Ordnungswidrigkeit und Selbstregulation

Josepha Landes sitzt mittlerweile mit Regenschirm im Biergarten und plant – sicherheitshalber – das Ende fröhlicher Abende für 22 Uhr

Text: Landes, Josepha, Berlin

Josepha Landes sitzt mittlerweile mit Regenschirm im Biergarten und plant – sicherheitshalber – das Ende fröhlicher Abende für 22 Uhr

Josepha Landes sitzt mittlerweile mit Regenschirm im Biergarten und plant – sicherheitshalber – das Ende fröhlicher Abende für 22 Uhr


Ordnungswidrigkeit und Selbstregulation

Josepha Landes sitzt mittlerweile mit Regenschirm im Biergarten und plant – sicherheitshalber – das Ende fröhlicher Abende für 22 Uhr

Text: Landes, Josepha, Berlin

Gott sei Dank ist der Sommer jetzt vorbei. Das in lauen Nächten durch hölzerne Doppelfenster Berliner Altstadtlagen, etwa in Friedenau oder Schöneberg, eindringende Freudenmurmeln von Restaurantfreisitzen vermieste schließlich an Frischluft-bedürftigen 30-Grad-Abenden dem ein oder anderen anrainenden Wohneigentümer die Laune. Da wurde mitunter in letzter Not und mit strahlkräftiger Gießkanne über die Balkonbrüstung hinweg das Steak mitsamt Frittes vom Teller der Gäste gespült, der Wein aus bester Lage bis zur Unkenntlichkeit verdünnt.
Das ist das Gute Recht des Kleinen Bürgers. Immerhin sah er so manchmal über Zu-Hilfe-Rufen ganzer Polizeigeschwader nach 22 Uhr hinweg. An anderen Abenden nicht. Zeternde Kellner und bedauernde Weinbüdchenbetreiber ließ dieser Sommer zurück. Und am Nachbartisch verdutzte Holländer. Endlich macht er sich aus dem Staub.
Apropos Staub! Da hätte ich auch Klärungsbedarf. An meinem Nachbarhaus wird nämlich auch jetzt im Herbst noch gebaut. Hier entstehen Luxusapartments. Bislang gefiel mir der Wildwuchs an der Fassade, die liebevolle Kleingärtnerei zwischen Sockel und Gehsteig. Die aktuellen Baumaßnahmen erstrecken sich zwar nie bis nach 22 Uhr, dafür allerdings kraxeln die Handwerker auch am Wochenende übers Gerüst, tünchen und schmirgeln.
Die Jungs aus Polen sind dabei nicht laut, aber ordentlich Staub wirbeln sie auf. Mein Fahrrad sieht echt aus wie Sau. Nun interessiert mich: Dürfte ich wohl das Immobilienunternehmen bitten, sie mit einer Gießkanne ausgestat­tet loszuschicken, den weißen Film von meinem an sich so elegant schwarzen Rahmen zu spülen? Ich wäre auch einverstanden, wenn sie das nach 22 Uhr täten, ich kühlte ihnen ein Bier.

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