Bauwelt

Frank Gehry (1929–2025)

Frank Gehry gilt unbestritten als zentrale Figur der amerikanischen Architektur der letzten fünfzig Jahre und als einer der einflussreichsten Architekten seiner Zeit. Er ist eine überlebensgroße öffentliche Persönlichkeit und scheute sich nie, sein Genie hervorzuheben. Der Architekt realisierte Hunderte von Bauwerken, darunter Wohnhäuser, Gewerbebauten, Bildungsstätten. Gehry war Pionier, dessen technische Innovationen und Raumkonzepte das Fachgebiet für immer veränderten. Und er war auch Träumer, dessen gebaute und nicht gebaute Entwürfe in die Architekturgeschichte eingegangen sind.

Gehry, 1929 in Toronto geboren, war ein jüdisch-amerikanisches Wunderkind wie Bob Dylan, Philip Roth und Diane Arbus, deren Familien ebenfalls aus Europa nach Nordamerika emigriert waren und deren Werke bis dahin übersehene Dimensionen der amerikanischen Erfahrung herausstellten und zu einem festen Bestandteil der amerikanischen Kultur wurden. Gehry verstand sich als Architekt unter Künstlern und schätzte seine Freundschaften und Verbindungen.

In den ersten Jahren seiner Karriere präsentierte er sich mit einer unbeholfenen „Was soll’s“-Haltung, die viele mit der Figur Columbo verglichen, die unvergesslich von Peter Falk in der gleichnamigen Fernsehserie gespielt wurde. Diese harmlose Erscheinung kam ihm bei seinen Kunden zugute und täuschte über die messerscharfe Präzision seiner architektonischen Ziele hinweg. Anfangs leugnete er jegliche Einflüsse und präsentierte seine Architektur als völlig sui generis, was angesichts dessen, dass sie sich nicht in eine einzige Kategorie oder Bewegung (Modernismus, Postmodernismus, Dekonstruktivismus) einordnen ließ, durchaus plausibel erschien. In den letzten Jahrzehnten seiner Karriere wurde er lockerer und gab zu, sich intensiv mit den Werken von Richard Neutra, Rudolph Schindler, Gordon Drake sowie der mediterranen und japanischen Architektur beschäftigt zu haben.

Zu seinen bekanntesten Werken gehören sein Wohnhaus in Los Angeles, das Guggenheim-Museum in Bilbao und die Disney Concert Hall in Los Angeles. Aber auch Werke wie das Vitra Design Museum in Weil am Rhein, die DZ Bank am Pariser Platz in Berlin, oder neuere Projekte wie die Fondation Louis Vuitton in Paris oder die Facebook Zentrale im Silicon Valley. 1989 erhielt Gehry den Pritzker-Preis, eine von vielen Auszeichnungen, die noch folgen sollten.

Frank Gehry starb am 5. Dezember 2025 in Santa Monica.

Der gesamte Nachruf von Edward Dimendberg ist in der 3.2026 abgedruckt. Übersetzung aus dem Englischen: Beate Staib

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