Bauwelt

École de Musique, Danse et Théatre in Sallanches


Die École de Musique, Danse et Théatre am Fuß des Mont Blanc-Massivs in Sallanches verbindet sportliche und musische Betätigung. Aus der Zusammenarbeit der beiden Lyoner Architekturbüros LiNk und Dld ging ein bodenständiges Gebäude mit raffinierter Bezugnahme zu seiner Umwelt hervor.


Text: Koller, Michael, Marseille


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    Der Baukörper fügt sich gefällig in die profane Umgebung, ...
    Foto: Salem Mostefaoui

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    Der Baukörper fügt sich gefällig in die profane Umgebung, ...

    Foto: Salem Mostefaoui

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    ... fokussiert jedoch anderes: das spektakuläre Alpenpanorama am Horizont ...
    Foto: Salem Mostefaoui

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    ... fokussiert jedoch anderes: das spektakuläre Alpenpanorama am Horizont ...

    Foto: Salem Mostefaoui

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    ... und die Vegetation des eigenen Innenhofs.
    Foto: Salem Mostefaoui

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    ... und die Vegetation des eigenen Innenhofs.

    Foto: Salem Mostefaoui

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    Gestalterisch sind die Holzkonstruktion wie auch die Farbwahl an lokalen Themen angelehnt: ...
    Foto: Salem Mostefaoui

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    Gestalterisch sind die Holzkonstruktion wie auch die Farbwahl an lokalen Themen angelehnt: ...

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    Alles Bauholz stammt aus der Region, ...
    Foto: Salem Mostefaoui

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    Alles Bauholz stammt aus der Region, ...

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    ... das stumpfe Grün lässt an Hochalmen und Makkia denken.
    Foto: Salem Mostefaoui

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    ... das stumpfe Grün lässt an Hochalmen und Makkia denken.

    Foto: Salem Mostefaoui

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    Der Hof verbindet visuell alle Fachbereiche. Gänge, Räume und Säle docken über große Glasflächen an.
    Foto: Salem Mostefaoui

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    Der Hof verbindet visuell alle Fachbereiche. Gänge, Räume und Säle docken über große Glasflächen an.

