Stutenseebad in Stutensee


Kaum ein Büro hat mehr Schwimmbäder im Werkverzeichnis als 4a Architekten aus Stuttgart. Das neueste: ein Hallenbad in Stutensee bei Karlsruhe


Text: Darstein-Ebner, Iris, Stuttgart


    Foto: David Matthiessen

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    Das neue Bad liegt am Ortsrand von Stutensee, zwischen einem Schul- und Sportzentrum und dem neuen Festplatz.
    Foto: David Matthiessen

    Das neue Bad liegt am Ortsrand von Stutensee, zwischen einem Schul- und Sportzentrum und dem neuen Festplatz.

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    Das Bad gliedert sich in zwei Raumvolumen: Badehalle mit Schwimmerbecken, Lehrschwimmbecken und Kleinkindbereich sowie Eingangs- und Umkleidebereich.
    Foto: David Matthiessen

    Das Bad gliedert sich in zwei Raumvolumen: Badehalle mit Schwimmerbecken, Lehrschwimmbecken und Kleinkindbereich sowie Eingangs- und Umkleidebereich.

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    Die Holzrippendecke wurde elementweise im Werk vorgefertigt, inklusive Dachentwässerung, Beleuchtung, Lautsprecheranlage und abgehängter Lamellen-Decke aus Weißtanne
    Foto: David Matthiessen

    Die Holzrippendecke wurde elementweise im Werk vorgefertigt, inklusive Dachentwässerung, Beleuchtung, Lautsprecheranlage und abgehängter Lamellen-Decke aus Weißtanne

