Statt Polizei Stadt

Das Alte Polizeipräsidium in Frankfurt am Main soll nach gut 20 Jahren Leerstand in neuem Glanz erstrahlen. Als Straßenfront eines mischgenutzten Quartiers wird es sich behaupten müssen gegen ein 175 Meter hohes Hochhaus in zweiter Reihe.

Text: Kraft, Caroline, Berlin

    Das Areal liegt zentral an der achtspurigen Friedrich-Ebert-Allee zwischen Westend und Bahnhofsviertel.
    Foto: C4C | competence for competitions

    Das Areal liegt zentral an der achtspurigen Friedrich-Ebert-Allee zwischen Westend und Bahnhofsviertel.

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    Der neobarocke Bau, ge­sehen von der Friedrich-Ebert-Anlage. Im Hintergrund ragt der Tower 185 in den Himmel.
    Foto: C4C | competence for competitions

    Der neobarocke Bau, ge­sehen von der Friedrich-Ebert-Anlage. Im Hintergrund ragt der Tower 185 in den Himmel.

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    1. Preis Meixner Schlüter Wendt und Vogt Landschaftsarchitekten gingen behutsam mit dem zu schützenden Altbau um und entwarfen ein elegantes Hochhaus, dessen Form sie aus den Dachziegeln des Alten Polizepräsidiums ableiteten. Abb.: Verfasser

    1. Preis Meixner Schlüter Wendt und Vogt Landschaftsarchitekten gingen behutsam mit dem zu schützenden Altbau um und entwarfen ein elegantes Hochhaus, dessen Form sie aus den Dachziegeln des Alten Polizepräsidiums ableiteten.

    Abb.: Verfasser

    Abb.: Verfasser

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    2. Preis Der städtebaulich gut gesetzte Entwurf von Kleihues + Kleihues und capatti staubach sieht einen zu großen Eingriff in den Altbau vor. Es fehle der Bezug zum Kopfbau. Durchwegung, Erschließung und Raumprogramm bewerteten die Juroren positiv.
    Abb.: Verfasser

    2. Preis Der städtebaulich gut gesetzte Entwurf von Kleihues + Kleihues und capatti staubach sieht einen zu großen Eingriff in den Altbau vor. Es fehle der Bezug zum Kopfbau. Durchwegung, Erschließung und Raumprogramm bewerteten die Juroren positiv.

    Abb.: Verfasser

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    Der bauliche Fortschritt der Skyline ist durch den Hochhausentwicklungsplan festgelegt. Links: die Nutzungen zeigen blau – Schule und Kita, gelb – Büro, rot – wohnen, orange – Gastgewerbe.
    Abb.: Verfasser

    Der bauliche Fortschritt der Skyline ist durch den Hochhausentwicklungsplan festgelegt. Links: die Nutzungen zeigen blau – Schule und Kita, gelb – Büro, rot – wohnen, orange – Gastgewerbe.

    Abb.: Verfasser

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    3. Preis HPP Architekten und KRAFT.RAUM Landschaftsarchitekten schlagen ein Hochhaus vor, das laut Jury zu sehr mit dem Altbau konkurriert. Organisation und Verteilung der Baumasse seien gelungen, teils fehle aber an einigen Stellen Ausarbeitungstiefe.
    Abb.: Verfasser

    3. Preis HPP Architekten und KRAFT.RAUM Landschaftsarchitekten schlagen ein Hochhaus vor, das laut Jury zu sehr mit dem Altbau konkurriert. Organisation und Verteilung der Baumasse seien gelungen, teils fehle aber an einigen Stellen Ausarbeitungstiefe.

    Abb.: Verfasser

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    Abb.: Verfasser

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    Anerkennung gmp Architekten erhielten eine Anerkennung. Das Alte Präsidium steht in diesem Entwurf unangefochten im Mittelpunkt. Adressbildung, Orientierung im Freien und Erschließung leiden aber unter diesem Konzept.
    Abb.: Verfasser

    Anerkennung gmp Architekten erhielten eine Anerkennung. Das Alte Präsidium steht in diesem Entwurf unangefochten im Mittelpunkt. Adressbildung, Orientierung im Freien und Erschließung leiden aber unter diesem Konzept.

    Abb.: Verfasser

Statt Polizei Stadt

Das Alte Polizeipräsidium in Frankfurt am Main soll nach gut 20 Jahren Leerstand in neuem Glanz erstrahlen. Als Straßenfront eines mischgenutzten Quartiers wird es sich behaupten müssen gegen ein 175 Meter hohes Hochhaus in zweiter Reihe.

