Wenden Sie sich vertrauensvoll an Ihren Autohersteller

Karin Hartmann hätte vor der Haustür lieber eine Dauerbaustelle als den Ausweichverkehr

Text: Hartmann, Karin, Bonn


Wenden Sie sich vertrauensvoll an Ihren Autohersteller

Karin Hartmann hätte vor der Haustür lieber eine Dauerbaustelle als den Ausweichverkehr

Text: Hartmann, Karin, Bonn

Seit Wochen haben es einige Städte schwarz auf weiß: Fahrverbote für Diesel mit Euro-4-Motoren und älter sowie Benziner der Klassen Euro 1 bis 3. Ganze Innenstädte sollen mit Autos dieser Motorenklasse nicht mehr befahren werden, Köln zum Beispiel. Interessant wird es, wenn nur einzelne Straßen betroffen sind. Denn naturgemäß trifft es nicht breite Umgehungsstraßen, sondern den kürzesten Weg zur Autobahn, das Nadelöhr, auf das ganze Stadtteile münden. Ich wohne in so einem Quartier, in einer Fahrradstraße, alter Baumbestand, noch für Kutschen gebaut. Ab und zu Austragungsort von wilden Diskussionen zwischen Radfahrern und Anwohnern. Ich stelle mir den Ausweichverkehr vor, den es hier ab demnächst geben wird: alles voller Kleinbusse, Golf 3 und mittelalter Vans, geleitet durch neue Umfahrungs-Apps. Geduld, wenn sie hier lange genug entlangfahren, wird auch diese Straße irgendwann gesperrt. Also, stelle ich mir vor, vier bis acht Jahre Durchgangsverkehr vor der Haustür bis zur nächsten Messung – da wünscht man sich doch die Dauerbaustelle von gegenüber zurück. Fast alle diskutierten Ansätze zur Nachrüstung der Autos scheinen ein larmoyanter Versuch zu sein, ein schickes Investitionspaket zu schnüren. Für wen? Ach für die Autoindustrie, eine ganz neue Auslegung des Verursacherprinzips. Wurden eigentlich schon Lösungsvarianten diskutiert, die nicht mittel- oder gar unmittelbar der Autoindustrie dienen? Geringste Ansätze, die Grenzwerte infrage zu stellen, werden als populistische Versuche dargestellt, die Auswirkungen weich zu zeichnen. Währenddessen erscheinen sogar im Deutschen Ärzteblatt Artikel, in denen die zu Grunde liegenden Studien angezweifelt und die Belastbarkeit der Grenzwerte in Punkt und Komma infrage gestellt wird. Der Aufschrei bleibt insgesamt relativ gering. Was ist da los? Ganz einfach: Aufs Auto angewiesen, haben die Betroffenen oft keine Chance. Fakt ist, da rollt – kurzfristig – ein riesiges Problem auf uns zu: Das Chaos in den betroffenen Vierteln ist vorprogrammiert. Und es gibt noch keine plausiblen Lösungsansätze. Ich bin gespannt, wie es demnächst vor meiner Haustür aussieht.

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