Bauwelt

Biomasseforschungszentrum in Leipzig


Das Deutsche Biomasseforschungszentrum haben Schulz und Schulz als Holz-Beton-Verbundbau konzipiert. Über zwei Jahre nach Fertigstellung wirkt der Bau noch immer nicht richtig in Betrieb genommen.


Text: Redecke, Sebastian, Berlin


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    Der fünfgeschossige Bürobau und der Flachbau mit den Hallen für die Forschung fassen den Vorplatz an der Torgauer Straße. Mit dem Neubau rückt die Einrichtung an die Straße, wird als Institut sichtbar im öffentlichen Raum.
    Foto: Gustav Willeit

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    Der fünfgeschossige Bürobau und der Flachbau mit den Hallen für die Forschung fassen den Vorplatz an der Torgauer Straße. Mit dem Neubau rückt die Einrichtung an die Straße, wird als Institut sichtbar im öffentlichen Raum.

    Foto: Gustav Willeit

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    Die Brandwände der Hallen ...
    Foto: Gustav Willeit

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    Die Brandwände der Hallen ...

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    ... im Technikum ...
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    ... im Technikum ...

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    ... sind aus unbehandeltem Sichtbeton.
    Foto: Gustav Willeit

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    ... sind aus unbehandeltem Sichtbeton.

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    Holz und natürliche Baustoffe ...
    Foto: Gustav Willeit

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    Holz und natürliche Baustoffe ...

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    ... dominieren das Innere bis hin zu den Piktogrammen des Leitsystems, ...
    Foto: Gustav Willeit

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    ... dominieren das Innere bis hin zu den Piktogrammen des Leitsystems, ...

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    ... die aus OSB-Platten gefräst wurden.
    Foto: Gustav Willeit

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    ... die aus OSB-Platten gefräst wurden.

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    Die tragenden Innen- und Außenwände der Ober­geschosse wurden in einer Holzständerbauweise errichtet, die Decken als Holz-Beton-Verbund-Kons­truk­tionen hergestellt. Betonkerne dienen zur Aussteifung.
    Foto: Gustav Willeit

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    Die tragenden Innen- und Außenwände der Ober­geschosse wurden in einer Holzständerbauweise errichtet, die Decken als Holz-Beton-Verbund-Kons­truk­tionen hergestellt. Betonkerne dienen zur Aussteifung.

    Foto: Gustav Willeit

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    Dem Konferenzzentrum ist ein Garten vorgelagert, der die Unwirtlichkeit der Lage an der B87 mindert.
    Foto: Gustav Willeit

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    Dem Konferenzzentrum ist ein Garten vorgelagert, der die Unwirtlichkeit der Lage an der B87 mindert.

