragswerk­planung)
Anerkennung (5000 Euro) Schilling Architekten, Köln; Wirtz International, Schoten/ Belgien
Fachpreisrichter
Martin zur Nedden, Berlin; Pablo Molestina, Köln; Michael Müller, Wuppertal; Gerd Aufmkolk, Nürnberg (Vorsitz)
Auslober
Carl Richard Montag Förderstiftung
Verfahrensbetreuung
scheuvens + wachten plus planungsgesellschaft, Dortmund

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