Überraschend leicht

Modellstudien von Thomas Demand in Hombroich

Text: Winterhager, Uta, Bonn

    In ihrer Abstraktheit kommunizieren die Modellstudien von Thomas Demand erstaunlich gut mit Sizas puristischer Architektur der Raketenstation
    Foto: Tomas Riehle/arturimages

    In ihrer Abstraktheit kommunizieren die Modellstudien von Thomas Demand erstaunlich gut mit Sizas puristischer Architektur der Raketenstation

    Foto: Tomas Riehle/arturimages

    Foto: Tomas Riehle/arturimages

    Foto: Tomas Riehle/arturimages

Überraschend leicht

Modellstudien von Thomas Demand in Hombroich

Text: Winterhager, Uta, Bonn

Fotos von Pappe, Papier und Plexiglas, geschnitten, geklebt, gestapelt, in riesiger Vergrößerung. Auf einigen sind Raumfragmente zu erkennen, Wände, Decken und Öffnungen, oft aber bleiben die Bilder abstrakt. Dann sind nur mehr Spuren von Arbeit zu sehen, etwas Geschnittenes, Geknicktes, Geklebtes, Beschriftetes und schließlich Zur-Seite-Geschobenes.
Auch das ist Thomas Demand. In den neunziger Jahren baute er lebensgroße Modelle aus Papier und Pappe nach einer fotografischen Vorlage, um diese wiederum zu fotografieren und anschließend zu vernichten. Diese Fotografien (Bauwelt 38.2009) zeugten von Perfektion und Akribie, schlossen alles Zufällige aus. Anders die 24 großformatigen Aufnahmen, die unter dem Titel Modellstudien noch bis 6. Dezember im Siza Pavillon auf der Raketenstation Hombroich zu sehen sind – sie inszenieren den Zufall, die Unschärfe und das Uneindeutige. Demand bezeichnet die Nahaufnahmen, die aus der eingehenden Betrachtung von Modellen John Lautners und im Büro von SANAA entstanden, als sein bislang fotografischstes Werk.
Die Arbeiten tragen die Titel konkreter Projekte: Kindergarten #22, Marina Fine Arts #37 oder Publishing House 64 (Foto oben: Publishing House 64, 2015, Framed Pigment Print, 122,7 x 156,3 cm, © Thomas Demand, VG Bild-Kunst, Bonn 2015). Während eines Aufenthalts am Getty Research Institute in Los Angeles stieß Demand auf die dort wie einen Schatz gehüteten Modelle des 1994 verstorbenen US-amerikanischen Architekten John Lautner. Die Modellbauten von Kazuyo Sejima und Ryūe Nishizawa (SANAA) dokumentiert er seit drei Jahren. Doch es sind nicht die teuren Modelle, wie sie zur Vermarktung der Projekte gebaut werden, sondern vielmehr räumliche Skizzen und Studien, die gewöhnlich die Büros nicht verlassen. Demands Fotografien zeigen Lautners Entwürfe nicht als die Villen, in denen The Big Lebowski oder Charlie’s Angels gedreht wurden und die von SANAA nicht als die neuen Räume für Kunst, sondern als Fragmente von Werkstücken, als Träger von Ideen, die vielleicht schon bald von neuen Gedanken überholt wurden. Ob sie gebaut wurden oder nicht, ob sie Ansätze guter oder gewöhnlicher Architek-tur tragen, lässt Demand offen. Je näher er mit seiner Kamera den Modellen kommt, desto mehr verlieren sich Maßstab und Kontext in Unschärfe, bis schließlich nur Licht und Schatten bleiben.
Modellstudien ist die erste Einzelausstellung eines zeitgenössischen Künstlers, die in den Räumen der Stiftung Insel Hombroich gezeigt wird. Thomas Demands Fotografien erscheinen hier, wo die Beziehung von Skulptur, Architektur und Mensch so intensiv inszeniert wird, als ein Kontrapunkt: überraschend leicht zu nehmen.

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