Bauwelt

Selbstverwaltet wohnen

Ein Labor des Zusammenlebens: Schweizer Wohnbaugenossenschaften im Basler Architekturmuseum

Text: Minet, Paulina, Konstanz

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Zwei in Basel von Eduard Pfrunder und Johann Ulrich Hammerer errichteten Häuser (1899) bleiben mit genossenschaftlichem Engagement und dem Atelier Clauss Kahl Merz als Wohnort erhalten
Foto: Barbara Bühler

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Zwei in Basel von Eduard Pfrunder und Johann Ulrich Hammerer errichteten Häuser (1899) bleiben mit genossenschaftlichem Engagement und dem Atelier Clauss Kahl Merz als Wohnort erhalten

Foto: Barbara Bühler


Selbstverwaltet wohnen

Ein Labor des Zusammenlebens: Schweizer Wohnbaugenossenschaften im Basler Architekturmuseum

Text: Minet, Paulina, Konstanz

Wohnraum ist Mangelware, die Mieten steigen und soziale Isolation nimmt zu. Vor diesem Hintergrund blickt die Ausstellung „Wohnen fürs Wohnen: Schweizer Wohnbaugenossenschaften als Labor des Zusammenlebens“ im Schweizerischen Architekturmuseum in Basel (SAM) auf die Genossenschaft als etabliertes Modell für gemeinwohlorientiertes Wohnen.
Zum hundertjährigen Bestehen des Dachverbands der Wohnbaugenossenschaften Nordwestschweiz entstand die Schau in Zusammenarbeit mit Anaïs Auprêtre de Lagenest und Andreas Ruby, der seine Aufgabe als Direktor des SAM zum Jahresbeginn an den Kunstkritiker und Kurator Adam Szymczyk übergab.
Ein Überblick: Selbstverwaltete Wohnbauträger oder Wohnbaugenossenschaften formieren sich, um bezahlbaren Wohnraum für ein solidarisches Zusammenleben zu schaffen. Ihre Immobilien können nicht einfach weiterverkauft werden und sind so langfristig der Spekulation entzogen. Es muss keine Rendite erzielt werden; die sogenannte Kostenmiete beruht auf den anfallenden Kosten, was stabile Mieten gewährleistet. Doch in einer Genossenschaft zu leben, bedeutet mehr, als eine Wohnung zu mieten. Die Mischform aus Miete und Eigentum führt unter den Mitgliedern zu Pflichten, Vorteilen und Rechten. Entgegen dem Privateigentum tragen sie nicht das finanzielle Risiko allein. Gemeinschaftlich genutzte Räume über die Wohnungen hinaus bringen einen geringeren Quadratmeterbedarf pro Person mit sich. Die Mitglieder haben außerdem ein demokratisches Mitwirkungsrecht. So wundert es nicht, dass gerade die Schweiz als direkte Demokratie auf eine lange Geschichte der Wohnbaugenossenschaften zurückblickt.
In der Rückschau der Ausstellung wird deutlich, dass diese Art des Zusammenlebens seit jeher mit Wohnkrisen verbunden war. So fand sie ihren Ursprung in der Zeit der Industrialisierung. Eine zweite Gründungswelle folgte mit der Wohnungsnot nach dem Ersten Weltkrieg. Den Höhepunkt erreichten die Genossenschaften nach dem Zweiten Weltkrieg, als ein Großteil von ihnen entstand.
Trotz des Mehrwerts und der zentralen Rolle der Region Basel für den genossenschaftlichen Wohnungsbau der Schweiz, fehlt es ihr an Beachtung in der öffentlichen Wahrnehmung. Das ändert die Schau: Projekte in und um Basel rekonstruieren exemplarisch die Geschichte der Wohnbaugenossenschaften. Sie reichen von ersten Siedlungen wie dem Freidorf in Muttenz (1919), über denen von Hans Bernoulli (1920–1948) hin zu der Siedlung Vogelbach in Riehen (1992). Zwölf aktuelle Wohnexperimente weiten die Perspektive auf die Gesamtschweiz aus. Dazu zählen Vorhaben wie Erlenmatt Ost, das Lysbüchel-Areal oder das größte genossenschaftliche Modellprojekt der Schweiz, das Westfeld in Basel mit dem umgenutzten Felix-Platter-Spital.
Die Ausstellung macht Vorschläge zu Wohnformen und -fragen. Sie thematisiert gesellschaftspolitische Debatten um Abriss oder um die Sorgen von Menschen. Häuser werden in Fotografien von Barbara Bühler aus der Perspektive der Bewohner gezeigt.
Vorträge und Diskussionsrunden erfüllen den Anspruch, auf das Wohnen in der Praxis einzuwirken. In diesem Kontext suchte der Dachverband der Wohnbaugenossenschaften Nordwestschweiz in einem Ideenwettbewerb nach spekulativen Zukunftsstrategien, um diese an drei Genossenschaften zu erproben. Erhellende Fragen komplettieren den Besuch: Was wäre, wenn wir Wohnen als Experiment begriffen, wenn wir mutig wären, wenn wir neue Wohnformen ausprobierten?

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