    Foto: Gustav Willeit

Ein düsteres Gebäude. Doch dann haben sich die Wolken kurz verzogen und die Sonne kommt zum Vorschein. Der fünfgeschossige Hauptbau des Deutschen Biomassenforschungszentrums (DBFZ) der Leipziger Architekten Schulz und Schulz bleibt zwar für den Betrachter eine dunkle Erscheinung, wirkt aber nun freundlicher, und beim Herantreten offenbart sich, in anderem Licht, deutlich die Qualität der Fassade. Sie ist vollständig aus Fichtenholz gefertigt, vertikal abwechselnd in drei unterschiedlichen Brett­brei­ten und geschossweise durch Deckleisten ho­­ri­zontal gegliedert. Zudem werden die Fenster durch schmale Lisenen etwas hervorgehoben. Man fühlt sich an Holzbauten in Skandinavien erinnert.
Alsbald wird deutlich, dass die Gebäudeabfolge eine raumgreifende Geste bildet, die im Grundriss einem langgezogenen, rechtwinke­ligen Z entspricht. Die klare Großform ist wichtig, denn das Forschungszentrum befindet sich im Leip­ziger Osten an einer breiten Ausfallstraße Richtung Autobahn – zwischen Lagerhalle, Tankstelle und einem Bordell in Erdbeerrot. Jetzt hat das Institut vor allem mit dem Hauptgebäude und einem öffentlich zugänglichen, eindeutig formulierten, aber weitgehend als Parkplatz genutzten Vorplatz eine Adresse erhalten.
Zuvor befanden sich auf dem Gelände, von derStraße weit zurückgesetzt und ohne bauliche Verortung, die Einfahrt zu den Nachkriegsbauten der Akademie der Wissenschaften der DDR. Blickt man weiter zurück, hatte hier die Produktionsstätte des Metallwaren- und späteren Rüstungsunternehmens HASAG ihren Hauptsitz, das vor allem Panzerfäuste herstellte. Eine grausame Geschichte der Zwangsarbeit während der NS-Zeit tut sich hier auf. Von dem Unternehmen ist nur das Verwaltungsgebäude übrig geblieben, da die Maschinen bis 1947 demontiert und die Hallen gesprengt wurden.
Heute nennt sich das Areal Wissenschaftspark Leipzig. Im Süden schließt „Tropos“ an, das Leipziger Institut für Troposphärenforschung. Dort stehen das weltweit einzige, viel publizierte „Wolkenlabor“ mit seinem zylindrischen Turm und zwei weitere Institutsbauten, ebenfalls von Schulz und Schulz (Bauwelt 26.2005).
Zurück zum DBFZ: Warum nun diese so dunkle Verschalung aus Holz? Wir erfahren, dass ganz bewusst eine „kraftvolle Unfarbe“ gewählt wurde. In der Begründung der Juroren des BDA-Architekturpreises Sachsen, den der Neubau zuerkannt bekam, ist zu lesen, dass er sich mit dem Farbton „Öko-Assoziationen entzieht und als abstrahierter Baukörper im Umfeld behauptet“. Nach den Erläuterungen des Architekten Benedikt Schulz stand 2013 beim Wettbewerbsentwurf die Gebäudeabfolge an der Straße sehr bald fest. Dann war es ihm und seinem Bruder und Büropartner Ansgar aber wichtig, für das naturwissenschaftliche-technische Forschungs­zentrum ohne jede überflüssige Anspielung und Komplexität ein spezifisches bauliches Thema zu finden, das den Anspruch von Nachhaltigkeit mit ressourcenschonendem Material erfüllt. So kam es zu dem Grundsatz „Holz, soweit das Auge reicht“. Damals, vor zehn Jahren, als der mehrgeschossige Holzbau in Deutschland noch keine größere Bedeutung erlangt hatte und konstruktiv eine Herausforderung darstellte, war dies ein mutiger Schritt. Der Bauherr war für das Konzept schnell zu gewinnen, und alle Vorbehalte waren beiseite geschoben. So entstand nach langen Jahren der Planung der erste Holzbau dieser Größe in Sachsen, eine Art Modellprojekt. Schulz und Schulz hatten zu der Zeit bereits Erfahrungen mit Holzkonstruktion gesammelt bei ihrer Serie von fünf allerdings nur zweigeschossigen Systembau-Kindergärten in München.
