Die Stadt, ein Campus

Editorial

Text: Crone, Benedikt, Berlin; Flagner, Beatrix, Berlin; Landes, Josepha, Berlin

Die Stadt, ein Campus

Editorial

Text: Crone, Benedikt, Berlin; Flagner, Beatrix, Berlin; Landes, Josepha, Berlin

Niemand möchte der Dumme sein – das war vor dem Eintritt in die Wissensgesellschaft nicht anders. Heute aber soll alles um uns herum innovativer, klüger und „smarter“ werden. Ganze Städte haben diesen Anspruch für sich entdeckt. Unternehmen suchen ihre Wertschöpfung verstärkt in der Innovationskraft des Standortes. Wirtschaftlich nutzbares Wissen wird immermehr zum wichtigsten Rohstoff. Und wo entsteht dieses Wissen? In Universitäten, Forschungsstätten und Technologieparks.
Ob wachsende Metropole, traditionsreiche Universitätsstadt oder die Kleinstadt, die eine Hochschulgründung wagt: Weltweit buhlen Städte mit dem Ausbau ihrer Forschungs- und Bildungslandschaft um kluge und kreative Köpfe. Die Wirkung dieser Wissensorte reicht weit über den Campus hinaus. Hochschulerweiterungen ziehen neue Stadtviertel nach sich. Alte Quartiere sollen durch Bildungsneubauten aufgewertet werden.
Paris, Doha, Heilbronn
In dieser Ausgabe skizzieren wir die Eigenheiten verschiedener Wissensstädte – mit ihren jeweiligen Voraussetzungen und Entwicklungsstrategien. Auf ein konzentriertes Exzellenzzentrum außerhalb der Innenstadt setzt Frankreich in Paris mit der Universitätsgründung Paris-Saclay, Berlin mit Deutschlands größtem Technologiepark in Adlershof und Katars reiche Hauptstadt Doha mit seiner Education City. Andere Städte wie Amsterdam und Kassel erneuern und erweitern ihre Bildungsstätten in der Enge und Dichte ihres Zentrums, darauf hoffend, mit dieser Lage den Synergieeffekt mit Firmen und Bewohnern in der Nachbarschaft zu stärken.
Die Stadt Heidelberg, Deutschlands „Wissensperle“, geht einen Sonderweg. Sie greift zum Instrument der Internationalen Bauausstellung und will eine ehemalige Militärfläche der US-Armee in eine bildungsreiche Modellstadt der Zukunft umwandeln (S. 28). Auch kleinere und mittelgroße Städte wollen im Wissenswettbewerb nicht das Nachsehen haben: Heilbronn arbeitet tatkräftig daran, zum angesehenen Bildungsstandort aufzusteigen, Dank finanzieller Unterstützung des Lidl- und Kaufland-Eigentümers Dieter Schwarz.
Ein kleine Wissensfrage hat uns die Arbeit an der Ausgabe hindurch begleitet: Was ist eigentlich der Plural von Campus? Grammatikalisch korrekt: Campus, gesprochen mit einem langen „u“. Da wir fanden, dass „die Campus“ im Lesefluss eher für Unverständnis als Verständnis sorgt, haben wir weitgehend versucht, andere kreative Lösungen zu verwenden. Wenn Ihnen diese Kniffe nicht auffallen, sind sie uns geglückt.

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