Bauwelt

Olaf Scholz und sein Pavillon

Wenn der Bundeskanzler an seinem Schreibtisch sitzt, umgeben ihn Architekturfotos. Ein Grund ihn zu fragen, warum er sie seit Jahren in seine Büros mitnimmt. Was Olaf Scholz an Architektur und Stadtplanung interessiert, deutet er nur an.

Text: Redecke, Sebastian, Berlin; Spix, Sebastian, Berlin

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    Olaf Scholz im Bundeskanzleramt mit Blick ...
    Foto: Bundesregierung/Steffen Kugler

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    ... auf die Fotos vom Deutschen Pavillon auf der Expo 1958 – dem Geburtsjahr des Kanzlers.
    Foto: Bundesregierung/Steffen Kugler

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    ... auf die Fotos vom Deutschen Pavillon auf der Expo 1958 – dem Geburtsjahr des Kanzlers.

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    Bereits seit seiner Zeit als Bundesarbeitsminister (2008) bis heute im Kanzleramt ...
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    ... hängen die Bilder an den Wänden von Olaf Scholz' Büros.
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    Die Schwarz-Weiß-Motive hängen im Blickfeld vom langen Sitzungstisch ...
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    ... dem Schreibtisch des Bundeskanzlers ...
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    ... sowie einer Sitzgruppe.
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    ... sowie einer Sitzgruppe.

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Olaf Scholz und sein Pavillon

Wenn der Bundeskanzler an seinem Schreibtisch sitzt, umgeben ihn Architekturfotos. Ein Grund ihn zu fragen, warum er sie seit Jahren in seine Büros mitnimmt. Was Olaf Scholz an Architektur und Stadtplanung interessiert, deutet er nur an.

Text: Redecke, Sebastian, Berlin; Spix, Sebastian, Berlin

Herr Bundeskanzler, seit Ihrer Zeit als Bundesarbeitsminister bis heute im Kanzleramt hängen im Blickfeld Ihres Schreibtischs Schwarzweiß-Fotografien, die den deutschen Pavillon auf der Brüsseler Weltausstellung aus dem Jahr 1958 zeigen, erbaut von den Architekten Sep Ruf und Egon Eiermann. Wie kam es zu dem Erwerb dieser Fotografien?
Olaf Scholz Als Bundesarbeitsminister hatte ich mein Büro im Gebäude des früheren Reichspropagandaministeriums von Joseph Goebbels, in dem sich heute bekanntlich das Bundesministerium für Arbeit und Soziales befindet. Der Bau stammt aus der NS-Zeit mit ihrem grässlichen Mo­numentalismus. Mir war es wichtig, diesem autoritären Baustil eine demokratische und moderne Erwiderung entgegenzustellen – eben mit den Aufnahmen des deutschen Pavillons der Weltausstellung von 1958: ein lichtdurchfluteter Pavillon mit großen Glasflächen, der für Transparenz nach innen und außen sorgt und für Offenheit und Demokratie steht. Die Fotografien entdeckte ich 2008 in München, in einer Ausstellung der Pi­nakothek der Moderne.
Während auf der Pariser Weltausstellung 1937 ein riesiger neoklassizis­tischer Turm Deutschland repräsentierte, steht der Brüsseler Bau für Transparenz und Harmonie. Er ist eine Art Antithese zu Albert Speers Repräsentationsarchitektur des Nationalsozialismus in Paris. Symbo­lisiert für Sie der Brüsseler Pavillon die Politik des mutigen Aufbruchs in eine neue Zeit und sind die Fotografien deswegen für Sie nun auch an Ihrem jetzigen Schreibtisch von Bedeutung?
Die Bilder sind – wie ich – weitergereist. Sie begleiteten mich in die Hamburger Senatskanzlei und dann auch ins Bundesministerium der Finanzen. Noch so ein schrecklicher NS-Bau, der als Reichsluftfahrtministerium von Hermann Göring in den 1930ern entstand. Und jetzt hängen sie im Kanzleramt. Das Kanzleramt ist ein modernes, offenes, demokratisches Gebäude. Es hat gewissermaßen die gleiche Ausstrahlung wie der Pavillon von Sep Ruf und Egon Eiermann. Hier sind die Bilder für mich daher ein Zeichen dafür, dass sich offene demokratische Architektur mit der Zeit auch wandelt und heute nicht mehr so aussieht wie in den 1950er Jahren.
Die Architekten Ruf und Eiermann hatten ihren weitgehend offenen Pavillon für Brüssel demontierbar geplant, leider wurde er letztendlich verschrottet. Lässt sich für Sie heute aus dem Akt „architektonischer Diplomatie“ des Pavillons von 1958 noch zusätzlich etwas lernen?
Es geht um demokratische Architektur – dabei sollten wir bleiben. Wenn wir öffentliche Gebäude bauen, sollten sie den Charakter unseres Landes ausstrahlen.
Nach den Konsultationen mit dem Präsidenten Brasiliens Lula da Silva am 30. Januar dieses Jahres war es Ihr Wunsch einen Blick auf die Hauptstadt Brasília von Lúcio Costa und Oscar Niemeyer zu werfen. Die neue, visionäre Hauptstadt entstand zeitgleich mit dem Brüsseler Pa­villon. Trifft es zu, dass Sie ein besonderes Interesse für die mutigen, visionären Planungen der damaligen Zeit haben?

