Fußballhimmel

Therese Mausbach spielt Fußball in einem Kreuzberger Verein, der sich für mehr Sichtbarkeit und Toleranz von Frauen, Lesben und Transgender stark macht.

Text: Mausbach, Therese, Berlin

Therese Mausbach spielt Fußball in einem Kreuzberger Verein, der sich für mehr Sichtbarkeit und Toleranz von Frauen, Lesben und Transgender stark macht.

Therese Mausbach spielt Fußball in einem Kreuzberger Verein, der sich für mehr Sichtbarkeit und Toleranz von Frauen, Lesben und Transgender stark macht.


Fußballhimmel

Therese Mausbach spielt Fußball in einem Kreuzberger Verein, der sich für mehr Sichtbarkeit und Toleranz von Frauen, Lesben und Transgender stark macht.

Text: Mausbach, Therese, Berlin

Wieder ist es schon etwas später am Nachmittag, ich erreiche aber noch rechtzeitig den Info-Point des Profi-Baumarkts in Berlin-Kreuzberg, jetzt im November mit 1000-flammiger Lichterkette „Snake Light“ dekoriert. Die Serviceperson in Rot und Weiß meint, die Tür zur Stahltreppe sei bereits offen. An den Gartencenter-Töpfen und an den Säcken mit Dünger vorbei geht es nach oben. Unser Team pumpt gerade die Bälle auf. Eigentlich geht nie einer verloren, denn die Umzäunung des Spielfelds auf dem Dach des Baumarkts ist sicherlich acht Meter hoch. Nur einmal flog ein Ball in hohem Bogen hinaus in Richtung Yorckstraße und blieb verschwunden. Bei Kälte ist der Atem zu se­hen, manche trinken dann Tee aus der Thermoskanne, andere genießen zur Erfrischung das kühl gewordene Wasser. Dick eingepackt ist die Freude am Spiel in unserer festen Gemeinschaft auch im Winter groß, denn wir sind in unserer eigenen Welt, blicken befreit von der täglichen Last auf mächtige Baumkronen, Kirchtürme und in den Himmel. Manchmal verlassen wir Kreuzberg und spielen am Ostbahnhof, nehmen die Treppe auf das Dach zum „Fußballhimmel“ des Metro-Markts und lassen den Ball rollen. Doch aktuell bleiben dort die Flutlichter aus unerfind­lichen Gründen aus. Blickt man nun an den Golf, ins Emirat Katar, spielt „Mann“ in den nächs­ten Wochen nicht auf, sondern unter dem Dach – ohne frische Luft und voll klimatisiert in einem Land, das Klimaneutralität ganz gut findet, aber noch für viele Jahrzehnte nicht nur kostbars­-tes Flüssiggas unter seinem Wüstensand lagert.

Die acht luxuriösen Stadien sind technisch voll ausgestattet, architektonisch schwungvoll und konstruktiv partiell demontierbar, da man so viele Stadien in dem Land, das etwas kleiner ist als Schleswig-Holstein, nicht braucht. Das wird es bei einer WM nie wieder geben. Z
wei Fußballwelten: Die ganz große Nummer in einer kommerziellen, weitgehend abgeschirmten Glocke am Golf und wir, die Freizeitligisten in Blau und Weiß ohne WM-Fieber aber mit kaum zu bremsender Spielfreude über der Stadt. Im Gegensatz zu den bald schon deinstallierten Katar-Stadien brauchen wir viel mehr solcher Orte großer Einfachheit auf den Flachdächern, an der frischen Luft, um in die zugegebenermaßen etwas kleineren Tore zu treffen.

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