Doppelt belichtet
Zwei Bücher zum Museumsbau
Text: Trede, Fiona, Hamburg
Doppelt belichtet
Zwei Bücher zum Museumsbau
Text: Trede, Fiona, Hamburg
Warum zwei Publikationen in einer Rezension zusammenfassen, wenn es sich doch um überaus gelungene, eigenständige Werke handelt? Weil, die Antwort ist einfach, sich diese beiden Neu-erscheinungen hervorragend ergänzen. Für den Ausstellungskatalog „Museum der Museen“ und den Interviewband „Building Culture“ empfiehlt sich eine parallele Lektüre sehr!
Der im Wienand Verlag erschienene Katalog „Museum der Museen“ dokumentiert eine gleichnamige Sonderschau des Kölner Wallraf-Richartz-Museums (11.10.2024–9.2.2025). Anlass von Ausstellung und Katalog bildete das 200. Todesjahr von Ferdinand Franz Wallraf. Vom Zeitgenossen Goethe als geradezu maßloser Sammler „ohne methodischen Geist, ohne Ordnungsliebe“ kritisiert, gilt Wallraf längst als Begründer der Kölner Museumslandschaft. Eng mit seiner Persönlichkeit verknüpft ist daher auch der im Katalog wunderbar vielschichtige Einblick in die Geschichte der Präsentation und Inszenierung von Kunst.
Unterteilt in sieben abbildungsreiche Kapitel wird in dem von Anne Buschhoff, Wulf Herzogenrath und Ricarda Hüpel herausgegebenen Band ein weiter historischer Bogen gespannt: von der Kunst- und Wunderkammer zu den geschmacksbetonten Gemäldegalerien des Barock, von den chronologischen Anordnungen im 18. Jahrhundert bis zu den progressiven Ausstellungskonzepten von Daniel Spoerri und John Cage.
Den Abschluss dieser „Zeitreise durch die Kunst des Ausstellens und Sehens“ bildet ein vielstimmiger Blick auf die Zukunft des Museums. Wo steht das Museum in zehn Jahren? Was kommt, was geht? 15 Statements aus der Museumswelt, fast durchweg zuversichtlich. Wie Ulrike Lorenz, Präsidentin der Klassik Stiftung Weimar, die sich sicher ist: „Das Museum der Zukunft ist für die Spezies Mensch unverzichtbar.“
Der Schriftsteller Paul Valéry war da offensichtlich etwas anderer Meinung. In seinem Aufsatz „Das Problem mit Museen“ (1923) erklärte er: „Ich liebe Museen nicht sonderlich. Es gibt viele, die man bewundern kann, es gibt keines, das einem Wonnen schenkte.“ Schon oft zitiert, findet man Valérys Kritik nun auch im Ausstellungskatalog sowie im Vorwort zu Julian Roses bei PA Press erschienenem Band „Building Culture“. Und nicht genug der doppelt verwendeten Quellen. Anne Buschhoff zeigt zu ihrem Katalogbeitrag „Das Kunstpublikum aus Künstlerperspektive“ ein Foto (der Bildagentur Zoonar), auf dem sich zahl-reiche Besucher des Louvre vor der Mona Lisa drängeln. Julian Rose verwendet dieselbe Abbildung für die Umschlaggestaltung seines Buches. Ein Foto, das so viele Themen dieser beiden Publikationen zusammenfasst: Sehgewohnheiten, Museumskonzepte, Raumgestaltung, Inszenierung von Events, Kulturtourismus.
Für „Building Culture“ hat Julian Rose 16 Architektinnen und Architekten mit Fokus auf ihre gebauten und geplanten Museumsprojekte interviewt. Seine Auswahl erläutert er so: „I began looking around the world for the architects who had done the most to shape the current state of art museum and those who seemed poised to have the greatest impact on its future.” Unter dieser Prämisse kommen zu Wort: David Adjaye, David Chipperfield, Elizabeth Diller, Frank Gehry, Richard Gluckman, Jacques Herzog, Steven Holl, Walter Hood, Liu Yichun, Renzo Piano, Denise Scott Brown, Kazuyo Sejima, Annabelle Selldorf, Shohei Shigematsu, Kulapat Yantrasast und Peter Zumthor. Sechs Gespräche erschienen 2017 und 2018 zunächst in der Zeitschrift „Artforum“, alle anderen sind Erstveröffentlichungen.
Der Versuch, sich architektonischen Werken über das persönliche Gespräch zu nähern, ist zwar nicht neu, funktioniert bei Julian Rose aber ausgesprochen gut. Vor allem weil der Autor seinen Interviews einen ausführlichen und fundierten Einleitungsteil voranstellt. Sein Buch ist kei-ne klassische Projektschau, sondern eine genaue Recherche der wesentlichen historischen und aktuellen Parameter des Museumsbaus. Roses Blick gilt dem Zusammenspiel von bildender Kunst und Architektur, er schaut auf Gebäudestrukturen, soziale Kontexte, auf das Möglichmachen experimenteller Formen sowie immer wieder auf die vermittelnde Position von Architekten innerhalb großer Bauvorhaben.
Mit fast allen seiner Gesprächspartnern diskutiert Rose neben der Bedeutung von Neubauten auch die vielfältigen Ansätze im Umgang mit dem Bestand. Denn gerade mit Blick auf Museen geht es natürlich auch und vor allem um Erweiterungsbauten, Sanierungen und Denkmalpflege. Hätte Julian Rose auch Emanuel Christ und Christoph Gantenbein zu ihren Museumsprojekten befragt –die Verbindung zwischen den zwei hier vorgestellten Büchern wäre perfekt gewesen. Und die beiden Basler Architekten hätten uns sicher viel erzählen können zu ihrem Erweiterungsbau für das Wallraf-Richartz-Museum.







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