Ich interessiere mich für Architektur – als interessierter Laie. Gute Architektur fügt sich in die Stadtkulisse ein und entwickelt sie weiter. Ich war sehr neugierig auf Brasília, die Stadt ist ja in den 1950er Jahren auf dem architektonischen Reißbrett konzipiert worden. Mein Fazit nach dem Besuch: Ich fand die von Costa und Niemeyer geplante Stadt mit ihren verschiedenen Gebäuden und Funktionen überzeugender und in manchen Details auch interessanter, als ich es erwartet hatte. Ihre Struktur ist auch Jahrzehnte später sehr lebendig. Mein Gang durch einige Stadtteile hat mir gezeigt, wie sehr sich das Leben der Architektur bemächtigt. Das war spannend.
Als Erster Bürgermeister in Hamburg haben Sie nicht nur den Wohnungsbau in der Hansestadt deutlich vorangetrieben, sondern auch für eine zuverlässige Fertigstellung der Elbphilharmonie gesorgt. Welche Prämissen sind nach Ihrer Meinung insgesamt für die architektonischen Planungen in einer Großstadt wichtig?
Große Städte brauchen Dichte. Sie brauchen Räume und Plätze des Austausches. Gute Architektur bezieht sich immer auch auf die Umgebung. Deshalb ist es auch wichtig, dass bei größeren Stadtentwicklungsvorhaben unterschiedliche Architekten zum Zuge kommen, um die Lebendig­-keit gewachsener Städte widerzuspiegeln.
Welche Bauwerke neben dem Brüsseler Expo-Pavillon haben für Sie im beruflichen oder privaten Leben bleibende Erinnerungen hinterlassen und faszinieren Sie immer wieder neu?
Das Bundeskanzleramt fasziniert mich als Bau, da entdecke ich immer wieder auch interessante Blickachsen und Einblicke. Mir gefällt es überhaupt, wie städtebaulich mit der Fläche umgegangen wurde, auf der jetzt die Gebäude des Bundestags und das Kanzleramt stehen. Viele spazieren am Spreeufer entlang, nutzen auch die Freiflächen zum Verweilen, Gucken und um sich miteinander auszutauschen. Das ist ein klarer demokratischer Gegenentwurf zu den größenwahnsinnigen Plänen, die Adolf Hitler und Albert Speer für Berlins Mitte seinerzeit hatten. Quer zu deren geplan­-ter gigantomanischer Paradestraße verläuft jetzt das „Band des Bundes“.
Fakten
Architekten Ruf, Sep (1908–1982); Eiermann, Egon (1904–1970)
aus Bauwelt 8.2023
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