Bauwelt

Silo und Hafen

Text: Heinich, Nadin, München

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    Der Hafen von Beirut liegt am Golfe de Saint-Georges im Norden der Stadt, nahe des Zentrums.
    Foto: Sergey Ponomarev

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    Der Hafen von Beirut liegt am Golfe de Saint-Georges im Norden der Stadt, nahe des Zentrums.

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    Er ist der größte Hafen des Landes, mehr als 60 Prozent aller libanesischen Importe wurden hier umgeschlagen.
    Foto: Sergey Ponomarev

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    Er ist der größte Hafen des Landes, mehr als 60 Prozent aller libanesischen Importe wurden hier umgeschlagen.

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    Am 4. August 2020 detonierten in einer Lagerhalle im Hafen 2750 Tonnen Ammoniumnitrat.
    Foto: Sergey Ponomarev

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    Am 4. August 2020 detonierten in einer Lagerhalle im Hafen 2750 Tonnen Ammoniumnitrat.

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    Die Katastrophe gilt als die größte nicht-nukleare Explosion der Menschheitsgeschichte.
    Foto: Sergey Ponomarev

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    Die Katastrophe gilt als die größte nicht-nukleare Explosion der Menschheitsgeschichte.

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Silo und Hafen

Text: Heinich, Nadin, München

Vor mehr als zwei Monaten haben wir bei der libanesischen Armee die Genehmigung beantragt, das Silo zu besichtigen. Nun warten wir am Hafeneingang. Soldaten kontrollieren jeden, der passieren möchte. Offensichtlich reicht das Schreiben, das wir vor zwei Wochen von der Pressestelle der Armee erhalten haben, nicht aus. Man schickt uns von einem Gebäude zum nächsten. Schließlich fotografiert uns ein Soldat, stellt uns „Ausweise“ aus und zwei Aufpasser zur Seite. Wir fahren vorbei an zerbeulten Autos, zusammengedrückten Containern, Bergen von Schutt. Daneben parken nagelneue Rolls Royce.
Am Abend des 4. August 2020 explodierten in einer Lagerhalle 2750 Tonnen Ammoniumnitrat. 200 Menschen starben, mehrere Tausend wurden verletzt, 300.000 wurden obdachlos. Die Druckwelle war noch im 260 Kilometer entfernten Zypern zu hören und zu spüren. Sie zerstörte das Hafengebiet, angrenzende Stadtteile, Wohnhäuser und Infrastruktur wie das Silo, den größten Getreidespeicher Beiruts.
Das Ammoniumnitrat lagerte bereits seit 2013 im Hafen. Es stammte von der „Rhodus“, einem Frachter unter moldauischer Flagge, der dem amerikanisch-norwegischen Geophysikkonzern TGS gehörte. Eigentümer der Ladung war Savaro Limited, ein britisches Chemiehandelsunternehmen. Die Rhodus war auf dem Weg von Georgien nach Mosambik. Nach einer Inspektion während eines Zwischenstopps in Beirut setzten die libanesischen Behörden das Frachtschiff wegen technischer Mängel und unbezahlter Hafensteuer fest. 2014 wurde die Rhodus vom libanesischen Staat beschlagnahmt. Jahrelang verblieb sie im Hafen. Später lagerte die Fracht unter unzureichenden Sicherheitsbedingungen im Lagerhaus Nummer 12. Am Unglückstag kam es bei Schweißarbeiten zu einem Brand in einer benachbarten Halle. Dort gelagerte Feuerwerkskörper explodierten und entzündeten auch das Ammoniumnitrat.
Ursache und Hergang des Unglücks sind bis heute nicht vollständig geklärt. Zahlreiche Zollbeamte und Hafenarbeiter wurden verhaftet, Ermittlungen gegen hochrangige Politiker gab es kaum. Fadi Sawan, der erste Untersuchungsrichter, wurde 2021 abgesetzt, nachdem er den ehemaligen Ministerpräsidenten hatte vorladen wollen. Fast genau zwei Jahre später, am 31. Juli 2022, stürzte ein Teil des schwer beschädigten Silos ein. Zuvor hatte zwei Wochen lang dort gelagertes Getreide gebrannt. Heute stehen die 48 Meter hohen Überreste des Silos im Hafen als Mahnmal der Explosion – und des Staatsversagens.

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