Konkret handelt es sich beim Hauptgebäude um Außen- und Innenwände in Holzständerbauweise mit hinter der Fassadenhaut liegenden Brettschichtholzstützen aus Kiefer. Die Geschossdecken wurden in einer Holz-Beton-Verbundkonstruktion als Fertigteilelemente mit integrierter Installationsführung realisiert. Betonkerne mit den Treppenaufgängen befinden sich dia­gonal gegenüberliegend an den Gebäudeecken. Man gab sich nicht dogmatisch. Holz wurde zwanglos dort eingesetzt, wo es möglich ist. Im Foyer und in den Fluren wurden Lamellen untergehängt. Nur die aus OSB-Platten gefräste Signaletik an den Wänden fällt mit ihren Pikto­grammen und Pfeilen unmittelbar ins Auge und verleitet zum Schmunzeln. Auch wenn mit dem Schwarz des Äußeren trotz Sonnenstrahlen eine gewisse Distanz bleibt, so ist der Eindruck innen ein ganz anderer: Das Haus ist einladend, nicht nur durch die öffentlichkeitswirksame Geste des großzügig verglasten Foyers unmittelbar an der Straße, sondern auch durch den Bodenbelag, quadratische Travertinplatten aus Thüringen, die sich mit lebendiger Marmorierung in goldbraunen Farbnuancen dem Holz anpassen, das sich im Inneren durchgehend naturbelassen zeigt. Die Großzügigkeit setzt sich fort im niedrigeren, nach Südwesten angegliederten Gebäudeteil mit dem Konferenz- und Seminarbereich, der mit fahrbaren Holztrennwänden in vier Einheiten unterteilt werden kann. Der Saal öffnet sich zu einer kleinen, von der Ausfallstraße etwas abgeschirmten Grünanlage mit Teich, der während der Zigarettenpause in weniger als einer Minute umrundet werden kann. Mehr Platz war nicht. In den Obergeschossen mit den Büros der Forscher und ganz oben der Verwaltung fallen neben dem braunbeigen Teppichmuster vor allem die Holzdecken auf. Die Treppenhäuser mussten aus Kostengründen ohne den Thüringer Travertin auskommen.
Das Technikum, der zweite, deutlich abgesetzte Teil des Ensembles, ist mit dem Hauptbau über ein erdgeschossiges Dachband verbunden, das die Zufahrt auf das Betriebsgelände des Forschungsinstituts überbrückt und visuell von der Öffentlichkeit trennt. Auch beim Technikum fand Holz soweit möglich Verwendung. Die Fassadenverschalung setzt sich durchgehend mit den Brettern aus Fichtenholz fort, sogar mit einer versteckten „Tapetentür“. Für das Dachtragwerk der drei unterschiedlich großen Technikhallen mit Forschungsöfen und Versuchsaufbauten wurden Brettschichtholz-Binder gewählt, die entsprechend der kürzeren Spannweite unterschiedlich ausgerichtet sind. Die Brandwände sind aus Sichtbeton. Hinter den Hallen schiebt sich als niedriger Teil des Gebäudes die lange Schiene mit den Laboren heraus. Im Obergeschoss sind kleine Forschungsräume untergebracht, wie bei den Laboren mit einer Fensterreihe nach Nordosten. Hinter der Zufahrt, zwischen Hauptgebäude und Technikum, war von den Architekten eine Freifläche mit Bäumen bis zur Forschungsbiogasanlage am nördlichen Ende des Institutsgeländes vorgesehen. Leider wurde dies nicht umgesetzt, da die dort stehen­-de alte Halle wohl noch länger bleiben soll.
Das Leipziger Bundesforschungsinstitut erfüllt bei der Entwicklung und Nutzung erneu­erbarer Energien wichtige Aufgaben. Im Vordergrund steht die Gewinnung von Bioenergie aus organischen Substanzen von Pflanzen und Tieren. Doch fragt man sich nach dem Besuch, warum über zwei Jahre nach Fertigstellung noch immer nicht alle Räume der Forschung mit bester Ausstattung bezogen sind und auch einige Bereiche des Technikums augenscheinlich nicht voll genutzt werden, obwohl dafür ursprünglich doch Partner aus der Wirtschaft angekündigt waren. Das 2008 gegründete Forschungs­institut untersteht dem Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft. Man kann nur vermuten, dass das Thema Verbrennung nicht mehr so im Vordergrund steht, da die Schwerpunkte der Erforschung ökologisch und wirtschaftlich zukunftsweisender Energiegewinnung anderswo liegen. Vor allem Biogas bleibt sicherlich wichtig. Doch wie die Herstellung von E-Fuels durch Strom aus Biomasse zeigt, sind die Kosten deutlich gestiegen. Vielleicht spielt diese Entwicklung eine Rolle, und die Forschung des DBFZ erfährt deshalb zurzeit nicht die erwartete Aufmerksamkeit.



Fakten
Architekten Schulz und Schulz, Leipzig
Adresse Torgauer Str. 116, 04347 Leipzig


aus Bauwelt 12.2023
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