    Foto: Salem Mostefaoui

Sie bildet den neuen Anker- und Ruhepunkt an der nördlichen Stadteinfahrt der 17.000-Einwohner-Gemeinde Sallanches im Departement Haute-Savoie: die École de Musique, Danse et Théatre – kurz EMDT – aus der Feder der Büros LiNk archi-tectes und Dld architectes, die beide im rund 200 Kilometer entfernten Lyon ansässig sind. Die Architekten waren die Sieger eines 2021 ausgeschriebenen Wettbewerbs, der zum Ziel hatte, die bislang über die Stadt verstreuten, meist schlecht ausgestatteten Probe- und Übungsräume unter einem Dach zu vereinen.
„Es war uns wichtig, das Gebäude im städtebaulichen Kontext vor der spektakulären Kulisse des Mont-Blanc-Massivs zu verankern“, betont Jérôme Glairoux, Mitbegründer von LiNk architectes. Kein leichtes Unterfangen, angesichts der banalen unmittelbaren Umgebung und der periurbanen Lage des Baugrundstücks: mehrgeschossige Wohnbauten am westlich ansteigenden Hang, der Ciné-Mont-Blanc-Kinokomplex im Osten und die Sporthalle Gymnase du Rosay im Norden; dazwischen ausufernde Autoparkplätze sowie austauschbare Geschäfte und Vorstadtrestaurants. Die Antwort der Architekten auf dieses Umfeld: Sie brachten die unterschiedlichen Räumlichkeiten der drei Fachbereiche in einem eingeschossigen Gebäude unter, einem einfachen geometrischen Volumen mit einem klar strukturierten, deutlich lesbaren Grundriss. So gelang es erstens, dem Haus trotz seiner relativ geringen Nutzfläche von 1800 Quadratmetern auf dem ausufernden Grundstück Präsenz zu verleihen. Zweitens ist die ebenerdige Organisa-tion dazu angetan, die Entwicklung und Vertiefung kreativer Synergien zwischen Musik, Tanz und Theater zu erleichtern. Und nicht zuletzt schien den Architekten die Anordnung aller Räume auf nur einem Niveau auch am besten den funktionalen und logistischen Anforderungen der Schule zu entsprechen.
Die innere Organisation des Gebäudes, die Sichtbeziehungen von innen nach außen und die Anbindung an die Wege rund um das Bauwerk stellen die Verbindung mit dem unmittelbaren Kontext her. Der Haupteingang befindet sich an der Ostseite, ihm vorgelagert ist eine leicht ansteigende Esplanade in Form einer Grünfläche. An der Südseite wurde ein bestehender Trampelpfad zu einem Spazierweg ausgebaut, während an der Westseite ein üppig bepflanzter Grünstreifen visuelle und lärmtechnische Abschottung zur viel befahrenen Straße bietet. Der um 1,80 Meter tiefer liegende Parkplatz der benachbarten Sporthalle wird für die Anlieferung der Musikinstrumente und Requisiten sowie für die Anbindung der technischen Räume genutzt.
Das Foyer direkt hinter dem Haupteingang verlängert symbolisch den öffentlichen Raum in die Schule hinein und spielt eine zentrale Rolle bei der Verteilung der unterschiedlichen Nutzer zwischen den Übungsräumen, dem Auditorium und dem Innenhof. Raumhohe, breite Fensterfronten fördern die Übersichtlichkeit und Orientierung zwischen innen und außen sowie zwischen den einzelnen Bereichen. Darüber hinaus sorgen sie für einen angenehmen Lichteinfall.
Der Patio bildet das Herzstück der Schule – zusammen mit dem Auditorium und dem Orchesterraum, die sich über den Hof hinweg durch ihre hohen Fensterbänder verbinden, in die Glastürenintegriert sind. Der mit Kies und Pflanzeninseln gestaltete Hof ist nahezu vollständig von Glasflächen umgeben. Entlang des Patios verlaufen die Erschließungsgänge, die durch das einfallende Tageslicht weitläufiger erscheinen, als sie tatsächlich sind. Der Hof fungiert außerdem als zusätzlicher, im Freien gelegener, aber geschützter Raum und Treffpunkt für Schülerinnen und Schüler, Lehrpersonal und Besucher. Die Funk-tionsräume der drei Teilbereiche sind kranzförmig um den Hof angeordnet. Rechter Hand vom Foyer befindet sich der Empfang, der bei Aufführungen auch als Kasse dient. Ihm sind zwei Büroräume zugeschaltet. Neben dem Tresen führt eine Glastür in den lichten Gang des Tanz-Bereichs.
Der große Tanzsaal mit einer Fläche von 135 Quadratmetern und einem ansteigenden Dach wurde an der Südostecke des Bauwerks positioniert und öffnet sich mit großen Fenstern zur Umgebung. Im Anschluss an die Umkleiden folgt, entlang der Südseite, der Bereich der Musikschule mit fünf Übungsräumen für Einzelunterricht und zwei größeren Räumen für Gruppen- und Orchesterproben. Entlang der Westseite wurden zusätzlich zwei Räume für die musikalische Früherziehung, ein Proberaum fürs Theater und ein weiterer für Percussion angeordnet.
Die gegenüberliegende Spange enthält, vom Foyer erschlossen, das Auditorium mit 150 Plätzen, die auf einer ausfahrbaren Tribüne aufgereiht sind. Die Decke des Raums steigt bis zu 5,50 Meter an. Ein unter der Dachkante neben der Ton- und Lichtregie angeordnetes großes Fenster lenkt den Blick auf die umliegenden Bergketten. Hinter der Bühne schließt der Orchesterprobesaal an, und an der Nordseite wurden zwei Künstlerlogen eingerichtet sowie dienen-de Räume untergebracht.
Das Gebäude besteht aus einem ringförmigen Basisvolumen mit einem einseitig vom Patio nach außen abfallenden Pultdach. Aus diesem Dach erheben sich die Volumina von Auditori-um und Tanzsaal, wobei sie die allgemeine Dach-neigung fortsetzen. Gestalterisch interpretierte das Planungsteam den regionaltypischen Mix aus Holz- und Steinbau neu. Die – man könnte sagen als Stein-Ersatz herangezogenen – innenliegenden Betonwände dienen zur Aussteifung und als Isolation für Schall und Vibration. Im Wesentlichen ist die Konstruktion jedoch ein Holzständerbau. Das Tragwerk musste aufgrund der hohen akustischen Anforderungen in den meisten Bereichen verblendet werden. Die nötigen Isolierschichten nehmen geschickt auch die Technik auf.
Der Großteil des verwendeten Holzes – hauptsächlich Fichte – für Fassaden, Pfosten, Sparren und Pfetten sowie der vorgefertigten Fassaden- und Dachpaneele stammt aus regionaler Produktion und trägt das Label „Bois des Alpes“. Glairoux erklärt: „Durch die Reduktion auf wenige Materialien und Farben und die Betonung der Dachlandschaft haben wir versucht, ein einfaches und zurückhaltendes Bauwerk zu entwerfen und gleichzeitig eine Beziehung zur Landschaft herzustellen.“
Die hölzerne Fassade definieren die Architekten als eine Art Sockel. Die Ummantelung mimt in ungewohnter, zeitgenössischer Weise das Bild einer Chalet-Architektur. Die grüne Farbe ist als Referenz zur Alpenvegetation zu verstehen und wurde auch in die Inneneinrichtung eingewoben: Grün akzentuiert die Holzrahmen von Türen und Fenstern in der ansonsten in hellem Holz belassenen Schule, und es findet sich in den Akustikpanelen der unteren Wandbereiche sowie an Fensternischen und Einbauschränken.
Als Dach ragt eine Zinkplatte wie eine Krone empor. Das lichtgraue Kleid erfüllt vor allem bei leicht dunstigem oder kaltem Wetter – und vom Innenhof aus betrachtet – die in es gesetzten Hoffnungen: Dann verschwimmen die Dächer fast mit dem Himmel. Die Zacken, die sich in der Silhouette wie auch im Detail der rautenförmigen Dachdeckung finden, scheinen die umliegenden Bergkämme nachzuzeichnen. Noch unterstützt durch ihre Stehfalze erzeugen die Zinkbleche vielfältige Licht- und Schattenwürfe.
Besagte Rautenform zieht sich durch das gesamte Bauwerk hindurch. Die Rauten spielen einerseits auf das vernakuläre Motiv der Schindel an und übernehmen andererseits funktionelle und technische Aufgaben – sie finden sich auch in den Sperrholzkassettendecken des Auditoriums sowie in den Geometrien der Decken in den Übungsräumen wieder. Außerdem hielt die Rau-te Einzug in den Abschluss der Dachtraufen. Auf diese Weise tanzen lebendige Schatten sowohl über die Außenhaut als auch durch das Innere der Schule für Klang und Bewegung.



Fakten
Architekten LiNk architectes, Lyon; Dld architectes, Lyon
Adresse 231 Rue de Capitaine Bulle, 74700 Sallanches, Frankreich


aus Bauwelt 2.2026
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