Geister, die man ruft

Kirsten Klingbeil hat seit Tagen den Ohrwurm "Another Brick in the Wall" im Kopf

Text: Klingbeil, Kirsten, Berlin

Kirsten Klingbeil

Kirsten Klingbeil


Geister, die man ruft

Kirsten Klingbeil hat seit Tagen den Ohrwurm "Another Brick in the Wall" im Kopf

Text: Klingbeil, Kirsten, Berlin

Es ist Freitag. Tausende Schüler demonstrieren weltweit unter dem Motto “Fridays for Future” für die Einhaltung der Klimaziele. Statt Begeisterung, dass sich die sonst auch gern als unpolitisch gescholtene Jugend engagiert, reduzieren viele Politiker die Demonstrationen in den Medien aufs Schwänzen und sprechen sich für Strafen aus. Statt über die Folgen des Klimawandels für die nachfolgende Generation werden Diskussionen über die Schulpflicht geführt.
An einem anderen Freitag im März sitze ich an dem Text dieser Kolumne und denke über den neuen Schulbau nach. In der Schule gibt es, so der weltbekannte Pädagoge Loris Malaguzzi, drei wichtige Erzieher: erstens die Mitschüler, zweitens die Lehrer und drittens die Architektur. Malaguzzi hat sich durchgesetzt: Flurschule und Frontalunterricht sind längst aus dem Vokabular verschwunden. Im Raumprogramm neuer Schulbauten tauchen Begriffe auf wie Lern­häuser, Cluster, Compartments, Learning Area. Diesen Ansätzen folgend, entstehen ganz unterschiedliche Gebäude. Ob in kristallinen, organischen Strukturen oder in schlichten, geordneten Boxen, neue Merkmale wie breite Flure mit Aufenthaltsqualität, Klassenzimmer zum Zusammenschließen, große Sitztreppen und Nischen für den Rückzug, besitzen nun die meisten.
In einer großangelegten Schulbauoffensive folgt auch Berlin diesem Ansatz und stellt 5,5 Milliarden Euro für Sanierungen, baulichen Unterhalt und Schulneubauten zur Verfügung. Die Schulgebäude sollen „die individuelle Gestaltung der Lernprozesse in heterogenen Lerngemeinschaften unterstützen.“ Das zeigt sich auch in ersten Wettbewerbsergebnissen. Es ist längst Konsens: Die neuen Raumkonzepte folgen der Idee eines freien, individuellen, selbstgestalteten Lernens mit dem Ziel selbstbewusste und denkende Menschen zu erziehen.Was aber passiert, wenn die Geister, die man ruft, sich an die großen Worte halten? Was, wenn die Schüler anfangen, sich wirklich zu engagieren und für Veränderungen eintreten... Mehr zum Thema Schulbau in Ausgabe 12.

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