Markendynamik

Cobes Ausstellung „Our Urban Living Room“ bringt einen Hauch von Kopenhagen in die Berliner Galerie Aedes

Text: Landes, Josepha, Berlin

    Foto: Rasmus Hjortshøj/Cobe

    Foto: Rasmus Hjortshøj/Cobe

    Das Holzgerüst wurde vor vier Jahren das erste Mal im DAC in Kopenhagen aufgebaut, dann in Helsinki, jetzt in Berlin.
    Foto: Rasmus Hjortshøj/Cobe

    Das Holzgerüst wurde vor vier Jahren das erste Mal im DAC in Kopenhagen aufgebaut, dann in Helsinki, jetzt in Berlin.

    Foto: Rasmus Hjortshøj/Cobe

    The Library, Nørreport Sta­tion und der Frederiksvej Kindergarten in Kopenhagen
    Foto: Rasmus Hjortshøj/Cobe

    The Library, Nørreport Sta­tion und der Frederiksvej Kindergarten in Kopenhagen

    Foto: Rasmus Hjortshøj/Cobe

    Foto: Rasmus Hjortshøj/Cobe

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Markendynamik

Cobes Ausstellung „Our Urban Living Room“ bringt einen Hauch von Kopenhagen in die Berliner Galerie Aedes

Text: Landes, Josepha, Berlin

Am Pfefferberg spicken nordische Hölzer einen Altberliner Backsteinraum. Die Architekturgalerie Aedes hat noch bis Ende April eine Ausstellung aus Kopenhagen zu Gast: „Our Urban Living Room“ von Cobe. Dass die Kopenhagener Architekten ihre Stadt als Wohnzimmer verstehen, zeigt sich an vielen ihrer Projekte – vom jüngst fertiggestellten Karen Blixens Plads, der Fahrradgaragen und Auditorium spielerisch über eine gewölbte Decke aus gelbem Ziegel verbindet, über Bibliotheksbauten in den sozial komplexen Vierteln Tingbjerg und Nørrebro, bis hin zum luxuriösen Wohnhochhaus „The Silo“ im neuen Stadtteil Nordhavn, für den sie auch den Mas­terplan zeichneten. Was Cobes Architektur ausmacht, sind nicht die großen Gesten, die sie durchaus auch tätigen, sondern das darin verborgene Naheliegende, die Reduktion der Lösung und das Belassen von Zwischenräumen, in denen die Nutzer innerhalb einer maßvoll gestalteten Umgebung ihrem Alltag nachgehen.
Die Art, wie sie nun in Aedes ihre Projekte präsentieren, kommt diesem Anspruch nur ansatzweise nach – man hat es sich ein wenig einfach gemacht. Ein Holzgerüst füllt den mehr hoch als weit sich spannenden Ausstellungsraum. Im Inneren dieses hölzernen Turms lässt sich auf ein paar Stufen verweilen. Eine Auswahl von Projekten wird außen und innen an diesem Gerüst verteilt präsentiert: Nørreport Station, Paper Island, Fredriksvej Kindergarten, Israels Plads et cetera. Zweifelsohne sind dabei die Modelle, Fotografien, Grafiken und Texte aussagekräftig und gut verständlich. Die Ausstellung lohnt den Besuch für jene, die Cobe und Kopenhagen noch kaum kennen. Ist das jedoch anders, so nagt die Enttäuschung. Denn das Konzept der Schau und ihre Bilder sind nicht neu. Zum ersten Mal war Our Urban Living Room 2016 im Dänischen Architekturzentrum (DAC) zu sehen. Ein ebensolches Holzgerüst durchwebte dort dunkelbraunesHolzfachwerk. Begleitend gab es dazu ein Buch, das ganz in Blau daherkommt und ein echter Schmöker ist. 2018 gastierte das Holzgeflecht in Helsinki.
Nun ist die Weiterverarbeitung von Ausstellungen gängige Praxis; auch die Beibehaltung einer einprägsamen Form dabei Gang und gäbe – so geht Marketing. Allerdings: Cobe sind eines jener Büros, denen man zutraut, ja, von denen man vielleicht sogar erwartet, dass sie überraschen. Mit der Holzkonstruktion, die noch dazu keine wirklich architektonische Fügung aufweist, die bloßes Tacker-Werk hält, füllen sie zwar den Raum, allein sie füllen nicht das Raster selbst. Was könnte noch passieren im Rahmen dieser Streben? Warum etwa bleiben wir am Boden, wo doch der Raum in Berlin so viel mehr hergäbe?
Inhaltlich ist es bedauerlich, dass die Projekte keine Aktualisierung erfahren. Es sind immerhin vier Jahre seit der Premiere vergangen, inzwischen ist manches Projekt fertiggestellt, das noch in der Planung gezeigt wird; manches Gebäude in voller Nutzung, das noch immer im schlüsselfertig cleanen Zustand abgebildeten ist; und Cobe stehen mit gänzlich neuen Pro­jekten in den Startblöcken. So dynamisch die­ses Büro ist, sollte eine Auffrischung von Schau zu Schau drin sein. Ihre Projekte haben das Bild von Kopenhagen, wie wir die Stadt heute kennen geprägt – jung, ergänzungsfreudig, offen für Experimente in der Aneignung des Stadtraums. Warum zeigen die Architekten uns nicht, was Berlin in dieser Hinsicht von Kopenhagen lernen kann? – So heißt es schließlich im Untertitel: „Learning from Copenhagen“. Bedauerlich, dass keinem in dieser Frage mehr als der Verweis auf Fahrradfreundlichkeit zu entlocken ist. Selbstdie Eröffnungsreden nutzten die Gelegenheit nicht, etwas weiter auszuholen.
Cobes Urban Living Room im Aedes ist eine schön anzusehene Ausstellung. Eine Überraschung aber gelingt mit ihr nicht. Es wäre schade, wenn, wie hier gesehen, das Prinzip des blauen Buchs zur Marke verkäme und Cobe sich allzu sehr auf Lorbeeren ausruhten.

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