Bauwelt

Tammela-Stadion in Tampere


Das Tammela-Stadion macht Fußball auf eine neue Weise zugänglich. JKMM Architects stellen die Größe des Stadions nicht aus, sondern lassen sie im Stadtgefüge Tamperes verschwinden.


Text: Vartola, Anni, Helsinki


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    Das Fußballstadion ist Teil eines 50.000 Quadratme-ter großen Blocks aus acht miteinander verbundenen Parzellen, darunter auch fünf Wohngebäude, ein Einkaufszentrum und Parkplätze.
    Foto: Tuomas Uusheimo

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    Das Fußballstadion ist Teil eines 50.000 Quadratme-ter großen Blocks aus acht miteinander verbundenen Parzellen, darunter auch fünf Wohngebäude, ein Einkaufszentrum und Parkplätze.

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    Die ziegelverkleideten Wohngebäude öffnen sich an den Längsseiten des Stadions zum Straßenraum.
    Foto: Tuomas Uusheimo

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    Die ziegelverkleideten Wohngebäude öffnen sich an den Längsseiten des Stadions zum Straßenraum.

    Foto: Tuomas Uusheimo

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    Von jedem Sitzplatz im Stadion ...
    Foto: Hannu Rytky

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    Von jedem Sitzplatz im Stadion ...

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    ... besteht eine uneingeschränkte Sicht ...
    Foto: Hannu Rytky

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    ... besteht eine uneingeschränkte Sicht ...

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    ... auf das gesamte Spielfeld.
    Foto: Hannu Rytky

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    ... auf das gesamte Spielfeld.

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    Die Tribünen sind stützenfrei ausgeführt, die Verbindungen der Endüberdachungen ermöglichen Bewegung.
    Foto: Hannu Rytky

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    Die Tribünen sind stützenfrei ausgeführt, die Verbindungen der Endüberdachungen ermöglichen Bewegung.

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    Die Vielseitigkeit des Stadions verkürzt die Nutzungszeiten und bietet Funktionen für eine breite Nutzergruppe.
    Foto: Tuomas Uusheimo

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    Die Vielseitigkeit des Stadions verkürzt die Nutzungszeiten und bietet Funktionen für eine breite Nutzergruppe.

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    Die Kubatur der Wohngebäude ermöglicht ein vielfältiges Wohnungsangebot, ...
    Foto: Tuomas Uusheimo

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    Die Kubatur der Wohngebäude ermöglicht ein vielfältiges Wohnungsangebot, ...

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    ... die oberen Geschosse bieten Ausblicke in alle Richtungen.
    Foto: Tuomas Uusheimo

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    ... die oberen Geschosse bieten Ausblicke in alle Richtungen.

    Foto: Tuomas Uusheimo

Im Laufe der Zeit haben Sportstätten eine Symbolik entwickelt, die über ihre eigentliche Funktion hinausgeht. Selbst in der modernen Ära – und heute sogar mehr als je zuvor – verkörpern sie kulturelle Stärke, Stolz, Wohlstand und Kompetenz, während sie zugleich die außergewöhnlichen Fähigkeiten des menschlichen Körpers feiern. Im heutigen Kontext, in dem Sportereignisse zu umfassendem Entertainment geworden sind, sind Sportstätten wichtige Austragungsorte für eine Vielzahl von Massenveranstaltungen. Diese Entwicklung ist jedoch zunehmend problematisch, wenn man die Kosten für Landnutzung und Bau, die wachsende Konkurrenz durch des Live-Streamings, Umweltbedenken hinsichtlich der Zugänglichkeit und des Verkehrs sowie Sicherheitsbedenken für die aufgeregten Zuschauer in Betracht zieht.
Vor diesem Hintergrund stellt sich die Frage, welche architektonische Relevanz das preisgekrönte Tammela-Stadion hat, das keine beeindruckende Exuberanz ikonischer Sportarchitektur zur Schau stellt, sondern als eher unscheinbare Struktur im städtischen Gewebe der finnischen Stadt Tampere steht. JKMM Architects haben es mit außergewöhnlicher Leichtigkeit und unaufdringlich, gleichwohl großzügig verstanden, eine Reihe von widersprüchlichen Zielen und Einschränkungen zu vereinen.