Text: Kraft, Caroline, Berlin

In Großstädten prallen Gegensätze aufeinander. In Frankfurt am Main ist das auffällig stark zu spüren. Die Wolkenkratzer-Skyline der Stadt ist für Deutschland einzigartig. Sie mit der Gründerzeitbebauung in Einklang zu bringen, ist seit Jahrzehnten eine planerische Herkulesaufgabe. Und weitere Hochhäuser sind in Planung. Im Herbst wurde ein entsprechender Wettbewerb im Gallus entschieden: Hinter dem Alten Polizeipräsidium soll ein Turm entstehen.
Das zwischen Haupt- und Güterbahnhof gelegene Gallus-Viertel ist von Industrie- und Handwerksbetrieben geprägt. Zwar entstanden ab 1900 eine Reihe von Wohnquartieren, jedoch fand umfangreiche Stadtentwicklung, ob der von Gleisen eingekeilten Lage, jahrzehntelang kaum statt. Das änderte sich, als 1996 der Hauptgüterbahnhof den Betrieb einstellte. Bürohochhäuser, Hotels, Einkaufszentren und neue Wohnviertel sind entstanden bzw. in Planung.
Das Alte Polizeipräsidium, fast vis-à-vis des Bahnhofs, blieb lange Zeit außen vor. Der neobarocke Bau von 1914 steht unter Denkmalschutz und seit 2002 weitgehend leer. Damals zog die Polizei endgültig in ihr neues Quartier im Nord­end (Kalmbacher & Ludwig und KSP Engel und Zimmermann). Zwischen Stadt und Land entbrannte ein 16-jähriger Zwist um die neue Nutzung des Baus. Verschiedene Kultur-Initiativen nutzten das Gebäude zwischenzeitlich.
2018 kaufte der Düsseldorfer Projektentwickler Gerchgroup das Grundstück für rund 212,5 Millionen Euro. Neben dem relativ gut erhaltenen Altbau befinden sich auf dem circa 15.400 Quadratmeter großen Areal ein Gebäudeteil aus den sechziger Jahren und ein Bau von Ferdinand Kramer aus dem Jahr 1935, der bereits vor Kriegsbeginn in NS-Ästhetik überformt wurde. Beide sollen einer Neubebauung weichen.
Im Januar 2020 lobte die Gerchgroup in Abstimmung mit der Stadt Frankfurt einen nichtoffenen, zweiphasigen Realisierungswettbewerb aus. 15 Architekturbüros durften teilnehmen. Ziel der Ausschreibung war ein mischgenutztes Innenstadtquartier mit bis zu 100.000 Quadratmetern oberirdischer Geschossfläche. Hinter den Altbau sollte, entsprechend des städtischen Hochhausrahmenplans von 1998, ein Hochhaus gesetzt werden. Gewünscht waren Flächen für Arbeiten und Wohnen sowie ein Hotel – das Messegelände ist zu Fuß in wenigen Minuten erreichbar. Da das Gallus Teil des Bund-Länder-Programms „Stadtteile mit besonderem Entwicklungsbedarf – die Soziale Stadt“ ist, muss berücksichtigt werden, dass ein ausreichender Anteil der Wohnflächen für den geförderten Sektor eingeplant wird. Für die angrenzende Falkschule – ebenfalls ein Kulturdenkmal – waren außerdem eine Kita, eine Turnhalle und zusätzliche Unterrichtsräume zu entwerfen. Überdies lag ein planerischer Fokus auf den Freiflächen. Der Mangel an öffentlichen Grünräumen, Spiel- und Aufenthaltsflächen ist im Gallus eklatant.
Die Erstplatzierten Meixner Schlüter Wendt und Vogt Landschaftsarchitekten schlagen einen kompakten Blockrand zur achtspurigen Friedrich-Ebert-Anlage hin vor. So entsteht ein ruhiger Innenhof, und straßenseitig werten Café und Restaurant die Lage auf. Das hinter dem Altbau platzierte Hochhaus ruht auf einem fünfeckigen Sockel. Mit 175 Metern läge es höhentechnisch im oberen Mittelfeld seiner Nachbarn. Die Jury lobte, dass an der Fassadengliederung die mischtgenutzte Typologie ablesbar sei. Den repräsentativen Charakter des Altbaus will das Team erhalten. Die Architekten planen Büro­räume, die weiterhin über das imposante Haupttreppenhaus erschlossen werden. Für Kritik sorgte der zweigeschossige Ergänzungsbau, der nicht schlüssig mit dem Bestand interagiere. Erschließung, Adressbildung und Anlieferung bargen Diskussionsstoff, ist der Raum zwischen den Bauten doch recht verschachtelt.
