Bauwelt

Hans und Wassili Luckhardt

Bauten und Projekte

Text: Hotze, Benedikt, Berlin

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Hans und Wassili Luckhardt

Bauten und Projekte

Text: Hotze, Benedikt, Berlin

Warum sollten wir uns mit einem Architekten-Brüderpaar beschäftigen, das in den 1920-er Jahren in Berlin mal Avantgarde war? Wo wir doch heute über Bauwende, Klimaschutz, Umbau statt Abriss, Kreislaufwirtschaft und Frauen in der Architektur diskutieren? Der Rezensent die-ses schönen Bandes bietet dazu zwei Gründe an: einen persönlichen und einen fachlichen.
Beginnen wir mit dem persönlichen: Als im Architekturstudium in den 1980ern plötzlich postmoderne Mätzchen in der Entwurfslehre auftauchten, erwachte das widerständige In-teresse an der klassischen Moderne. Und da fielen die Fotos der beiden Villen Am Rupenhorn der Brüder Luckhardt auf, die in jeder baugeschichtlichen Publikation der Moderne ent-halten waren. Derart lupenreine Umsetzungen der „Fünf Punkte zu einer neuen Architektur“ von Le Corbusier sind nirgendwo sonst in Deutschland realisiert worden. Die Stahlskelettbauten stehen auf Stützen, sie haben freie Fassaden ohne Rücksicht auf tragende Kon-struktionen, und sie haben freie Grundrisse und Sonnenbrecher (allerdings keine Dachgärten). Sie sind einfach wunderschön, strunzmodern und stehen für eine „strahlenden Stadt“. Dass die Nazis dieses jüdische Eigentum nach 1933 sofort abreißen wollten, adelt die Bauten, die durch wunderbares Geschick (und einiges privates Engagement) bis heute an der Heerstraße zu besichtigen sind.
Nun zum Fachlichen: Die Brüder Luckhardt gehören zweifellos zur ersten Garde einer Architektenkohorte, die – von expressionistischen Utopien kommend – die kanonische Ausprägung des Neuen Bauens mitformulierte – gleichrangig und zeitgleich mit Mies, den Taut-Brüdern oder Erich Mendelsohn. Vom funktionsgetrennten Städtebau bis zur Vorfertigung der Bauten vertraten sie all das, was zur weltweiten Etablierung des modernen Schemas ebenso beitrug, wie es die großen Probleme der Moderne, vor allem im Urbanismus, grundgelegt hat. Sich mit einem solchen Œuvre zu beschäftigen, Kontinuitäten und Brüche über politische Epochenwenden zu verfolgen – dazu lädt der opulente Band ein. Die noch vorhandenen Bauten wurden dafür durchgängig neu gezeichnet und neu fotografiert.
Sofern allerdings unterschwellig suggeriert wird, das Buch sei die erste umfassende Darstellung der Luckhardts, so ist das nicht ganz richtig: Die Akademie der Künste hat bereits 1990 einen ausführlichen Ausstellungskatalog mit wissenschaftlichem Werkverzeichnis ver-öffentlicht.
Fakten
Autor / Herausgeber Carsten Krohn und Michele Stavagna
Verlag Birkhäuser Verlag, Basel 2024
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aus Bauwelt 8.2026
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