Schwebend

JKMM Architects begannen bereits 2014 mit der Bearbeitung, als sie einen geladenen Wettbewerb der Stadt Tampere, des Fußballverbands von Finnland und des Bauunternehmens Lemminkäinen Oy gewannen. Damals bestand die Aufgabe darin, eine Lösung zu finden, um das bestehende Tammela-Fußballfeld in eine hochwertige Fußballarena für 6000–7000 Zuschauer umzubauen, wobei die übrigen Entwicklungen auf dem Gelände den Bau des Stadions finanzieren sollten.
Da das Gelände des in die Jahre gekommenen, aber beliebten Tammela-Fußballfeldes in einem zentralen Wohngebiet lag, hob der Wettbewerb das Potenzial des Projekts zur städtischen Erneuerung hervor ebenso wie die Anpassung der Entwürfe an das bestehende Stadtbild sowie deren Nutzung als öffentliche Freizeitflächen für die Anwohner. Der Ansatz von JKMM war es, die Größe des Stadions nicht hervorzuheben, sondern sie zu verbergen. Die neuen Gebäudevolumen wurden entlang der beiden Straßen positioniert, die das Fußballfeld längsseitig begrenzen. Entlang der anderen Seiten erstrecken sich zusätzliche Tribünen, deren Gliederung durch transparente, brückenartige Strukturen erreicht wurde, die mit monumentalen, schwebenden Bögen überspannt sind. Auf diese Weise gelingt dem Projekt der doppelte Effekt, sich in sein Umfeld einzufügen und sichtbar zu bleiben.

Sportstätte mit mehr

Als das Projekt 2024 abgeschlossen war, war es zu einer hybriden Großentwicklung herangewachsen, die nicht nur ein erstklassiges UEFA-4-Kategorie-Fußballstadion für 8000 Zuschauer – erweiterbar auf 15.000 Plätze für Konzerte und andere Veranstaltungen – beinhaltete, sondern auch kommerzielle Dienstleistungen, fünf Wohnblocks, ein Bürogebäude, ein Einkaufszentrum und Parkplätze. Das Stadion wurde durch einen Vertrag zwischen der Stadt und dem Bauunternehmer realisiert, während die Gebäude durch ein komplexeres, integriertes Programmbildungsteam zwischen der Stadt und zwei Entwicklern umgesetzt wurden. Dennoch blieb die ursprüngliche architektonische Idee intakt.
Auch wenn die Fassaden der Wohngebäude das bereits von anderen Projekten bekannte Design von JKMM Architects mit zufällig verteilten Öffnungen auf einer weißen, leicht gewölbten Oberfläche wiederholen und die Lebensqualität mit dem Lärm der Spiele fraglich sein könnte, bleibt die neue Stadionentwicklung dennoch ein architektonischer Triumph. Sie balanciert den Rhythmus und den Maßstab zwischen dem rasterbasierten Viertel Tammela und dem aufgelockerten Kaleva in der Umgebung, belebt die Straßenlandschaft sowohl mit Kohärenz als auch mit Einblicken in das Stadion und orchestriert die Massen, die verblüffend flüssig zwischen den Blocks zum Stadion und wieder zurückgeleitet werden. Der Prunk liegt nicht in der architektonischen Form dieser beeindruckenden Struktur: Es ist, als ob das Stadion immer schon da gewesen wäre, nur dass es nun als Teil der Stadt sei-ne Zentralität offenbart und die Stadtplanung dasPotenzial erkannt hat, Sportstätten neben anderen Funktionen unterzubringen.

Hip und belebend

Seit JKMM Architects 1998 mit dem Gewinn des offenen Architekturwettbewerbs für die Turku Main Library ihr Büro eröffneten, stechen ihre Projekte im öffentlichen Bauen und bei der städtischen Nachverdichtung hervor. Wir sehen das in Turku, wo die minimalistische Bibliothek mühelos in eine kleine Lücke eingefügt wurde, ohne die strahlende Grandeur einer Kulturinstitution zu opfern (Bauwelt 41–42.2013). Wir sehen es im Amos Rex Art Museum (2018) im Herzen von Helsinki, wo die aus dem Boden ragenden Kuppeln und tentakelartigen Laternen der unterirdischen Galerien aus einem alten Busdepot einen aufregenden, dreidimensionalen urbanen Platz geschaffen haben – und gleichzeitig den denkmalgeschützten Lasipalatsi-Bazar wieder hip gemacht haben. Wir sehen es an ihrem Umbau der Kirkkonummi Main Library „Fyyri“ (2020), der zwischen einem abweisenden kommerziellen Konglomerat und einer mittelalterlichen Steinkirche die 1984 erbaute Bibliothek zu einem multifunk-tionalen Gemeinschaftszentrum umgewandelt hat, mit dem zugleich auch das zerstückelte Stadtbild gekittet wurde. Dieses Projekt brachte JKMM Architects im Jahr 2021 den ersten Finlandia-Preis für Architektur ein; das Tammela-Stadion ihren zweiten. JKMM Architects gestikulieren nie um der Architektur willen, sondern nutzen Architektur zweckmäßig, restaurativ und zugleich belebend.
Übersetzung aus dem Englischen: my



Fakten
Architekten JKMM Architects, Helsinki
Adresse Tammelankatu 25, 33500 Tampere, Finnland


aus Bauwelt 2.2026
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