Schmeckt der digitale Sommer?

Kaye Geipel blickt auf die blühenden Kastanienbäume vor dem Fenster und fordert, den ungewöhnlichsten deutschen Architektursommer nicht zu verschlafen.

Text: Geipel, Kaye, Berlin

Kaye Geipel blickt auf die blühenden Kastanienbäume vor dem Fenster und fordert, den ungewöhnlichsten deutschen Architektursommer nicht zu verschlafen.

Kaye Geipel blickt auf die blühenden Kastanienbäume vor dem Fenster und fordert, den ungewöhnlichsten deutschen Architektursommer nicht zu verschlafen.


Schmeckt der digitale Sommer?

Kaye Geipel blickt auf die blühenden Kastanienbäume vor dem Fenster und fordert, den ungewöhnlichsten deutschen Architektursommer nicht zu verschlafen.

Text: Geipel, Kaye, Berlin

Ein Architektursommer als digitaler Cocktail? Mehr als eine Schnapsidee? Den aufregenden Start macht gerade Kopenhagen. Dort gibt es seit dem Wochenende ein Non-Stop-Start-Programm zum dänischen Architekturfestival. Ein von roten Tapes zerteilter Bildschirm präsentiert Auftritte im 10 Minuten-Rhythmus, ganz ohne Lobhudelei auf die dänische Architekturpolitik. Autoren kritisieren die offizielle Stadtpolitik, Architekten sprechen vom Balkon aus über ihre Erweckungsbücher. Selbst wer nur zufällig reinrutscht, bleibt ohne Mühe hängen. Ich träume für einen kurzen Moment in meiner Homeoffice-Küche und denke an das zurückliegen­de Drama um die Besetzung der Berliner Bauakademie. Was wäre das für ein Spaß, wenn es bereits eine Direktorin gäbe, die vom Küchentisch aus funken und die lethargische städtische Wohnungspolitik Woche für Woche mit neuen Veranstaltungsformaten vor sich her treiben würde! Rutschen wir in Deutschland gerade in einen krisenfesten Defensiv-Status, während uns – siehe Beitrag rechts –, die spanischen Kollegen vormachen, wie man in Coronazeiten mit Witz und Schärfe über die Zukunft der Stadt nachdenkt? Nein, es gibt sie auch bei uns, die engagierten Aufreger, die den Status quo aus­einandernehmen.
Die IBA Stuttgart zum Beispiel setzt gerade ein groß angelegtes Programm zum Fluss auf. Kennt jemand jenseits der Stuttgarter Stadtgrenzen den Neckar? Ein Gewässer, das den Vergleich mit der bayrischen Schwester – Stichwort Isarmetropole – nicht scheuen müsste? Fehlanzeige, die Schwaben haben verschlafen. Die IBA unter ihrem umtriebigen Zü­richer Direktor Andreas Hofer will das jetzt mit dem Aufruf: „Der Fluss gehört allen!“ ändern. Mutiges ist auch aus dem Saarland zu hören. Dort ist ein ambitioniertes Team dabei, eine IBA in der Großregion aus der Taufe zu heben. Ein ungünstigeren Startpunkt hätten sich die Macher unter der Leitung von Stefan Ochs nicht aussuchen können. Doch sie lassen sich nicht beirren und holen die französische Seite mit ins Boot. Recht haben sie. Wann, wenn nicht jetzt den unfreiwilligen Stillstand nutzen und neue regionale, städtebauliche und wohnungspolitische Initiativen unter die Leute bringen?

0 Kommentare


Ihr Kommentar







loading
x
loading

11.2020

Das aktuelle Heft

Bauwelt Newsletter

Immer Freitags: das Wichtigste der Woche. Dazu: aktuelle Jobangebote, Auslobungen und Termine.