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Zu alt, zu groß, zu unwirtschaftlich – viele Kommunen schließen ihre Frei- und Hallenbäder ersatzlos. Anders die Stadt Stutensee: Im September letzten Jahres ging dort ein neues Hallenbad nach Plänen des Stuttgarter Büros 4a Architekten Betrieb. Aus einem öffentlichen Wettbewerb heraus entstanden, konnte es das alte, stillgelegte Bad fristgerecht ablösen und wird seither begeistert genutzt; hauptsächlich von Schulklassen und Vereinen, aber auch von Besuchern über die Grenzen der Stadt hinaus. Mit rund 500 Badegästen an den Wochenenden ist das Gebäude derzeit ein Publikumsmagnet.
Das neue Stutenseebad ist kein Spaß- und Erlebnisbad. Doch obwohl das Raumprogramm nüchtern und mit spitzem Stift stringent nach wirtschaftlichen Gesichtspunkten entwickelt wurde, zielt es an den Wünschen der Bürgerinnen und Bürger nicht vorbei: Schwimmen, spie­len oder auf der Liegewiese entspannen – all das ist möglich. Und: In Zeiten, in denen nur noch jedes zweite Kind als Schwimmer die Grundschule verlässt, bietet die Stadt ihrem Nachwuchs hier eine elementare Chance: Schwimmen lernen!
Als zertifizierte „Familienbewusste Kommune Plus“wolle sich Stutensee noch mehr als bisher als attraktiver Wohnstandort etablieren, erklärt Baubürgermeisterin Sylvia Tröger. Und wie gelängedas besser als mit nachhaltiger, qualitätsvoller Architektur? Das neue Bad ist ein wichtiger Meilenstein auf diesem Weg. „Hochwertige Gebäudezu schaffen, die ästhetisch wie funktional langeBestand haben, ist auch für uns die Grundlage jedes Nachhaltigkeitsgedankens“, sagen Ernst Ulrich Tillmanns und Anke Pfudel-Tillmanns von4a Architekten beim Ortstermin. Um das Ergebnis dahingehend dokumentieren zu können, wurde die Planung unter Anwendung der Nachhaltigkeitskriterien im staatlich geförderten kommunalen Hochbau entwickelt (FörderprogrammNBBW). Zahlreiche Faktoren mussten bei dem anspruchsvollen Verfahren erfasst werden, angefangen von der Abwicklung des Wettbewerbsbis zum Einsatz umweltschonender Mittel bei der täglichen Badreinigung.
Als eine Säule der Nachhaltigkeit beginnt Wirtschaftlichkeit im laufenden Gebäudebetrieb mit einem flächenoptimierten Grundriss und demmöglichst geringen Verhältnis von Außenhülle zu Rauminhalt. Badehalle und Umkleidebereich wurden als ineinandergreifende Spangen kompakt Seite an Seite organisiert. Die Höhe der dienenden Räume ist dabei deutlich reduziert.
Wegen des hohen Grundwasserspiegels liegt das Erdgeschoss zwei Meter über Geländeniveau. Das Untergeschoss ist als weiße Wanneausgebildet und beherbergt die umfangreiche Hallenbadtechnik: eine geheime Welt, die dem Badegast verborgen bleibt. Dessen Eintritt in dieBadelandschaft erfolgt entlang einer Rampe auf der Nordseite oder über eine tribünenartigeTreppe unter dem weit auskragenden Flachdach im Westen. Vom lichten Foyer mit Sitzgelegenheiten ist über raumhohe Verglasungen dieHalle einzusehen: Hier gibt es ein 25-Meter-Becken, ein Lehrschwimmbecken mit Rutsche sowie einen Kleinkindbereich – zusammen 368 Quadratmeter Wasserfläche. Eine überdachte Terrasse orientiert sich nach Osten zur Liegeweise hin.
Gleich hinter der Kasse befindet sich der Zugangzu den Umkleiden. Entlang des Stiefelgangs fällt Tageslicht durch ein schmales Fensterband. Die Mittelzone bildet als Sanitärspange den Übergang zur Schwimmhalle. Türen aus gefärbtem, blickdichtem Glas folgen einem stimmigen Farbkonzept, das sich von Orange über Sonnengelb zu Grün entwickelt. Es findet Entsprechung in den Kleiderspinden, den Sanitärfliesen und den Glasmosaiken in der Schwimmhalle. Den ruhigen Rahmen für die leuchtenden Farben bilden die Bodenbeläge aus anthrazitfarbenem Feinsteinzeug, die Sichtbetonflächen der Wände und Brüstungen sowie die Akustikflächen aus gelochten, weiß lasierten Seekieferpaneelen.
Holz im Schwimmbad?
Die allseitige Verglasung der Schwimmhalle schafft eine offene und natürliche Raumatmos­phäre. Schlanke Fensterprofile ermöglichen die ungehinderte Sicht nach außen. „Sport wird docham liebsten im Freien ausgeübt“, sagt Anke Pfu­del-Tillmanns. „Darum ist uns Transparenz geradeauch im Hallenbad sehr wichtig“. Diese schließt nicht nur Blickbeziehungen, sondern auch fließende Materialübergänge zwischen innen und außen mit ein. Eine raumakustisch wirksame Holzverkleidung der oberen Wandbereiche minimiert den Anteil schallharter Flächen im Raum. Draußen wird sie als Untersicht der auskragenden Flachdächer fortgeführt.
Die Außenhaut des Gebäudes ist mit silbergraubeschichteten Stahlplatten verkleidet. Im Innenraum hingegen dominiert Holz. Während Stahl und sogar Edelstahl aufgrund der Chlorluft korrodierten, sei Holz für den Einsatz in Bädern ideal, bestätigt Ernst Ulrich Tillmanns. Das Dachtragwerk über den Umkleiden wie auch das Schwimmhallendach wurden in Holzbauweise aus im Werk vorgefertigten, tragenden Dachbauteilen errichtet: Fünf schlanke Holzleimbinder – im Abstand von 60 Zentimetern angeordnet – bilden im Verbund mit einer aussteifenden Holzplatte jeweils ein flächiges Element, das die gesamte Hallenbreite von 17 Metern frei überspannt. Die Akustikverkleidung aus feinen Holzlamellen wurde bereits werkseitig zwischen den Bindern am Bauteil angebracht, ebenso die Beleuchtung, die elektroakustische Anlage und die Flachdachentwässerung. „Dieser hohe Vorfertigungsgrad hat­te einen raschen Baufortschritt zur Folge. Da die Decke nach Einbau fix und fertig war, entfielen auch die Kosten eines Raumgerüsts für weitere Gewerke“, so die Architekten.
Die Überzeugung der Planer, dass, wenn weniger mehr sein soll, dieses Weniger auf hohem Niveau umzusetzen sei, führte in Stutensee zu einem dem Ort und dem Nutzen angepassten, stimmigen Gebäude, das obendrein noch mehrere hunderttausend Euro unter Budget fertiggestellt werden konnte.



Fakten
Architekten 4a Architekten, Stuttgart; Fischer + Friedrich, Fellbach; Kurz und Fischer, Winnenden; Ralf Kludt, Stuttgart; IGP, Pforzheim
Adresse Erich-Kästner-Straße 4, 76297 Stutensee


aus Bauwelt 5.2019
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