Alles so lieb hier

Kaye Geipel freut sich über die neue Straßennutzung und ärgert sich über Versuche, Stadtquartiere für Außenstehende zu sperren.

Text: Geipel, Kaye, Berlin

Kaye Geipel freut sich über die neue Straßennutzung und ärgert sich über Versuche, Stadtquartiere für Außenstehende zu sperren.

Kaye Geipel freut sich über die neue Straßennutzung und ärgert sich über Versuche, Stadtquartiere für Außenstehende zu sperren.


Alles so lieb hier

Kaye Geipel freut sich über die neue Straßennutzung und ärgert sich über Versuche, Stadtquartiere für Außenstehende zu sperren.

Text: Geipel, Kaye, Berlin

Deutschland hat beim Verkehr die Nase vorn. Diesen schönen Satz glaubt inzwischen auch in den weich gepolsterten Vorstandsrestaurants der Autozentralen in Wolfsburg, Stuttgart und München niemand mehr. Wenn heute das ausgeklügeltste deutsche Ingenieurs-Know-How vor allem in SUVs zum Preis einer Vorstadtvilla fließt, dann stimmt etwas nicht mit dem Autoland. Dabei wird die Zukunft des weltweiten Verkehrs nach wie vor in Deutschland diskutiert. Das Weltverkehrsforum ITF, globaler Thinktank und eine Art Davos der Verkehrsplaner, tagt seit 2008 jedes Jahr in Leipzig. In diesem Jahr fiel das Forum coronabedingt ins Wasser. Veröffentlicht wurde aber ein interessanter Bericht mit Untersuchungen aus über 50 Ländern. Corona, so die erste Erkenntnis, hat die Verkehrsverbindungen in allen Ländern brutal abstürzen lassen. Zweitens, jetzt kommt die positive Botschaft, gibt es in vielen Städten eine nie gekannte Bereitschaft, die innovativen Verkehrsplaner endlich machen zu lassen, was sie immer tun wollten. An jeder Straßenecke ploppen neue Fahrradwege auf, es gibt Shared Space Areale, bunte Fahrbahnen für unterschiedliche Verkehrsteilnehmer, dicht begrünte Boulevards etc. Die Monostruktur der modernen Straße mit ihrer Raumverschwendung ändert sich, das Auto wird zurückgestuft als Teilnehmer unter vielen. Dass die improvisierte Bepollerung der neuen Fahrradwege – so die Beobachtung aus Berlin – auch zu einer gruseligen Attacke auf jede Form von ästhetischer Straßenraumgestaltung geworden ist, dass die frisch aufgestellten Schilderwälder zur Lenkung der Verkehre jede Form von Plakatwerbung wie Renaissancemalerei aussehen lassen, sei für den Augenblick geschenkt. Eines allerdings ist nicht zu akzeptieren: die um sich greifende Manie, ganze Stadtquartiere für den Durchgangsverkehr, also fürs Auto, komplett zu sperren. Zur Stadt gehören die ausgehandelten Konflikte. Wenn die innerstädtischen Stadtviertel nur noch für den Fahrradflaneur und die ansässigen Bewohner offen stehen, dann stirbt der eh schon massiv bedrohte Handel und die Stadt zerfällt in kuschelige Wagenburgen und Wohlfühlzonen.

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