Platz zwei belegten Kleihues + Kleihues mit capatti staubach. Ihre geknickte Anordnung der Baukörper ergäbe ein städtebaulich stimmiges Bild, kommentierten die Juroren den Vorschlag. Ansprechend sei auch der Außenbereich mit sich aufweitender und verengender Wegführung und zwei zentralen Plätzen. Darüber, ob der im Süden liegende begrünte Teil wie geplant öffentlich zugänglich sein sollte, sind die Juroren uneins. Die für Gastronomie gedachten Erdgeschoss-Zonen hingegegen sind ihnen zu wenig öffentlich.
Das leicht geschwungene, aus zwei unterschiedlich hohen Teilen bestehende Hochhaus mit begrünter Fuge erfuhr weitgehend Zustimmung. Die Grundrisse seien verständlich und überzeugend, die Innenräume hell. Auch hier zeige die Fassadenaufteilung klar die Nutzungsaufteilung. Die am Alten Präsidium geplanten Eingrife sind den Preisrichtern aber zu massiv. Gemeint ist die frontseitige barrierefreie Erschließung über eine Hubbühne, außerdem die Anordnung zweier Erschließungskerne und der Notausgänge über die historische Fassade. Die Bezugnahme des Projekts auf den Altbau schien unzureichend.
HPP Architekten und KRAFT.RAUM. Landschaftsarchitekten, die als Drittplatzierte aus dem Wettbewerb hervorgingen, lieferten laut Jury ein überzeugendes Freiraumkonzept. Es gelänge allerdings nicht, Hochhaus und Altbau in ein harmonisches Verhältnis zu rücken. Die verschobenen Kubatur und Materialvielfalt ließen zwar keinen Zweifel an der Mischnutzung, träten jedoch zu stark mit dem Alten Präsidium in Konkurrenz. Der Wohnanteil bleibt hinter den Forderungen zurück. Bemerkenswert ist, dass hier im Alten Präsidium neben Büroräumen auch Gastronomie- und Ausstellungsflächen vorgeschlagen werden. Die erforderlichen Eingriffe an der inneren Struktur des Altbaus sind der Jury aber zu drastisch. Letztendlich müsse nämlich das Neobarock-Juwel endlich wieder die verdiente Aufmerksamkeit bekommen, ohne von einem Stahlbeton-Riesen ausgestochen zu werden.
Nichtoffener, zweiphasiger Realisierungswettberb
1. Preis
(80.000 Euro) Meixner Schlüter Wendt, Frankfurt; Vogt Landschaftsarchitekten, Zürich
2. Preis (50.000 Euro) Kleihues + Kleihues, Berlin; capatti staubach urbane Landschaften, Berlin
3. Preis (30.000 Euro) HPP Architekten, Düsseldorf; KRAFT.RAUM. Landschaftsarchitektur und Stadtentwicklung, Krefeld
Anerkennung (16.000 Euro) gmp Architekten, Hamburg; Ramboll Studio Dreiseitl, Hamburg
Teilnehmer kadawittfeldarchitektur, Aachen, mit GREENBOX Landschaftsarchitekten Hubertus Schäfer + Markus Pieper, Köln; Max Dudler, Berlin, mit Atelier Loidl Landschaftsarchitekten, Berlin; B & V Braun Canton Park Architekten, Frankfurt, mit Sommerlad Haase Kuhli Landschaftsarchitekten, Giessen; Allmann Sattler Wappner Architekten, München, mit Latz & Partner, Kranzberg; Störmer Murphy and Partners, Hamburg, mit GHP Landschaftsarchitekten, Hamburg; UNStudio Van Berkel en Bos BV, Amsterdam, mit TOPOTEK 1 Gesellschaft von Landschaftsarchitekten, Berlin; KSP Engel, Frankfurt, mit FSWLA Landschaftsarchitektur, Düsseldorf; ATP Frankfurt Planung, Frankfurt, mit GDLA, Gornik Denkel Landschaftsarchitektur, Heidelberg; HENN, Berlin, mit WES Landschaftsarchitektur, Hamburg; Zaha Hadid Architects, London, mit
Valentien + Valentien, Landschaftsarchitekten und Stadtplaner, München; KCAP Architects&Planners + CLARC Architekten, Zürich, mit Studio Vulkan Landschaftsarchitektur, München/Zürich

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